In Oberschleißheim gedenken Polizisten dem getöteten Kollegen.

Trauer in ganz Deutschland

Gedenken an erschossenen Polizisten: Schweigeminute im Blaulichtschein

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Nürnberg/München – Mit einem Trauergottesdienst verabschiedeten sich Angehörige und Kollegen am Samstag von dem Polizeibeamten Daniel Ernst, der von einem Reichsbürger erschossen worden war. Deutschlandweit gab es eine Schweigeminute.

Als Mittelfrankens Polizeipräsident Johann Rast an die Leistungen des jungen Kollegen erinnert, hält er seine Tränen nicht zurück. Zu groß ist die Trauer, zu groß auch der Schock über den schwer zu begreifenden Tod von Daniel Ernst. Ein 32 Jahre alter Polizeibeamter, erschossen im Dienst. Von einem Mann, der als sogenannter Reichsbürger die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat anerkennt. Der Tod zeige, dass man als Polizist auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müsse, sagt Rast am Samstag beim Trauergottesdienst mit zitternder Stimme – und betont sichtlich betroffen: „Wir werden unseren Kollegen nicht vergessen.“

Hunderte Polizisten nehmen in der Lorenzkirche Abschied

Es ist ein stilles Gedenken, als in der Nürnberger Lorenzkirche Hunderte von Polizisten aus Bayern, aber auch aus anderen Teilen der Republik von ihrem im mittelfränkischen Georgensgmünd getöteten Kollegen Abschied nehmen. Dass auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gekommen ist („Die tödlichen Schüsse sind ein Angriff auf unsere Werte, den Rechtsstaat, uns alle.“), verdeutlicht, von welcher Tragweite dieses Verbrechen ist.

„Da ist ein Polizist gestorben, weil er sich für die Sicherheit der Bürger einsetzen wollte“, sagt Jürgen Ascherl. Er ist Erster Polizeihauptkommissar und als Münchner Hauptpersonalrat sensibilisiert für das, was die Kollegen beschäftigt. In einer polizeiinternen Facebook-Gruppe kam die Idee auf, eine Schweigeminute für Daniel Ernst abzuhalten. Als deutliches Zeichen gegen Gewalt gegenüber Polizisten.

Bewegender Abschied von getötetem Polizisten

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Erst war es nur eine Anregung für die Münchner Kollegen, doch schnell verbreitete sie sich deutschlandweit – und so stehen am Samstag überall im Land um Punkt 15 Uhr Streifenwagen am Straßenrand, mit eingeschaltetem Blaulicht. Eine Minute Innehalten in Gedenken an Ernst, ein „hervorragender Typ, ein SEKler, wie man ihn sich wünschen würde“, wie es Polizeidirektor Holger Stein beim Gottesdienst formuliert.

Auch Polizeihauptmeister Sascha Ritzel von der Polizei Oberschleißheim beteiligt sich an der Aktion. Er hat sich extra ganz am Rand der Straße platziert. Bloß nicht auffallen. Denn schnell werde dann wieder der Vorwurf laut: „Was machen die Bullen denn da in ihrer Dienstzeit – von unseren Steuergeldern?“ Doch er hätte sich auch mitten auf der Kreuzung platzieren können – niemand überholt den Streifenwagen. „Eine Minute lang stand alles still, aus Respekt“, erzählt Ritzel erfreut. Er hatte vorab im Ort Zettel aufgehängt, um auf die Aktion hinzuweisen. Und tatsächlich kommen der Bürgermeister, der Pfarrer und rund zwei Dutzend Passanten, um den Verstorbenen zu ehren.

Erster Polizeihauptkommissar: Mehr an wichtige Werte erinnern

Jürgen Ascherl ist derzeit nicht in Bayern, er beteiligt sich von Meißen aus an der Gedenkminute. Auch in Berlin, NRW, Hamburg und vielen anderen Regionen machen Kollegen mit. Ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der die Gewalt gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten oder auch Rotkreuzmitarbeitern immer mehr zunimmt, betont Ascherl. Denn: „Es kann doch nicht sein, dass Rettungskräfte in ihrem Bemühen, Hilfe zu leisten, von Gewalttätern abgehalten werden! Den betreffenden Personen muss klar gemacht werden, dass die Polizei nicht der Feind ist – sondern im Gegenteil der Freund und Helfer der Bürger.“ Gewalt werde man nie gänzlich verhindern können. Aber angesichts der steigenden Anzahl an Fällen und der immer größeren Intensität der Angriffe müsse wieder mehr an wichtige Werte erinnert werden. Etwa den, dass wir zwar in einer Demokratie leben, in der Redefreiheit herrscht – daraus aber nicht das Recht zur Beleidigung abgeleitet werden kann.

„Die, die schon immer etwas gegen die Polizei hatten, sind heute einfach frecher“, erzählt auch Ritzel von seinen Erfahrungen. Und angesichts des Tods von Daniel Ernst höre man dann gleichgültige Stimmen wie: „Mei, die Gefahr bringt der Job eben mit sich.“ Ein Zeichen dafür, wie gering der Respekt und die Anerkennung für Polizisten sei. „Genau deshalb war unsere Gedenkminute wichtig. Um daran zu erinnern, dass hier jemand sein Leben im Dienst für die Sicherheit im Land gelassen hat.“ Das bleibt unvergessen.

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