Augen auf beim Böllerkauf, damit ihr Wohnzimmer nach Silvester nicht so aussieht.

Spaß mit hohem Risiko

So gefährlich sind die Böller aus Polen und Tschechien

München - Der Verkauf von Silvester-Feuerwerk startet am Dienstag. Rund 129 Millionen Euro lassen sich die Deutschen das Böllern jährlich kosten. Doch es ist Vorsicht geboten.

Feuerwerk kann schwere Schäden anrichten – und illegal eingeführte Böller aus Polen und Tschechien sind keine Schnäppchen, sondern eine Gefahr für Leib und Leben.

Mehr als drei Tonnen illegale Pyrotechnik stellten die Fahnder des Landeskriminalamts (LKA) bereits in diesem Jahr in Bayern sicher. Die Kracher tragen martialische Namen wie „La bomba“, „Sioux Warrior“ oder „Uwaga“, das polnische Wort für „Achtung“. Ihr Verkauf ist in Polen und Tschechien legal, hierzulande jedoch nicht. In zunehmendem Maß gelangen sie auch per Post nach Deutschland – durch den Einkauf in Online-Shops.

„Diese Böller sind brandgefährlich“, sagt Jürgen Gust, Leiter der Sprengstoffstelle des LKA. Er rät, das Silvesterfeuerwerk ausschließlich in heimischen Läden zu kaufen. Denn die Kracher aus dem Osten enthalten zumeist hochexplosive Blitzknallsätze, die hierzulande nur in professionellem Feuerwerk enthalten sein dürfen. „Wenn man so einen Böller zu spät wegwirft, kann er einem die ganze Hand zerfetzen“, sagt Gust. „Und steckt man einen deutschen Böller in einen Zigarettenautomaten, dann passiert nichts.“ Mit einem La bomba sei der Automat hinüber und der Straftatbestand des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion erfüllt.

Sicheres und ungefährliches Feuerwerk erkennt man durch die aufgedruckte „BAM“-Kennzeichnung des Bundesamts für Materialprüfung. Dazu sind auch die Kategorien auf der Verpackung verzeichnet. „F1“ steht auf Knallfröschen und Wunderkerzen, die auch an Jugendliche ab zwölf Jahren abgegeben werden dürfen. „F2“ sind alle anderen Feuerwerkskörper, die an Privatleute verkauft werden dürfen. Das Mindestalter sind 18 Jahre.

Feuerwerk der Kategorien „F3“ und „F4“ sind hierzulande nur Profis vorbehalten, in Tschechien und Polen aber für jedermann käuflich. Die Einfuhr dieser Kracher ist kein Kavaliersdelikt. Es können dafür Geldstrafen bis zu 50 000 Euro erhoben werden. Läßt man sie sich mit der Post schicken und sind sie nicht als Gefahrgut deklariert, hat auch das ein juristisches Nachspiel.

Doch auch mit legalem Feuerwerk kann schwerer Schaden angerichtet werden. In der Silvesternacht 2014 auf 2015 rückte die Münchner Feuerwehr 155 Mal aus. Eine Steigerung um knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durch Feuerwerkskörper verursachten Brände hinterließen in München einen Millionen-Schaden.

Die Feuerwehr rät deshalb dazu, alle leicht entzündlichen Materialien aus dem Garten und vom Balkon zu entfernen und die Fenster fest zu schließen. Denn auch durch gekippte Fenster können Raketen in die Wohnung fliegen. Dazu sollte auch immer ein Kübel Löschwasser bereitstehen.

Blindgänger bringen eine hohe Verletzungsgefahr mit sich. Diese sollte man nie versuchen, erneut anzuzünden. Das Feuerwerk sollte immer auf einem festen, ebenen Untergrund stehen, damit es nicht umkippen kann. Raketen werden am besten von einem Tragl mit leeren Bierflachen aus abgefeuert.

Auf den Sicherheitsabstand zu umstehenden Personen ist dabei unbedingt zu achten. Wichtig ist auch, dass die Schussbahn nach oben frei ist und nicht etwa die Äste eines Baums den Lauf der Rakete ablenken können.

Die Regierung von Oberbayern weist zudem darauf hin, dass der Eigenbau von Feuerwerkskörpern eine Straftat ist. In der Realität komme das jedoch nicht mehr oft vor, sagt Gust.

Denn der Trend geht immer mehr zu einfacher Bedienung bei maximalem Effekt. „Unser Verkaufshit sind neben den klassischen Raketen schon seit einigen Jahren Batteriefeuerwerke“, sagt Sebastian Ruppert, Juniorchef des Unterhachinger Feuerwerwerks-Fachhandels „Himmelsschreiber“. Eine Zündung löst einen furiosen, mehrere Minuten langen Licht- und Farbeffekt aus. Daran musste selbst ein Profi früher lange basteln.

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