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Solche Schneelanzen werden am Jenner derzeit von Unbekannten manipuliert. Die Täter verstellen den Winkel – dadurch ragt die Lanze in die Piste hinein.

Jenner: Gefährliche Attacken auf Schneelanzen

Berchtesgaden - In vielen bayerischen Skigebieten geht ohne Kunstschnee gar nichts. Doch die Beschneiungs-Anlagen haben nicht nur Freunde. Am Jenner manipulieren Unbekannte die Schneelanzen – mit weitreichenden Folgen.

Das Skigebiet Jenner am Königssee wirbt mit Schneesicherheit vom Saisonstart bis ins Frühjahr – dank der modernen Beschneiungsanlage von der Bergstation (1800 Meter) bis ins Tal. Seit November 2008 beschneien 53 neue Schneekanonen die Pisten. Dazu sind pro Jahr etwa 30 Millionen Liter Wasser nötig, das aus einem neuen, elf Meter tiefen und 48 000 Kubikmeter großen Schneiteich kommt.

Diese Aufrüstung zugunsten des Tourismus ist nicht allen Recht: Unbekannte haben mehrfach Schneelanzen manipuliert. Ein Mitarbeiter der Bergbahn wurde verletzt. Es war am 16. Dezember, nachts und mitten in der Phase, in der der Jenner für den Saisonstart beschneit wurde: Ein erfahrener Mitarbeiter von Wilfried Däuber, Betriebsleiter der Bergbahn, kontrollierte gegen 22 Uhr die Schneelanzen am Jenner. Das sind meterlange Stahlstangen, aus denen Kunstschnee auf die Piste gesprüht wird. Als der Arbeiter die Kupplung zwischen Wasserleitung und Beschneiungsanlage überprüfte, schlug ihm plötzlich der Schlauch entgegen – mitten ins Gesicht, er wurde am Auge verletzt. „Da ist ein Druck von etwa 60 Bar darauf“, sagt Däuber.

Zum Vergleich: Ein Autoreifen steht etwa unter 2,5 Bar. Irgendjemand hatte die Kupplung gelockert. Däuber weiß von drei weiteren Zwischenfällen dieser Art. Bei anderen Schneelanzen verstellten die Unbekannten den Winkel. „Auch das ist gefährlich“, sagt Däuber. Zum Beispiel, wenn seine Mitarbeiter nachts mit dem Skidoo die Piste abfahren und die Lanze plötzlich zu tief hängt. „Wenn da einer dagegen fährt...“, sagt Däuber. „Dann hört’s wirklich auf.“ Einen Lausbubenstreich vermutet der Betriebsleiter nicht. „Die Täter müssen schon gewisse Kenntnisse über die Technik haben.“ Vielleicht, so seine Vermutung, sind die Unbekannten gegen die Kunstschnee-Anlagen.

Diesen Verdacht teilt Günther Adolph, Leiter der Polizeiinspektion Berchtesgaden. „Das sind Leute, die gegen die Beschneiung sind.“ Auffällig sei der Tatzeitpunkt: der Beginn der Skisaison. „Das war gleich mal ein Zeichen“, sagt der Polizeibeamte. Adolph glaubt nicht, dass die Täter bewusst Menschen schaden wollen. Doch auch Skitourengeher könnten von den manipulierten und tiefergestellten Schneelanzen verletzt werden. Gerade viele Einheimische seien abends noch unterwegs auf dem Berg. Weil die Lanzen am Rand der Piste stehen, könnte ein Wintersportler im Dunklen dagegen fahren. Das sei lebensgefährlich. Bislang haben die Unbekannten nur an Wochenenden zugeschlagen. Betriebsleiter Däuber und seine Mannschaft kontrollieren vor allem dann verstärkt. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Carina Lechner

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