Gefährlicher Sextäter Markus W. ist frei

Taufkirchen/Pfaffing - Nicht einmal der eigene Anwalt gratulierte ihm nach der Urteilsverkündung: Sextäter Markus W. (34) ist wieder ein freier Mann.

Das Landgericht München I musste gestern den Antrag der Staatsanwaltschaft auf nachträgliche Sicherungsverwahrung ablehnen, obwohl für den Vorsitzenden Richter Reinhold Baier feststand, dass der 34-Jährige ein hochgefährlicher Mann ist.

Ganz kurz drückte Markus W. nach der Urteilsverkündung seinem Verteidiger die Hand. Doch der wehrte die Dankesgeste ab. Nach der Urteilsbegründung verließ er eilig das Gericht und gab keine Stellungnahme ab. Sein Mandant indes wurde über den Gefangenentrakt aus dem Münchner Strafjustizzentrum gebracht.

Direkt nach der Urteilsbegründung war er von fünf Betreuern und drei Polizisten in Empfang genommen worden. „Sie werden ihn wohl ins Schwäbische bringen, wo er einen Platz in einem betreuten Wohnheim hat“, sagte Richter Baier nach Prozessende, ohne den künftigen Aufenthaltsort des Angeklagten preiszugeben.

Noch während der Urteilsverkündung hatte der Richter erklärt, dass Markus W. vom bis dato zuständigen Landgericht Heilbronn für die Zeit nach der Haft unter Führungsaufsicht gestellt worden sei. Die Auflagen waren dem Münchner Landgericht nicht mitgeteilt worden. Doch Verstöße gegen die Auflagen, erklärte Richter Baier, könnten mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Zuvor hatte er ausführlich die Gründe für die abgelehnte Sicherungsverwahrung aufgeführt. Die dafür gesetzlich verlangten neuen Tatsachen hätten nicht vorgelegen. Und auch alle Anknüpfungspunkte seien an einem fehlenden psychiatrischen Gutachten während des Prozesses im Jahr 2005 gescheitert. Damals war Markus W. wegen sexuellen Missbrauchs zweier ihm anvertrauter Mädchen in Taufkirchen (Kreis München) sowie eines sexuellen Übergriffs auf einen Buben in Pfaffing (Kreis Rosenheim) zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Auf Anraten seines damaligen Verteidigers Joachim Schwarzenau machte er von seinem Recht Gebrauch und ließ sich nicht begutachten. Aus diesem Grund konnte auch das Gericht die seit 2002 gesetzlich vorgesehene Möglichkeit der vorbehaltenen Sicherungsverwahrung nicht im Urteil verankern.

Hauptgrund für die Freilassung waren aber mangelnde neue Erkenntnisse seit dem Ersturteil. Denn auch ohne Gutachten war schon 2005 bekannt, dass Markus W. nicht nur pädophil ist, sondern unter einer Persönlichkeitsstörung (Borderline-Syndrom) leidet.

Angela Walser

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