Lauschangriff?

Gefängnis zeichnete jahrelang Telefonate auf

Landshut - Ein Landshuter Gefängnis soll jahrelang Telefonate aufgezeichnet haben. Egal, ob es sich um offizielle Gespräche mit Ministerien handelte, Anrufe von Anwälten oder privat.

Wie Wochenblatt.de berichtet, handelt es sich um einen Zeitraum von knapp sechs Jahren, also von Anfang 2008 bis zum Dezember 2013. In dieser Zeit seien die Gespräche 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr, von über 30 Apparaten aufgezeichnet worden. Ein Alptraum für Datenschützer: Es gibt Aufzeichnungen über Telefonate mit Ministerien, Gerichten, Staatsanwaltschaften, Rechtsanwälten, Geistlichen, Personalräten, medizinischen Abteilungen, Drogenberatungen und außerdem über private Telefonate von Bediensteten. Gesichert wurden die Daten auf DVD-RAM.

Das Wochenblatt konnte die enormen Datenmengen offenbar über einen Informant einsehen. Es handelt sich um 30.000 Dateien pro Seite – also insgesamt circa 60.000 Dateien – Platz. Fünf dieser DVD-RAMs soll es in der JVA Landshut geben, die somit bis zu 300.000 Datensätze speichern konnte.

Normalerweise dient die Aufzeichnung nur zur Sicherheit - etwa wenn es Drohanrufe gibt. oder um Verbrechen vorzubeugen. Der damalige Leiter der JVA erklärte gegenüber dem Wochenblatt: "Wir wussten nicht, dass die Anlage seit unserem Einzug 2008 alle Telefonate aufgezeichnet hat." Es sei außerdem kein Fall bekannt, wo die Anrufe auch abgehört wurden. Die Anlage sei umgehend umgeschaltet worden, als man mitbekam, dass wirklich alle Gespräche aufgezeichnet wurden.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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