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Nicht immer sind Fußgänger so auffällig gekleidet wie dieses Mädchen. Dunkle Kleidung ist gerade im Winter gefährlich.

Die Gefahr in der Dunkelheit

Schönbrunn - Es ist die dunkelste Jahreszeit. Und offenbar die gefährlichste – für Fußgänger. In der vergangenen Woche starben sieben Menschen, die zu Fuß auf der Straße unterwegs waren. Sie alle wurden von Autos erfasst.

Freitagabend, 17.45 Uhr. Es ist bereits stockdunkel. Es ist kalt. Und es regnet. Der Kleintransporter tuckert die Landstraße in Richtung Schönbrunn (Landkreis Dachau) entlang, sie ist eng und kurvig. Plötzlich taucht eine dunkle Gestalt auf der Straße auf – zu plötzlich. Es gibt einen lauten Knall. Eine Person, es ist eine 70-jährige Frau, wird in den Straßengraben geschleudert.

Die Seniorin stirbt noch am Unfallort, der Notarzt kann nichts mehr für sie tun. Der 33-jährige Fahrer hat einen Schock.

Unfälle wie diese sind in den vergangenen Tagen einige passiert. „Sonst hat man alle paar Wochen so einen Unfall“, sagt Werner Langer, Leiter der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. „Aber die letzten zwei, drei Wochen war es schon gehäuft.“

Am Dienstag starb ein 80-jähriger Mann bei Bayreuth. Vergangenen Mittwoch wurden vier Fußgänger tödlich verletzt: ein 15-jähriger Schüler bei Günzburg, eine 52 Jahre alte Frau in Regensburg, ein 42 Jahre alter Mann in Amberg und ein 59 Jahre alter Mann in Rotthalmünster. Am Donnerstag wurde ein 92-Jähriger in Miesbach überfahren, er starb am Samstag. Sie alle wurden auf der Straße von einem Auto erfasst.

Warum sich diese Unfälle häufen, weiß auch Werner Langer nicht. Aber: Es sei eben die dunkelste Jahreszeit, Regen und Nebel schränken die Sicht ein. Trotzdem erklärt Langer: „Es gibt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, wie sich solche Unfälle vermeiden lassen.“

Die Frau bei Schönbrunn war dunkel gekleidet. Helle Kleidung sei jedoch ratsamer, sagt Langer. Der Automobilclub ADAC rät sowieso dazu, sich als Fußgänger und Radfahrer mit auffälligen Reflektoren auszustatten. „Je besser die Fußgänger gesehen werden, desto größer ist die Sicherheit“, sagt ADAC-Verkehrssicherheitsexperte Christoph Hecht.

Am Freitagabend war die Frau bei Schönbrunn in der Dunkelheit alleine neben der Kreisstraße entlang gegangen, auf dem Grünstreifen, und plötzlich wollte sie die Straße überqueren. Ein Fehler, sagt Langer: „Man sollte auf jeden Fall lieber warten, bevor man voreilig die Straße passieren will.“ Im Vorweihnachtsstress sei jeder mal unaufmerksam, betont Langer. Doch auch wenn schon der erste Schritt auf die Straße gemacht ist, und dann erst ein Auto auftaucht, heißt es: Schnell zurück zum Straßenrand. Was die meisten jungen Menschen automatisch machen, erklärt Langer, aber: „Ältere Menschen versuchen oft, doch noch schnell die Straße zu überqueren.“ Das kann lebensgefährlich sein, sagt Langer. „Schließlich sollte man sich auch mal in die andere Person hineinversetzen: Wenn ganz plötzlich ein Fußgänger vor einem auftaucht – mitten in der Dunkelheit.“

Allerdings warnt ADAC-Experte Hecht davor, die Verantwortung für solche Unfälle nur den Fußgängern zuzuschieben, den „schwächsten“ Verkehrsteilnehmern. Auch die Autofahrer sollten nun, in der dunkelsten Jahreszeit, ganz besonders aufpassen. Heißt: aufmerksam fahren, Geschwindigkeit anpassen. Und: Vom ersten Meter an die Scheiben frei halten. „Der Autofahrer hat für ungehinderte Sicht zu sorgen, das ist in der Straßenverkehrsordnung so festgelegt“, sagt auch Werner Langer. Also: Scheiben frei kratzen und Gebläse an. Und wirklich erst dann losfahren, wenn alles zu sehen ist.

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