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Brand in einer Lagerhalle mit Solardach: Für Feuerwehrleute bergen Photovoltaikanlagen häufig Risiken. Das soll sich jetzt ändern.

Die Gefahr lauert auf dem Dach

München - Die Feuerwehren im Freistaat sehen sich immer öfter mit einer neuen Problematik konfrontiert: Brände in Häusern mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Die große Gefahr: Die Solarkraftwerke lassen sich nicht einfach abschalten.

Brand im Dachstuhl. Vollalarm. Um kurz nach drei am Nachmittag des 11. Juli 2009 rückt die Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing (Landkreis München) aus. Schon auf dem Weg in die Alois-Deschler-Straße weiß Kommandant Markus Fuchs, dass es kein alltäglicher Einsatz werden wird. Denn auf dem Dach des schmucken Einfamilienhauses lauert eine Gefahr, die auch erfahrenen Feuerwehrleuten gehörigen Respekt einflößt: eine Photovoltaik-Anlage.

So ein Kraftwerk auf dem Dach ist gleich in zweierlei Hinsicht problematisch für die Brandbekämpfer. Denn so lange es hell ist, produziert die Anlage Strom. Bis zu 1000 Volt Gleichspannung jagen durch die Leitungen. Ab 120 Volt besteht Lebensgefahr. Und: Die Anlage lässt sich nicht abschalten. Versuche, die Solarmodule mit Planen abzudecken, sind nicht praktikabel. Und auch skurrile Ideen, wie Schlamm aufs Dach zu pumpen, haben wenig Aussicht auf Erfolg.

Im normalen Betrieb ist es kein Problem, dass man die Module nicht abschalten kann. Richtig gefährlich wird es aber, wenn Bereiche der Anlage durch das Feuer beschädigt worden sind. „Dann können auch Teile Spannung führen, die normalerweise ungefährlich sind", erklärt Horst Thiem von der Münchner Berufsfeuerwehr.

Der 51-Jährige beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Problematik, um die sich Hersteller, Genehmigungsbehörden und Feuerwehren lange Zeit nicht gekümmert haben. Das soll sich jetzt ändern. Wie beispielsweise bei Chemie-Unfällen sollen die Einsatzkräfte auch bei Bränden in Solaranlagen auf das Fachwissen von Herstellern und Installateuren zurückgreifen können. Thiem fordert den Aufbau eines Netzwerkes, damit die Kommandanten im Ernstfall möglichst schnell einen Fachmann vor Ort haben, der sich mit der Anlage auskennt.

Weil das aber gerade in ländlichen Gebieten nicht immer ganz einfach ist, müssten auch die Feuerwehrleute besser geschult werden. Gerade bei den freiwilligen Helfern gebe es viele Elektriker, die sich einfacher in die Materie einarbeiten könnten.

Mittlerweile hat sich auch die Industrie der Problematik angenommen. „Wir haben ein Expertenteam einberufen", sagt Christian Hallerberg vom Bundesverband der Solarwirtschaft. Dabei sitzen Feuerwehren, Versicherungen, Berufsgenossenschaften und die Solar-Branche an einem Tisch. Das Ziel: Das Informationsdefizit bei den Einsatzkräften ausräumen. „Die Feuerwehren müssen lernen, mit diesen neuen Gefahren umzugehen", sagt Hallerberg. In einer Broschüre und einer so genannten Einsatzkarte sollen Verhaltenshinweise gegeben werden. Im Herbst soll die Schrift erscheinen.

Und auch der Gesetzgeber hat reagiert. Künftig muss bei neu errichteten Anlagen ein Hinweisschild angebracht werden, das die Einsatzkräfte vor der potenziellen Gefahr warnt. „Ein erstes zartes Pflänzchen unserer Bemühungen", sagt Horst Thiem von der Münchner Berufsfeuerwehr.

Aber auch ohne Broschüren, Elektriker, Fachleute oder Schilder: Löschen können die Feuerwehrleute einen Brand auch dann, wenn ein Solarkraftwerk auf dem Dach steht. „Es ist und bleibt eine elektrische Anlage", sagt Horst Thiem. Und im Umgang mit solchen gibt es seit Jahrzehnten klare Anweisungen.

Tobias Gehre

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