Ist 2013 Endstation für die BOB? Ein Zug am Bahnhof Lenggries. Foto: fkn

Gefeilsche um die BOB-Strecken

München - Die Strecken der Bayerischen Oberlandbahn werden voraussichtlich ausgeschrieben. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat sich eindeutig festgelegt. Nur ein Machtwort von Ministerpräsident Seehofer würde hier wirken.

Die Erwartungshaltung ist groß: Zwischen Bad Tölz und Miesbach hoffen Bürgermeister und Landräte darauf, dass die zum französischen Veolia-Konzern gehörende Bayerische Oberlandbahn nach 2013 weiterfahren darf. 2013 läuft nach 14 Jahren der Vertrag mit der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) aus. Fristgerecht muss die BEG die Strecken von München nach Bayrischzell und Lenggries in diesem Jahr ausschreiben – es geht um 1,7 Millionen Zugkilometer pro Jahr. Die Deutsche Bahn steht schon in den Startlöchern, um sich diese Paradestrecke zurückzuholen. „Wenn schon Wettbewerb, dann für alle“, sagt ein Bahnsprecher.

Allerdings steht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bei lokalen Politikern im Wort. Zuletzt im August 2009 hatte er angekündigt, dass er sich für einen Verzicht auf die Ausschreibung einsetzen werde. Die Betreiber der BOB hat er da natürlich auf seiner Seite: „Es gibt keinen rechtlichen Druck, ausschreiben zu müssen“, sagt BOB-Geschäftsführer Heino Seeger, der den Vertrag mit der BEG gerne um zehn Jahre verlängern würde. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sieht das anders: Verbesserungen für die Fahrgäste seien „nur im Wettbewerb“ zu erreichen, erklärt er. Zeil hat schon eine Vorlage für den Ministerrat erarbeiten lassen, die hier „eindeutig“ ist, wie ein Insider sagt. Ursprünglich sollte das Kabinett schon heute über das Themengebiet „Ausschreibungspolitik im Schienenpersonen-Nahverkehr“ befinden, der Tagesordnungspunkt wurde jedoch verschoben. Die Rechtslage sei noch unklar, es gebe Gutachten und Gegengutachten, heißt es aus der Staatskanzlei. Zeil erklärt aber unmissverständlich gegenüber unserer Zeitung: „Fest steht bereits, dass die beliebten Integralzüge und die Werkstätte in Lenggries Bestandteil einer Ausschreibung sein werden.“ Das heißt, dass die 17 Integralzüge und die Werkstätte von einem etwaigen Nachfolger der BOB übernommen werden müssten. Das könnte auch die goldene Brücke für Seehofer sein – er könnte daraufhinweisen, dass so die Kontinuität bei der Bahn gesichert sei, heißt es aus Bahnkreisen.

Auch Erwin Huber (CSU), Ex-Verkehrsminister und jetzt Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag, geht davon aus, dass die BOB „gute Chancen hätte, im Wettbewerb zu bestehen“. Er habe aber „Diskussionsbedarf“. Etwa zu der Frage, ob eine Einzelfallentscheidung gegen die Ausschreibung Präzedenzfall-Charakter haben würde. „Wir brauchen eine Konsensentscheidung“, sagt Huber.

Während die Entscheidung über die BOB-Strecken noch aussteht, ist die BEG bei der Verbindung München-Garmisch-Partenkirchen einen Schritt weiter. Seit September ist die Strecke ausgeschrieben, bis 1. April 2010 läuft die Frist. Fest steht schon jetzt: Die hier zum Teil mit Uralt-Wagen fahrende Deutsche Bahn wird sich anstrengen müssen, den Zuschlag wieder zu bekommen. Offenbar hat die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) großes Interesse einzusteigen. Eine Bewerbung liegt bei der BEG noch nicht vor, allerdings hat die ÖBB Personenverkehr AG nach einem Bericht der österreichischen Zeitung „Kurier“ eine Rahmenvereinbarung über die Lieferung von 30 Triebzügen ausgeschrieben. Das ist notwendig, weil die BEG in den Ausschreibungsunterlagen „neue klimatisierte, niederflurige Triebzüge“ verlangt.

Hier wie auch bei den BOB-Strecken könnte es am Ende aber auch ganz anders laufen. Branchenkreise rechnen damit, dass der Konzern „Agilis“ – dahinter steckt die Hamburger Hochbahn – nach Oberbayern vordringen möchte. Das Unternehmen ist wegen „aggressiver Preispolitik“ berüchtigt, so ein Kenner.

von Dirk Walter

Immer wieder Ärger mit dem Fahrplanwechsel

Die BOB hat’s manchmal nicht leicht: Die Ausschreibung droht – und auch gravierende Änderungen durch den Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres sind noch nicht verdaut. Ein Beispiel: Dieter Feucht aus dem baden-württembergischen Metzingen, der regelmäßig seine Tochter in Schaftlach besucht, schrieb jetzt verärgert an die BOB: „Durch Ihren Fahrplanwechsel haben sich jetzt die Umsteigezeiten in München Hbf drastisch verlängert – von rund 15 Minuten auf fast eine Stunde.“ Das sei unzumutbar. Er beabsichtige, in Zukunft mit dem Auto zu fahren und werde auch die Bahncard kündigen. Hintergrund der Änderungen: Die BOB hatte die Taktzeiten mit DB-Zügen, die in Holzkirchen eintreffen, harmonisiert.

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