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Hausarrest für Hühner: In den Landkreisen Starnberg und Lindau gilt für Geflügel bereits die Stallpflicht. Auch eine Ausweitung auf ganz Bayern wird diskutiert.

Vogelgrippe-Virus in acht fällen nachgewiesen

Geflügelhalter in großer Sorge

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Starnberg - Aus dem Verdacht ist Gewissheit geworden: Die Vogelgrippe ist in Bayern bei acht Wildvögeln nachgewiesen worden. In den betroffenen Landkreisen Starnberg und Lindau herrscht rund um die Fundstellen Stallpflicht.

Doch auch die Geflügelhalter in der Umgebung sind besorgt – und treffen Vorkehrungen.

Sieglinde Wastian und ihr Mann haben die Laborergebnisse nicht abgewartet. Die Hühner auf ihrem Hof in Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg) sind seit dem Wochenende nicht mehr draußen, sondern in einer Voliere untergebracht – obwohl der Bauernhof außerhalb des Bereichs liegt, für den eine Stallpflicht verordnet worden ist. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt Sieglinde Wastian. Bis der Wildvogelflug vorbei ist, sollen die 400 Tiere zwar an der frischen Luft, aber unter dem eingezäunten Dach bleiben. Obwohl es eigentlich Freiland-Hennen sind. „Für unsere Kunden macht das keinen Unterschied“, sagt sie. „Die wissen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden.“ Selbst wenn die Wastians die Eier nicht mehr als Freilandeier verkaufen dürfen.

Die Wastians sind nicht die einzigen Geflügelhalter in Bayern, die erste Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben. Die Hühner- und Gänsebesitzer sind besorgt – und das nicht erst, seit gestern in allen acht Vogelgrippe-Verdachtsfällen in Bayern der hochansteckende Virus-Subtyp H5N8 nachgewiesen wurde. Die infizierten toten Wildvögel waren in den Landkreisen Starnberg und Lindau gefunden worden (wir haben berichtet). Im direkten Umkreis der Fundorte wurden Schutzzonen eingerichtet, dort gilt die Stallpflicht. In Lindau sind 64 Betriebe mit 520 Tieren betroffen, in Starnberg betrifft die Stallpflicht 16 Geflügelhalter. Einer von ihnen ist Magnus Ruhdorfer, auf seinem Hof leben 6000 Freilandhühner. Sollte sich nur eines infizieren, müssten alle getötet werden. „Ich möchte gar nicht daran denken“, sagt er. Auf seinem Hof gelten die schärfsten Sicherheitsmaßnahmen: Schuhe desinfizieren, Hände waschen, Kleider wechseln.

Ausweitung der Stallpflicht ist im Gespräch

Auch den Geflügelhaltern außerhalb der Schutzzone hat das Starnberger Landratsamt empfohlen, ihre Tiere vorerst im Stall zu lassen. Eine Ausweitung der Stallpflicht auf ganz Bayern war gestern bereits im Gespräch. Noch hat sich das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit dagegen entschieden. Sollten weitere Vogelgrippe-Fällen in anderen Landkreisen auftreten, wird es eine neue Risikoabschätzung geben, kündigt Sprecher Alexander Szumilas an. Gestern Nachmittag wurde im Kreis Dachau ein verendeter Wildvogel gemeldet. Noch steht nicht fest, ob er ebenfalls infiziert war.

Barbara Fischer aus Hohenfurch (Kreis Weilheim-Schongau) gehört zu den Geflügelbesitzern, die zwar besorgt sind, aber versuchen, gelassen zu reagieren. Ihre 4500 Hennen und die 200 Gänse und Enten dürfen vorerst draußen bleiben. Obwohl im Nachbar-Landkreis die Vogelgrippe nachgewiesen wurde. Und obwohl ihr Hof nicht weit entfernt liegt vom Lech, an dem Wildvögel gelegentlich Rast machen. „Besonders unsere Gänse sind es gewohnt, draußen zu sein“, erklärt Fischer. „Es wäre sehr schwierig, sie jetzt den ganzen Tag im Stall zu behalten.“ Die Fischers wollen erst mal abwarten, wie sich die Situation in Bayern weiterentwickelt. So lange bleiben die Hunde in der Nähe des Freigeheges, um Wildvögel abzuschrecken. „Wir versuchen positiv zu denken“, sagt Barbara Fischer. „Aber die Angst vor dem Virus ist natürlich da.“

Diese Angst teilen Geflügelhalter in allen Landkreisen. „Unsere 6000 Hühner sind zwar im Stall untergebracht“, sagt Thomas Dinkel aus Malching (Kreis Fürstenfeldbruck). „Trotzdem haben wir nun Sicherheitsvorkehrungen getroffen.“ Die Schuhe werden jetzt besonders gründlich desinfiziert, die Tiere genau beobachtet. „Viel mehr können wir leider nicht machen.“ Denn hundertprozentige Sicherheit gebe es vor dem hochansteckenden Virus nun mal nicht. Das beweist der aktuelle Fall in Schleswig-Holstein. Dort müssen rund 30 000 Hühner getötet werden. Vermutlich ist das Virus über eine Lüftungsanlage in den Stall gelangt.

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