Bayerische Hühner können sich vor der Geflügelpest in Sicherheit wiegen – vorerst. dpa

Nach Fall in Norddeutschland

Geflügelpest: Bayern verschärft Kontrollen

München - Den Norden Deutschlands beschäftigt ein Fall von Geflügelpest. Einige Bundesländer haben nun eine regionale Stallpflicht für Hühner, Enten und Co. angeordnet. Bayern reagiert gelassener – mit schärferen Kontrollen von Wildvögeln.

Das Berliner Krisengespräch endet mit einer guten Nachricht, zumindest für den Freistaat. „In Bayern ist derzeit keine Stallpflicht für Geflügel vorgesehen“, sagte ein Sprecher von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) unserer Zeitung. Die Tierseuchen-Experten von Bund und Ländern, die sich gestern in einer Telefon-Konferenz beraten haben, halten das Geflügelpest-Risiko im Freistaat also für gering. Heute will das Friedrich-Loeffler-Institut eine Risikobewertung abgeben. Dann können die Länder nochmals über Maßnahmen beraten.

Im Norden Deutschlands ist die Situation zwar angespannter: Nachdem auf der Insel Ummanz bei Rügen das Grippe-Virus H5N8 bei einer Krickente festgestellt wurde (wir berichteten), haben Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg in einigen Landkreisen eine vorübergehende Stallpflicht für Hühner, Enten und Co. angeordnet. Trotzdem hat Bayern laut einer Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. So sei etwa das so genannte Monitoring verschärft worden. Heißt: Jäger sind jetzt angewiesen, gezielt Wildvögel zu schießen und sie zur Untersuchung ans LGL weiterzugeben. Außerdem wurde ein Koordinationskreis eingerichtet, so etwas wie die Vorstufe eines Krisenstabs, in dem neben dem Landesamt und seinen Veterinären auch Verbände sitzen. Am Donnerstag wird erstmals getagt.

Auch der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft wird dabei sein. Dessen Vorsitzender Bernd Adleff hätte eine „prophylaktische Stallpflicht“ lieber gesehen. Gerade private Halter mit einigen wenigen Tieren nähmen solche Situationen erfahrungsgemäß kaum ernst. „Wenn da fünf Hühner umkippen, werden die verbuddelt und keiner redet drüber. Aber da werden die Bomben gelegt.“ Auch Freilandbetriebe würden laut Adleff mit einer Stallpflicht besser fahren. Holen die ihre Hühner nämlich aus Vorsicht für längere Zeit in den Stall, dürfen sie die Produkte nicht mehr als Freiland titulieren – ein ökonomisches Problem.

Wenn überhaupt, dann besteht allerdings nur für einen Teil der rund 29 000 bayerischen Geflügelbetriebe potenziell Gefahr. Das sind vor allem jene, die ihre Tiere frei herumlaufen lassen. Liegen die Höfe in Gebieten, in denen viele Zugvögel vorbeikommen, ist besondere Vorsicht geboten. Als natürliche Wirte des Virus gelten Wasservögel. Anders als 2006, als es in verschiedenen Teilen Deutschlands zu Grippe-Fällen kam, befällt das Virus nur Geflügel, keine anderen Vogelarten. Experten sprechen daher lieber von Geflügelpest als von Vogelgrippe.

Für die Zuchtbetriebe in Oberbayern macht das keinen Unterschied. Sie reagieren sensibel auf das Thema, öffentlich äußern möchte sich kaum jemand. Allerdings scheint sich die Angst vor einer Ausbreitung der Vogelgrippe in Grenzen zu halten. Eine junge Züchterin, die nicht namentlich genannt werden möchte, wähnt sich in Sicherheit. Ihre rund 2000 Tiere seien zur Zeit ohnehin im Wintergarten – wegen der schlechten Witterung. „Ich glaube nicht daran, dass die Grippe zu uns kommt“, sagt sie. Für einen ihrer Züchter-Kollegen ist die Sache klar: „Für mich ist das einfach kein Thema.“

Daraus mag auch die Erfahrung von 2006 sprechen. Der kleine Betrieb Schwieger in Dirlesried (Kreis Fürstenfeldbruck) musste damals wie viele andere sofort reagieren. „Wenn Du von heut’ auf morgen Deine Tiere einstallen musst, dann bist Du einfach fertig mit der Welt“, sagt Mariele Schwieger, 58. Da ihre Tiere die enge Stallhaltung nicht gewohnt waren, kam es vereinzelt zu Fällen von Kannibalismus. Darauf würde sie diesmal gerne verzichten.

Marcus Mäckler und Angi Kiener

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