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Hand in Hand arbeiten Bauernpräsident Heidl (links) und Handwerkspräsident Schlagbauer am Grill. Damit wollen sie die gemeinsame Wirtschaftskraft von Handwerk und Landwirtschaft symbolisieren.

„Es geht um die Wurst“

Gegen Söder-Plan: Bauern und Handwerk wehren sich

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München - Bauernpräsident Heidl und Georg Schlagbauer, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, pochen auf mehr politische Unterstützung – und wehren sich gegen einen Söder-Plan.

Es geht Bayerns Bauern und Handwerkern um die Wurst – im übertragenen und Wortsinn. Erstmals halten der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Bayerische Handwerkstag gemeinsam ihre Neujahrspressekonferenz ab. Und der BBV-Chef Walter Heidl und Handwerks-Präsident Schlagbauer stehen gemeinsam am Grill. Wintergrillen, um dem Verbraucher Appetit zu machen auf heimisches Fleisch, auf Lebensmittel aus der Region. Und um auf heiße Probleme aufmerksam zu machen.

Wie ernst die Lage der Landwirte ist, zeigt sich in der Einkommensentwicklung. Im vergangenen Berichtsjahr sind die Einkommen um 22,5 Prozent eingebrochen. Vor allem Milch- und Schweinefleisch-Preise sind im Keller. Der Bauernpräsident sieht dafür vor allem den Lebensmittel-Einzelhandel in der Verantwortung: „Immer mehr Menschen schütteln den Kopf über Rabattschlachten.“

Aber auch die Sanktionen gegen Russland und im Gegenzug das Embargo der Russen für Lebensmittelimporte machen den Bauern zu schaffen. So sehr Heidl Verständnis hat dafür, dass Europa vor zwei Jahren auf die Krimkrise reagieren musste: Dass Russland nicht zur Grünen Woche nach Berlin kommt und die Handelsbeziehungen völlig eingebrochen sind, wollen die Bauern nicht hinnehmen. „Hier kann nicht über Jahre hinweg Stillschweigen bei der Politik sein. Wir reden von einem Schaden in Höhe von einer Milliarde Euro im Jahr für die deutschen Bauern“, klagt Heidl. Hier sei Schadensbegrenzung erforderlich.

Gemeinsam ziehen Heidl und Schlagbauer gegen das bayerische Landesentwicklungsprogramm und die Lockerung des Anbindegebots für Einzelhandelsgroßprojekte zu Felde, wie es von Heimatminister Markus Söder geplant wird (wir berichteten). Während die Landwirte über den Flächenverbrauch schimpfen („in Bayern 18 Hektar pro Tag“, so Heidl), sorgt sich Schlagbauer um abfließende Kaufkraft: „Das geht zu Lasten der Versorger vor Ort. So droht die Verödung vieler Ortskerne“, schimpft er. Viele mittelständische Betriebe, vor allem Bäcker und Metzger, stünden vor dem Aus. Die Familienunternehmen im Ort könnten und wollten nicht ihre Betriebe abreißen und nach draußen ziehen. „Deswegen müssen wir dringend mit der Landespolitik diskutieren.“

Beide, Landwirte und Handwerker, betonen die Bedeutung ihrer Wirtschaftszweige für den Freistaat. „Wir prägen Bayern“, sagt Heidl. 82 Prozent des Freistaats gehören zum ländlichen Raum, erinnert Schlagbauer. Dort leben 63 Prozent der Menschen und werden 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Klar, was sie mit ihrem Schulterschluss sagen wollen: Die Politik muss ihnen entgegenkommen – bei der Erbschaftssteuer, bei Betriebsübergaben, beim Landesentwicklungsprogramm.

Es gibt aber auch Gutes zu vermelden: Dem Handwerk ist es nach Schlagbauers Worten 2015 gelungen, fast 30.000 neue Lehrverträge abzuschließen und damit den langjährigen Rückgang zu stoppen. Auch Flüchtlinge sollen vermehrt ausgebildet werden: „Wir sehen das als sozialpolitische Aufgabe des Handwerks.“ Allein in Oberbayern seien derzeit über 500 Flüchtlinge in einer Lehre. Bei 5500 unbesetzten Stellen gebe es hier noch gute Möglichkeiten.

Wie es im bevorstehenden Jahr für Bayerns Landwirte läuft, hängt laut Heidl davon ab, ob es gelinge, neue Märkte zu erschließen. „Wir sind nicht in Weltuntergangsstimmung“, stellt BBV-Generalsekretär Hans Müller klar. Aber Bauern und Handwerk stünden vor einer wichtigen Weichenstellung und es gebe viele Alarmsignale: „Die Preisentwicklung geht an die Substanz.“

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