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Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer schickte ein Stoßgebet in den Himmel

Geisterfahrer: „Gott hat die Hand über uns gehalten“

München - Todesangst auf der A 9: Ein Auto rast auf Horst Seehofer und Christine Haderthauer zu. Die Chauffeure der Politiker können gerade noch ausweichen. Der Falschfahrer ist inzwischen in der Psychiatrie. Das Geisterfahrer-Problem bleibt.

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Geisterfahrer will Seehofers Auto rammen

Der Audi der Ministerin braust mit 180 Sachen die Überholspur entlang. Christine Haderthauer brütet auf dem Rücksitz über ihren Dokumenten. Zufällig blickt sie nach vorn – und erstarrt.

Sie ist gerade in einer Auto-Kolonne unterwegs auf der A 9 bei Hilpoltstein (Kreis Roth). Vor ein paar Sekunden hat sie der Wagen des Ministerpräsidenten überholt, mit Tempo 200. Zwischen Haderthauers und Horst Seehofers Auto fahren zwei weitere Dienstlimousinen. Dann geschieht es: „Die Wagen vor uns sind scharf nach rechts ausgewichen“, so Haderthauer, „dann sah ich den Geisterfahrer, wie er direkt auf uns zufuhr. In dem Moment habe ich nur noch ein Stoßgebet in den Himmel geschickt.“ In letzter Sekunde kann ihr Fahrer das Lenkrad herumreißen und auf die rechte Spur ausweichen. „Es war unglaubliches Glück, dass neben uns niemand fuhr. Ich bin überzeugt, dass der Herrgott schützend die Hand über uns gehalten hat.“

Der Beinahe-Unfall vom Samstag steckt der Ministerin noch Tage später in den Knochen. „Es verfolgt mich noch immer“, sagte sie gestern. Ihr Chauffeur habe von der Polizei die Information erhalten, dass der Geisterfahrer wohl in Suizidabsicht gehandelt habe. Aufgefallen sei ihr noch, dass der Raser sein Warnblinklicht eingeschaltet hatte. Laut Polizei geriet der 49-jährige Geisterfahrer aus dem Landkreis Eichstätt im Auto mit seiner Freundin in einen heftigen Streit. Daraufhin wirft er das Lenkrad herum – und wendet auf der Autobahn. Er fährt kilometerlang in falscher Richtung, mehrere Autos müssen ihm ausweichen, bevor er zufällig die Regierungs-Kolonne erreicht – und sie in Todesangst versetzt.

Kurze Zeit später stoppt die Polizei den Mann am Autobahndreieck Nürnberg/Feucht. Drei Polizeiautos bremsen den Verkehr ab, bringen ihn zum Stillstand und stellen ein Dienst-Fahrzeug quer. Als der 49-Jährige an die Stelle kommt, bremst er seinen VW Golf ab und lässt sich widerstandslos festnehmen. Inzwischen sei er in der Psychiatrie, sagte eine Polizeisprecherin.

Pro Jahr werden in Deutschland ungefähr 1800 Falschfahrer-Warnungen im Radio durchgegeben. Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd sind im ersten Halbjahr 2010 23 Falschfahrer-Meldungen aufgelaufen, vier Falschfahrer wurden gestellt. Zu einem Unfall ist es nur in einem Fall gekommen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord hatte es im ersten Halbjahr 2010 mit 33 Falschfahrern zu schaffen. Mit einem Projekt versucht das bayerische Innenministerium das Problem einzudämmen: Demnächst sollen auf der A 3 von der deutsch-österreichischen Grenze bis zum Autobahnkreuz Deggendorf gelbe Stoppschilder für Geisterfahrer mit dem Schriftzug „STOP FALSCH“ aufgestellt werden. Genauso an der A 8 von der Bundesgrenze bis zum Chiemsee. In Österreich sind die Tafeln bereits im Einsatz. Der ADAC begrüßt die Aktion: „Wenn man nur einen Geisterfahrer aufhält, lohnt es sich schon“, so Sprecher Andreas Hölzel. Aber wenn es einer mutwillig machen will, dann könne man ihn nicht aufhalten.

Dann braucht’s den Herrgott. Oder so geistesgegenwärtige Fahrer, wie Seehofer und Haderthauer sie haben.

Von Stefan Sessler und Thomas Schmidt

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