Geisterfahrer auf A3 und A8 gestoppt

So wurden zwei Männer zu Autobahn-Helden

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München - Josef E. ist Brummi-Fahrer – und ein Autobahn-Held. Am Dienstag verhinderte der Mann aus Sulzemoos (Kreis Dachau) mit seinem Lkw eine Geisterfahrt auf der A 8. Kurz zuvor gelang einem Kollegen auf der A 3 Ähnliches. Zwei irre Geschichten.

Es hätte übel ausgehen können, und zwar richtig übel. Zum Glück musste Josef E., 55, auf der A 8 bei Rohrdorf (Kreis Rosenheim) dringend abfahren. Möglicherweise rettete er damit Menschenleben.

Die wilde Geschichte dahinter spielt sich am Dienstag, 16.10 Uhr, ab. Josef E. aus Sulzemoos im Kreis Dachau ist mit seinem Lkw Richtung Salzburg unterwegs. An der Raststätte Samerberg Süd will er eine kurze Pause machen. „Ich wollte gerade einfahren“, sagt der Fernfahrer. „Da kam er auf mich zu.“ Ein Opel schleicht langsam aus der Einfahrt – in falscher Richtung. Josef E. reagiert sofort, geht scharf in die Eisen, gibt Lichtzeichen, bringt den Falschfahrer auf dem Verzögerungsstreifen zum Stehen. Dann springt er aus seinem Lkw und rennt zu dem Wagen. Der Fahrer ist ein älterer Herr. „Der war total verwirrt, der hat sich nicht mehr ausgekannt.“

Anscheinend war der 85-Jährige aus dem Kreis Rosenheim auf dem Heimweg und wollte, wie immer, an der Anschlussstelle Rohrdorf abfahren. Die war aber gesperrt, wie die Polizei bestätigt. Also fuhr der Mann bis zur Raststätte weiter, wendete dort – und versuchte, wieder auf die Autobahn zu kommen.

So ähnlich erzählt er es auch Josef E. Beide einigen sich, die Polizei zu verständigen – aber die Geschichte geht weiter. Als der Fernfahrer von der Raststätte aus einen Notruf absetzt, sieht er, wie sich der Opel wieder bewegt. Der Mann will auf dem rechten Fahrstreifen der A 8 wenden, um in richtiger Richtung weiterzufahren. „Das war der Hammer. Der hat versucht, auf der Autobahn umzudrehen“, sagt Josef E. Wieder hechtet der Sulzemooser zu dem Opel – aber diesmal zieht er den Schlüssel aus der Zündung. Wenig später trifft die Polizei ein, die den verwirrten Mann per Kurz-Corso von der Autobahn leitet.

Möglicherweise hat Josef E. damit Schlimmes verhindert. 2013 zählte der ADAC in Deutschland 2200 Falschfahrer-Meldungen, 16 Unfälle und 22 Tote. Es ist eher ein Randproblem auf Deutschlands Autobahnen, aber doch eins, mit dem sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) über die Sommerzeit rettet. Er plant, wie berichtet, elektronische Warnsysteme gegen Geisterfahrer zu testen.

Auch Josef E. hat davon gehört. Man muss sagen: Im Moment empfehlen sich Bayerns Lkw-Fahrer als kostengünstige Alternative.

Wenige Stunden zuvor hatte nämlich ein Kollege des Sulzemoosers eine ähnliche Situation gemeistert. Kein Witz. Erich Mairleitner, 44, Lkw-Fahrer aus dem niederbayerischen Ort Ringelai, war auf der A 3 Richtung Österreich unterwegs, als ihm bei Pocking (Kreis Passau) ein Auto entgegen schlich. Es war etwa die Stelle, an der vergangene Woche ein 79-jähriger Geisterfahrer sich selbst und zwei Beifahrer totfuhr. „Diesen Unfall hatte ich sofort im Kopf“, sagte Mairleitner der Passauer Neuen Presse. „Ich dachte, da muss ich was tun.“

Der 44-Jährige zog nach links auf die Überholspur und bremste vorsichtig ab. Ein ungarischer Kollege tat dasselbe auf der Nebenspur. „Wir haben die Straße abgedeckt, dass niemand hinter uns mehr vorkam“, sagte Mairleitner. Es half. Der Falschfahrer, 82, Österreicher, und ebenfalls „völlig durch den Wind“, blieb auf der Autobahn stehen. Geisterfahrt beendet.

Mairleitner fährt seit 24 Jahren Lkw, sein Kollege Josef E. elf Jahre länger. Keiner von beiden hat bisher Vergleichbares erlebt. Die Polizei sagt, beide hätten möglicherweise Menschenleben gerettet. Zumindest Josef E. war ob des großen Interesses an seiner Tat irgendwie irritiert. „Bitte, heldenhaft? Das ist für mich kein Thema.“

Ob der Falschfahrer von der A 8 seinen Führerschein abgeben muss, entscheidet die Führerscheinstelle – wie es heißt noch diese Woche.

Von Markus Mäckler

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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