Geld für Doktorarbeiten: Ermittlungen gegen Professor

Würzburg - Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt erneut gegen einen emeritierten Professor der örtlichen Universität, der Geld für Promotionsverfahren angenommen hat.

Dieser Vorwurf ist bereits erwiesen, der 76-Jährige wurde 2009 vom Amtsgericht Würzburg per Strafbefehl zur Zahlung von 90 Tagessätzen zu je 160 Euro verurteilt. Ein Prozess fand damals nicht statt, an die Öffentlichkeit drang der Fall nicht. Weil es mittlerweile weitere Vorwürfe gegen den früheren Wissenschaftler vom Institut für Medizingeschichte gibt, seien neue Ermittlungen wegen Vorteilsannahme eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch.

Auch gegen den Promotionsvermittler, der zwischen 2003 und 2006 in 6 Fällen insgesamt 6000 Euro an den damals bereits emeritieren Professor gezahlt hat, gebe es Ermittlungsverfahren. Doktoranden werden bisher nicht strafrechtlich verfolgt.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hat der 2002 in den Ruhestand versetzte Professor jahrelang weiter Doktoranden betreut. Welche Gegenleistung er genau für das erhaltene Geld erbracht hat, konnte der Behördensprecher nicht sagen. Beim ersten Ermittlungsverfahren gegen ihn habe auch der Vorwurf im Raum gestanden, der Mann habe Doktorarbeiten selbst geschrieben. Dem seien die Ermittler aber nicht weiter nachgegangen, weil es keinen Straftatbestand gegeben habe.

Bei der Universität war am 11. März ein anonymes Schreiben mit weiteren Vorwürfen gegen den 76-Jährigen eingegangen. Darin geht es erneut um die damaligen unerlaubten Promotionspraktiken des Mannes. Die Hochschule reichte das Schreiben am vergangenen Dienstag an die Staatsanwaltschaft weiter.

Die Ständige Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens und das Justiziariat der Hochschule prüfen nun parallel, “ob das anonyme Schreiben Tatbestände enthält, die über die damals bereits untersuchten Vorgänge hinausgehen und Anlass zu neuerlichen Verfahren bieten“, teilte die Uni mit. Zugleich sei der Ombudsmann für die Wissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft über die Vorwürfe informiert worden.

dpa

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