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Eckard Mickisch’ ganzer Stolz: Der Falkner gemeinsam mit Adler-Mama Nikita und ihrem Jungen kurz nach der Geburt Ende April.

Gemeiner Giftanschlag auf Adler-Mama Nikita

Wunsiedel - Trauer und Empörung im Greifvogelpark Katharinenberg in Wunsiedel: Ein unbekannter Täter hat am Wochenende einen jungen Steinadler vergiftet!

Qualvoll starb der drei Monate alte Vogel an einem Nervengift. Aber Falkner Eckard Mickisch ist sich sicher: Der Giftanschlag galt eigentlich Adler-Mama Nikita, doch die verschmähte den Giftköder glücklicherweise.

Es ist Samstag, 11 Uhr, im Tierpark. Die Flugvorführung der Greifvögel beginnt. Während die Besucher die mächtigen Tiere bestaunen, blickt Eckard Mickisch (47) immer wieder mal zur Voliere. Dort haust sein ganzer Stolz, Steinadler-Mama Nikita, mit ihrem Nachwuchs. Munter hüpft der drei Monate alte Jung­adler durch das Gehege.

Eine halbe Stunde später, um 11.35 Uhr, dann der Schock: Das Jungtier liegt am Boden, zuckt nur noch unkontrolliert umher. Eckard Mickisch bricht sofort die Flugshow ab, eilt in Panik zum Käfig.

Dann beginnen dramatische Minuten; der erfahrene Falkner spürt sofort: Hier stimmt was nicht. Voller Sorge schnappt er sich das Adler-Baby und versucht, es zu beruhigen. Doch der Versuch scheitert. „Dann war mir klar: Es geht um Leben oder Tod“, erzählt der Falkner. Schnell besorgt er sich einen langen Strohhalm, führt diesen in die Luftröhre des Jungadlers ein und beginnt, das Tier zu beatmen. Eineinhalb Stunden lang pustet Mickisch – unterstützt von seinem Kollegen Daniel Kohlmann – Luft in das Tier. Vergeblich. Der drei Monate alte Vogel stirbt ihm unter den Händen weg.

Für Mickisch ein Drama („Er war doch erst drei Monate und einen Tag alt“) – und auch ein großer finanzieller Verlust. Das Jungtier war einem Kollegen in Tschechien versprochen – für 5000 Euro. Dort hätte er nach der ersten Beute auch einen Namen bekommen.

Wer kommt auf die Idee, ein so ein herrliches Tier so grausam zu töten?

Falkner Mickisch beginnt sofort nach der Tat mit der Spurensuche – und wird auch fündig: Auf dem Dach der Voliere liegen zwei Eintagsküken. Ein Schnelltest zeigt: Sie sind gefüllt mit dem Nervengift Carbofuran. Ein Giftanschlag! Mickisch geht davon aus, dass der Täter versucht hat, die Küken vom Nachbargrundstück in die Voliere zu werfen. Und einmal ist ihm dies wohl leider auch gelungen … Mit dem Köder, den der Jungadler fraß!

Doch der Falkner glaubt, dass der Anschlag eigentlich Steinadler-Mama Nikita galt. „Sie ist einer der besten Jagdadler in Deutschland. Ihre Jungen sind deshalb unter Falknern heiß begehrt.“ Mancher, so Mickisch, warte bis zu zehn Jahre auf Nachwuchs von Nikita.

Hat der Neid bei einem der Konkurrenten, deren Aufzucht nur zweite Wahl ist, diesen perfiden Anschlagsplan reifen lassen? Mickisch ist sich sicher, dass der Täter aus der Szene kommt. Doch wie kommt man an ihn heran? Der Falkner hat für Hinweise, die zum Täter führen, eine Belohnung von 10 000 Euro ausgelobt. Viel Geld, aber für den Mann, der seine Adler liebt, spielt das keine Rolle. Ihm ist nur eines wichtig: „Es darf nicht noch ein Tier sterben.“

A. Wille

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