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Die weiß-blaue Bayern-Flagge vor dem Bayerischen Landtag.

Nach Diskussion um die deutsche Nationalhymne

Nürnberger Frauenbeauftragte fordert: Textet jetzt die Bayern-Hymne um

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Sind Passagen in der Bayern-Hymne diskriminierend? Eine Gleichstellungsbeauftragte aus dem Raum Nürnberg fordert jetzt die Änderung des Textes.

Nürnberg - „Gott mit dir, du Land der Bayern ... und Bayerinnen“? Nach Diskussionen um eine geschlechtsneutrale Nationalhymne steht nun auch der Text der Bayern-Hymne in Kritik - zumindest, wenn es nach einer Gleichstellungsbeauftragen aus dem Raum Nürnberg geht. In einem Gespräch mit Antenne Bayern setzte sie sich für Änderungen aus Gender-Gründen ein. 

„Naja, das ist die einzig logische Konsequenz, wenn wir unsere Nationalhymne endlich geschlechtergerecht umformulieren, dann muss es auch die Bayern-Hymne sein“, erklärte Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftrage des Landkreises Nürnberger Land, gegenüber dem Radiosender. 

Aus „Väter“ könnten „Eltern“ werden

Der Anfang der Bayern-Hymne ist wohl den meisten Bürgern im Freistaat bekannt - mit der Textsicherheit könnte es jedoch spätestens im Laufe der zweiten Strophe schwierig werden. Hier der gesamte Text der Hymne, inklusive gender-neutralen Änderungsversuchen in Klammern:

1. Gott mit dir, du Land der Bayern (Bayerinnen),  
deutsche Erde, Vaterland (Heimatland)!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
|: Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau! :|

2. Gott mit dir, dem Bayernvolke,
dass wir, uns‘rer Väter (Eltern) wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
|: Dass mit Deutschlands Bruderstämmen 
(Geschwisterstämmen) einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner, weiß und blau! :|

Die Melodie der Hymne hat Konrad Max Kunz im Jahr 1860 komponiert - seit 1980 gilt nach der Bekanntgabe vom damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß der aktuelle Text. 

Anstoß war Debatte um Änderung der Nationalhymne

Begonnen hat die Debatte um das Umtexten der Hymnen nach dem Vorschlag der Frauenbeauftragten Kristin Rose-Möhring, die Nationalhymne aus Gender-Gründen umzutexten. Begriffe wie „Vaterland“ sollten dabei durch „Heimatland“ ersetzt werden, statt „brüderlich mit Herz und Hand“, sollte es in Zukunft „couragiert mit Herz und Hand“ heißen.

Hier finden Sie die deutsche Nationalhymne in der aktuellen Fassung sowie die gesamte vorgeschlagene Version von Kristin Rose-Möhring.

Bereits diese Idee, die 1841 gedichtete Nationalhymne umzuschreiben, schien in der Bevölkerung aber alles andere als gut anzukommen: In den Sozialen Netzwerken reagierten die User mit Empörung.

Mittlerweile äußerste sich auch Bundespräsident Steinmeier mit klaren Worten zur Debatte um die Nationalhymne.

„Geschwisterstämme“ statt „Brüderstämme“

Für Wirkner handelt es sich bei dem Vorschlag aber um ein ernstes Thema - es sei ein Ziel der bayerischen Gleichstellungspolitik, Wandel in der Gesellschaft zu erreichen. „Bewusstseinswandel passiert eben auch durch Sprache oder gerade durch Sprache“, so die Gleichstellungsbeauftragte. 

Neben dem „Land der Bayern und Bayerinnen“ hat Wirkner einige Ideen zur Umgestaltung der offiziellen Hymne des Freistaats: „„Die Strophen, die sich auf das Vaterland beziehen, könnte man zum Beispiel durch ‚Heimatland‘ ersetzten oder ‚Brüderstämmen‘ könnte man auch verändern durch ‚Geschwisterstämmen‘.“ 

„Geschlechtergerechte Sprache gehört zur Gleichstellung“

Für die Gleichstellungsbeauftragte gehört ein solches Thema definitiv zur Gleichstellung der Geschlechter dazu: „Natürlich gibt es immer viele dicke Bretter, die noch zu bohren sind zum Thema Gleichstellung, also Lohngleichheit... aber auch geschlechtergerechte Sprache gehört eben zur Gleichstellung.“

In der Bevölkerung scheint das Thema jedoch nicht die gleiche Relevanz zu haben. In einer Umfrage von Antenne Bayern sprachen sich über 96 Prozent der Teilnehmer gegen eine Änderung der Bayern-Hymne aus.

SPD-Politikerin textet Hymne ebenfalls um - bei ihr stehen Frauen im Fokus

Dagegen liegt es auch der SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr sehr am Herzen, die „weibliche Seite Bayerns“ zu betonen: Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März will die Politikerin, die auch Vorsitzende der AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) ist, eine CD mit einer überarbeiteten Bayern-Hymne veröffentlichen. 

Neben dem Satz „Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde - Mutterland“ sollen in der auf Frauen bezogenen Fassung folgende Zeilen vorkommen:„Dass die Frau nicht nur am Herd steht, dafür ist es höchste Zeit, wir wollen endlich sorgen für ein gleich berechtigt Weib.“ 

Die CD mit der Hymne, die darauf auch in einer Rap-Version von ausschließlich weiblichen Stimmen vorgetragen wird, stellt die Politikerin am 11. März in Aichach vor. 

nema

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Kommentare

PeppiAntwort
(0)(0)

ich hätte mir das mit der AfD natürlich auch sparen können. Aber ich weiß doch, daß das bei manchem wie die Pawlowsche Glocke wirkt. Die Reaktion kommt unweigerlich und dazu braucht es keine Intelligenz.

ohnerot
(0)(0)

der ganze GENDERWAHN geht mir langsam auf den sa..!
was passiert mit - die kirche im dorf lassen - ?
= demnächst bet-tempel?oder so?

Denkerstirn
(0)(0)

Wenn ich da von "Heimat" lese ... ist das Wort nicht auch eines von denen, das besser nicht mehr verwendet werden soll? Ich erinnere nur an die Bedeutung während der Zeit des Nationalsozialismus. Und von einem Menschen, der sich um die sprachliche Gender-Korrektheit derart einsetzt, erwarte ich auch Korrektheit bzgl. des historischen Kontext.