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Genmais in Bayern: Wer zahlt den Schaden?

München - Der Streit um den Genmais-Skandal wird schärfer: Noch immer weigert sich die Herstellerfirma Pioneer, den betroffenen Landwirten eine bedingungslose Entschädigung zu zahlen. Jetzt droht der Bauernverband: „Wir klagen."

Sie sind nicht schuld, den Schaden haben sie trotzdem. Rund 100 bayerische Landwirte, die meisten davon aus Südbayern, haben gentechnisch verunreinigtes Saatgut gekauft und auf ihren Feldern ausgebracht. Doch dass der Mais kontaminiert war, davon wussten sie nichts. Bis die zuständige Behörde von dem Problem Wind bekommen hatte, war es für eine Rückrufaktion längst zu spät. Den Landwirten blieb keine Wahl. Sie mussten die Saat vernichten - auf Anordnung der Behörden. Seitdem tobt der Streit, wer für den Schaden zahlen muss. „Wir bereiten schon Musterklagen vor", droht Georg Wimmer vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Das juristische Säbelrasseln geht in Richtung Pioneer Hi-Bred - eben jene Firma, die die verseuchte Saat in Umlauf gebracht hatte. „Der BBV fordert eine vollständige Entschädigung. Und wenn Pioneer nicht einlenkt, werden wir klagen."

Der Genmais-Hersteller hatte vergeblich versucht, sich mit einer „Soforthilfe" freizukaufen. Der BBV fegte den Vorschlag vom Tisch. Die Zahlungen wären vom Ausgang eines Musterverfahrens abhängig gewesen. Käme dabei heraus, dass die öffentlichen Behörden geschlampt haben, würde Pioneer das Geld von den Bauern zurückfordern. Auf diesen Deal wollte sich der BBV nicht einlassen.

Bei den Behörden ist wohl tatsächlich einiges schief gelaufen. Erst fünf Wochen nach der Aussaat wurde die Gen-Panne bekannt. Das damals zuständige Agrarministerium Niedersachsen entschuldigte die Verzögerung damit, dass Mitarbeiter verreist oder erkrankt gewesen seien. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner reagierte „mit Entsetzen". Doch jetzt wird er auch noch angegriffen.

„Der Bauernverband spielt eine doppelbödige Rolle", behauptet Christoph Palme. Der Jurist engagiert sich bei der Aktion „GEN-Klage" und zweifelt daran, dass der BBV tatsächlich an einer rückhaltlosen Aufklärung Interesse hat. Der Vorwurf: Sonnleitner sei gleichzeitig Bauernpräsident und Vorsitzender der FNL, der „Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft". Unter anderem sind hier auch Genmais-Hersteller vertreten: BASF, Bayer, Monsanto und DuPont, zu denen Pioneer Hi-Bred gehört. Ein lupenreiner Interessenkonflikt ist das für Josef Feilmeier von der Internationalen Arbeitsgruppe Futtermittel.

„Eine bodenlose Unverschämtheit", schimpft der stellvertretende BBV-Generalsekretär Wimmer. „Wir waren es doch, die alle Betroffenen zusammengerufen haben. Wir sind es, die sich für sie einsetzen." Und es sei Sonnleitner gewesen, der eine Entschädigung von Pioneer gefordert habe. Ein Interessenkonflikt? „Völliger Unsinn!"

Spätestens bis Ende August wolle man die Landwirte erneut zusammentrommeln, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Bis dahin habe Pioneer noch Zeit, einzulenken. Sollte der Konzern stur bleiben, liegen die Musterklagen schon in der Schublade, warnt Wimmer.

Die meisten Betroffenen klagen derweil schon auf eigene Faust - aber nicht gegen Pioneer, sondern gegen den Freistaat und die Verordnung, die verseuchte Saat zu vernichten. Das, erklärt Wimmer, sei aber nur eine juristische Vorsorgemaßnahme, um eine spätere Entschädigung möglich zu machen. Zahlen, da lässt Wimmer keine Zweifel, soll am Ende Pioneer.

Thomas Schmidt

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