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Georg Bromme als Angeklagter beim Sparkassen-Prozess.

Prozess startet am Mittwoch

Georg Bromme wegen Sparkassenaffäre Miesbach vor Gericht: „Der Typ haut die Kohle raus“ 

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Die Miesbacher Sparkassenaffäre wird ab Mittwoch vor dem Landgericht aufgerollt. Angeklagt sind Georg Bromme, ehemaliger Sparkassenchef – und der Ex-Landrat Jakob Kreidl.

München/Miesbach – Jakob Kreidl sieht man seit seiner Abwahl aus dem Amt des Landrats 2014 kaum noch. Am Mittwoch, wenn der Prozess gegen den 66-Jährigen vor dem Landgericht München II wegen Untreue in 17 Fällen in Tateinheit mit zehn Fällen der Vorteilsannahme beginnt, wird er sich den Blicken der Öffentlichkeit kaum entziehen können. 

Allerdings sitzt nicht Kreidl allein auf der Anklagebank, sondern auch der ehemalige Vorstandschef der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Georg Bromme, 69. Ihm werden gleich 68 Fälle der Untreue in Tateinheit mit 37 Fällen der Vorteilsgewährung zur Last gelegt, ferner ein Fall der Anstiftung zur Untreue und einmal Bestechung. Georg Bromme ist also Hauptbeschuldigter, die Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Martin Mihalovits (neun Mal Untreue, zwei Mal Vorteilsgewährung) und einen damaligen Bankvorstand (acht Fälle der Untreue) nehmen sich demgegenüber fast gering aus.

Vorwürfe gegen Ex-Banker Georg Bromme - neue Enthüllungen zu erwarten

Und so dürften im Gerichtssaal B266 vor allem pikante Details zum Geschäftsgebaren Georg Brommes zur Sprache kommen – sein üppiges Apanage-System, das er sich in 21 Jahren als Vorstandschef aufbaute und das zumindest auf Vorstandsebene bekannt und zum Teil berüchtigt gewesen sein soll. 

Landratsamt-Mitarbeiter über Georg Bromme: „Der Typ haut die Kohle raus“

Ex-Landrat Jakob Kreidl ist einer der Beschuldigten. 

In einer Vernehmung im Zuge der juristischen Aufarbeitung der Affäre gab ein Bediensteter des Landratsamtes ein Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der Bank wieder, in dem dieser wortwörtlich geklagt habe: „Der Typ (gemeint ist: Georg Bromme) haut die Kohle raus, dass es nur so kracht, wie sollen wir das noch bis zu seinem Ausscheiden überstehen.“

Die Sparkasse musste nach Georg Bromme kräftig bluten

Die Sparkasse hat es überstanden – aber sie musste kräftig bluten. Einiges wie etwa der durch Georg Bromme forcierte Erwerb der Geitauer Alm durch die Sparkasse ist offenbar nicht prozessrelevant. Das Verfahren ist in 16 Sachverhalte aufgeteilt.

Sparkasse unter Georg Bromme spendiert großzügige Geburtstagsfeier für Landrat

Viele wie etwa die großzügige Geburtstagsfeier, die die Sparkasse zum 60. Geburtstag von Kreidl zum Teil finanzierte, sind schon öffentlich bekannt. Als Erstes aufgerollt werden soll aber der Verkauf eines früheren, heute bebauten BayWa-Grundstücks im Jahr 2010 vom Markt Holzkirchen an die Sparkasse. Die Staatsanwaltschaft sieht einen Zusammenhang mit mehreren Spenden der Bank für Sport und Kultur. 

Sparkassen-Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl und Georg Bromme: Eine Chronologie der Ereignisse

Dienstreise: Georg Bromme und Frau probieren Schweizer Hotel für Bürgermeister aus

Ein als „Bürgermeisterinformationsreise“ deklarierter dreitägiger Ausflug ins schweizerische Interlaken – auch das einer der problematischen Sachverhalte – soll von Bromme samt Ehefrau mit einer „Probereise“ vorbereitet worden sein, wobei er sogar Menüfolge, Tischdeko und Wein persönlich festgelegt haben soll. Das alles kostete 85.000 Euro, wobei das Landratsamt auf Druck der Sparkasse einen Teil übernahm. 

Warum hat den Vorstandschef Georg Bromme niemand aufgehalten?

Eine der vielen Fragen ist, warum dem Vorstandschef niemand in den Arm fiel – weder der damalige Landrat, der zugleich Verwaltungsratsvorsitzender war, noch Mitglieder des Vorstands. Eine Absage der schon durchgeplanten Interlaken-Reise zum Beispiel hätte angeblich zu Reputationsverlust und erheblichen Kosten für die Bank geführt – wie plausibel das ist, wird das Gericht zu beurteilen haben.

Georg Bromme habe sich selbst beschenkt, aber auch gerne Geschenke angenommen, heißt es. Zum Beispiel erhielt der begeisterte Jäger zum 60. Geburtstag, finanziert von der Sparkasse, eine Repetierbüchse für 6000 Euro. 

Ein Thema ist ferner der Beratervertrag, den der ehemalige Vorstandschef für sein mehr oder weniger erzwungenes Ausscheiden erhielt – mit Dienstwagen und Monatssalär. Und das sind nur einige Punkte.

Ein Urteil könnte am 30. Januar fallen. Erst danach soll über ein weiteres Verfahren gegen sechs ehemalige oder amtierende Verwaltungsräte der Bank, darunter auch Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU), entschieden werden. Hier steht ebenfalls Untreue im Raum steht.

Lesen Sie auch: Disziplinarverfahren gegen Kreidl und Rzehak - 13 Beschuldigte angeklagt 

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