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In Vorra hat verutlich ein Brandstifter geplante Flüchtlingsheime angezündet.

Hakenkreuze entdeckt

Geplante Flüchtlingshäuser brennen in Bayern

Vorra - Drei geplante Flüchtlingsunterkünfte haben in der Nacht auf Freitag nahe Nürnberg gebrannt. An einem der Gebäude im mittelfränkischen Vorra wurden Hakenkreuze und andere fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung, wie ein Sprecher sagte. Die Gebäude - eine leerstehende Gaststätte, eine Scheune und ein leerstehendes Wohnhaus - waren umgebaut worden und sollten Flüchtlingen als Unterkunft dienen.

Spuren von Brandbeschleuniger

Der Staatsschutz übernimmt die Untersuchungen. Eine 20-köpfige Sonderkommission soll den Brand aufklären. „Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt“, sagte am Freitag Polizeisprecher Robert Sandmann. An einem der benachbarten Gebäude im Ortskern von Vorra wurden Hakenkreuze und andere fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt. Außerdem wurden am Tatort Spuren von Brandbeschleunigern gefunden. Die Ermittler suchen nun nach Spuren und Zeugen. Es wurde eine Ermittlungsgruppe mit zwölf Beamten eingerichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Täter am späten Donnerstagabend in die Gebäude eingedrungen und haben dort Feuer gelegt

Der Bayerische Flüchtlingsrat hofft  auf eine schnelle Aufklärung. „Ich wünsche mir, dass möglichst rasch und intensiv und auch wirklich gegen rechts ermittelt wird“, sagte der Sprecher Alexander Thal am Freitag.

Nachbarn sind entsetzt über die Tat

Die Nachbarn in Vorra sind entsetzt über die Tat: „Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut“, sagte eine Bürgerin am Freitagmorgen. „Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen.“ In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf extra ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude endlich saniert und für die Flüchtlinge hergerichtet worden seien. Schon vor Monaten habe sich auf Initiative der Pfarrei ein Unterstützerkreis gegründet, um sich auf die Ankunft der 70 bis 80 Asylbewerber vorzubereiten. Auch eine Begrüßungsfeier war schon geplant. Sie wird jetzt wohl erst einmal ausfallen.

Rechtsextreme Clique in Wochenendhaus?

Ein bisschen ratlos zeigt sich auch Bürgermeister Volker Herzog (SPD). Er beteuert, dass es „keine rechten Umtriebe“ in Vorra gebe - und verweist auf die große Offenheit vieler Bürger gegenüber den erwarteten Ausländern. Noch am vorletzten Wochenende hätten sich viele Bürger bei einem „Tag der offenen Tür“ ein Bild von den frisch renovierten, fast bezugsfertigen Unterkünften gemacht. Eingeladen hatte der Besitzer, der die Gebäude vor ein paar Jahren erwarb.

Erst auf Nachfragen kommt das Gemeindeoberhaupt auf die „Clique“ zu sprechen, die sich seit zwei bis drei Jahren in einem Wochenendhaus am Waldrand oberhalb Vorras gelegentlich trifft und „dort ihre Lieder singt“. Da es Hinweise gebe, dass sie dem rechtsextremen Spektrum angehören, stehe die Gruppe seit längerer Zeit unter Beobachtung der Polizei, berichtetet Herzog. Außer dass es „Auswärtige“ seien und sie bisher eigentlich im Ort nicht besonders aufgefallen seien, wisse er nichts über sie. Auch von der Polizei habe er nie Informationen über die Gruppe bekommen.

Anwohnerin hatte das Feuer entdeckt

Eine Anwohnerin hatte den Brand in der Gaststätte entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Aus den Fenstern quoll starker Rauch, wie der Polizeisprecher sagte. Kurze Zeit später wurde bemerkt, dass auch die anderen Gebäude in Flammen standen. Es gelang der Feuerwehr demnach aber rasch, den Brand zu löschen. Ein Feuerwehrmann erlitt bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen. Den Gesamtschaden schätzte die Polizei auf etwa 700 000 Euro.

Die Häuser hätten eigentlich Anfang 2015 bezogen werden sollen. Ursprüngliche Pläne hätten sogar schon einen Einzug von rund 70 Asylbewerbern in der nächsten Woche vorgesehen, sagte am Freitag der stellvertretende Regierungspräsident von Mittelfranken, Eugen Ehmann. Wegen baulicher Unstimmigkeiten habe die Kreisbaubehörde die Bauabnahme des Gebäudes aber in der vergangenen Woche verschoben.

Für Ehmann, der in Sichtweite des ausgebrannten früheren Gasthofs wohnt und sogar Augenzeuge des nächtlichen Feuers wurde, ist die Nutzung der ausgebrannten Gebäude als Flüchtlingsunterkunft ungewiss. „Die Unterkünfte sind für uns erst mal verloren“, sagte er. Man müsse nun schauen, wie der Besitzer der Anwesen auf den Brandschaden reagiere. Der Gasthof samt dazu gehöriger Scheune und einem in der Nähe liegenden Wohnhaus gehören zu 50 Objekten, die die Regierung von Mittelfranken zur Flüchtlingsunterbringung angemietet hat.

Ermittler suchen Zeugen

Am Samstag wollen die Ermittler mit einem Fahndungsplakat und Handzetteln weitere Informationen sammeln. Zeugen können sich auch unter dem Telefon 0800/7766320 melden. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung der Täter führen ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

dpa

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