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Der Hinterkopf stand offen: Mathias H. (r.), hier neben seinem Anwalt Reinhard Hauff, zeigt ein Bild seines Sohnes Stefan nach dem Bootsunfall vor vier Jahren.

Prozess um Schmmerzensgeld

Bub gerät mit Kopf in Schiffsschraube

München - Eine Schiffsschraube riss seinen Hinterkopf auf, samt Knochen. Stefan H. war elf Jahre alt, als er nach einer 180-Grad-Drehung aus einem Boot fiel. Und wer ist schuld? Der Bootsführer? Fliehkräfte? Ein Urteil des Oberlandesgerichts gibt es noch nicht – aber eine klare Tendenz.

Die Kopfschmerzen hören auch vier Jahre danach nicht auf. Drei bis vier Mal die Woche ist Stefan H. (15) deswegen in Behandlung. Die Wunde an seinem Hinterkopf ist zwar inzwischen verheilt, Schäden am Gehirn blieben ihm erspart. Aber der Vorfall selbst ist noch nicht abgeschlossen.

Stefan H. und seine Familie machen den Bootsführer dafür verantwortlich, dass der damals Elfjährige im Sommer 2009 aus einem Schlauchboot direkt auf die Schiffsschraube fiel. Die Forderung: 12 000 Euro Schmerzensgeld.

Ort des Geschehens war Ainring im Berchtesgadener Land. Die Gemeinde hatte Kinder und Jugendliche zu einer Freizeitveranstaltung eingeladen. Teil des Programms: eine Schlauchbootfahrt auf der Saalach. Als der Bootsführer ankündigte, gleich eine 180-Grad-Drehung machen zu wollen, brachten sich die beiden anderen Kinder in der Mitte des Boots in Sicherheit. Nur Stefan H. blieb – trotz Warnung – auf dem äußeren Gummirand sitzen.

Dann die Drehung nach links. Laut Gutachten war das Boot zu diesem Zeitpunkt mit rund 20 Stundenkilometern unterwegs. Trotz eines Sicherungsseils und festen Metallgriffen am Bootsrand verlor der Elfjährige den Halt, fiel – und geriet in die Schiffsschraube.

Hätte der Bootsführer den Buben nochmals warnen, die Fahrt stoppen müssen? Unterschätzte er die Fliehkräfte?

Der heute 15-jährige Stefan H. kam nicht zum Termin ins Oberlandesgericht München. Stattdessen sein Vater Mathias H., der während des Wortgefechts – um die Wirkung von Fliehkräften – zwischen Richter Wilhelm Schneider, seinem Anwalt Reinhard Hauff und Wolfgang Schwarz, Verteidiger des nicht erschienenen Bootsmanns, aus dem Kopfschütteln nicht herauskam.

Während Richter Schneider schnell klarmachte, dass ihm eine Mitschuld des Buben unsinnig erscheint, wollte Schwarz genau auf diesen Punkt hinaus. „Selbst wenn man sich nicht festhält, fällt man nicht raus.“ Man falle nur, wenn man sich hinausbeuge. Vielleicht, sagte Schwarz, habe der Bub sich ja vor seinen Freunden „hervortun“ wollen. Das habe sein Mandant nicht vorhersehen können. Und sei also nicht haftbar zu machen.

Laut einem Gutachten ist die Gefahr zu fallen gering, vorausgesetzt, der Insasse halte sich fest. In einem ersten Verfahren Ende 2012 vor dem Landgericht hatte das noch zur Entlastung von zwei weiteren Angeklagten geführt. Richter Schneider wollte dem aber nicht mehr folgen. Ein Kind könne nicht wissen, „welche Kräfte bei so einem Boots-Manöver wirken können“. Mit Kindern an Bord sei dieses Manöver „fahrlässig“.

Der Vorsitzende Richter versuchte es schließlich mit einem Vergleich. Kläger-Anwalt Hauff lehnte jedoch ab. Begründung: Er wolle die volle Höhe des geforderten Schmerzensgelds. Alles darunter sei zu wenig.

Die Verkündung des Urteils ist für Ende Juni angesetzt. Die Zeichen stehen gegen den Angeklagten. Selbst Richter Schneider schienen die 12 000 Euro allerdings etwas zu hoch angesetzt. Die Kopfschmerzen würden doch schließlich homöopathisch behandelt. „So schlimm können sie ja dann nicht sein.“

von Marcus Mäckler

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