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Noch eine knappe Woche – dann beginnt die Schule. Diese Erstklässlerin hat offensichtlich viel in der Schultüte.

Wie gerecht sind Schulen?

München - Die SPD warnt vor einem steigendem regionalen Gefälle in der Bildung. In Niederbayern gehen viel weniger Kinder aufs Gymnasium als im Münchner Speckgürtel. Dafür allerdings sind die Gymnasien in Oberbayern auch besonders voll.

„Sage mir, wo die wohnst – dann sage ich Dir, welche Bildungschancen Du hast“: Der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll hat das Kultusministerium mit 104 schriftlichen Anfragen eingedeckt. Mehrere Monate dauerte die Bearbeitung, jetzt hat Güll hunderte von Seiten mit Daten. Und er hat festgestellt, dass Bildung in Bayern höchst unterschiedlich ist.

-Beispiel Übertrittsquoten: In Oberbayern gehen 44,9 Prozent aller Kinder nach der 4. Klasse aufs Gymnasium, in Niederbayern sind es nur 32 Prozent. Vergleicht man einzelne Landkreise, sind die Diskrepanzen noch auffälliger. Im Landkreis München beträgt die Gymnasial-Quote sogar 61,1 Prozent, in Rottal-Inn aber nur 25,5 Prozent. „Das spricht Bände“, sagt Güll, „und das liegt nicht daran, dass die Niederbayern dümmer sind.“

-Zweites Beispiel Klassengrößen: Im Landkreis Dachau haben 92 Prozent aller Realschulen 26 oder mehr Schüler in der Klasse. Das ist der Spitzenwert in Oberbayern. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind nur 40 Prozent der Realschul-Klassen derartig voll. Ähnliche markante Unterschiede gibt es bei den Gymnasien: In den Klassenzimmern im Landkreis Weilheim-Schongau ist es besonders eng, 83 Prozent der Klassen haben 26 oder mehr Schüler. Im Berchtesgadener Land hingegen ist die Klassenstärke viel geringer.

-Besonders umstritten ist die Frage, ob die bayerischen Schulen durchlässig sind. Nur von oben nach unten, sagt Güll, der sich die Mühe gemacht hat, die Zahl der Aufsteiger einmal festzustellen. In der 6. bis 9. Klasse der Mittelschule gelang demnach im Schuljahr 2011/12 gerade einmal 68 Schülern der Sprung auf das Gymnasium. Das sind lediglich 0,03 Prozent.

Etwas besser ist die Quote für die Realschulen: 0,4 Prozent – oder 902 Schüler. Insgesamt schafften im vergangenen Schuljahr laut Güll nur 1129 Schüler den Aufstieg.

Im gleichen Zeitraum aber mussten 11 471 Schüler einen „Abstieg“ verkraften – das heißt, sie wechselten zum Beispiel vom Gymnasium auf die Realschule oder gleich auf die Mittelschule. „Es ist ein Märchen, dass Bayerns Schulsystem nach oben durchlässig ist“, folgert Güll.

Das Kultusministerium weist die Vorwürfe zurück. Das Ziel, gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land zu schaffen, werde weiterverfolgt, sagt Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). So würden auch kleine Grundschulen im ländlichen Raum erhalten. Es gebe eine steigende Anzahl von Einführungsklassen, in denen sich Schüler mit mittleren Bildungsabschluss aufs Gymnasium vorbereiten. Auch seien seit 2008 insgesamt 16 Realschulen und zwölf Gymnasien neu gegründet. Vor allem der Landkreis München ist regelrecht im Gründungsfieber. Die massenweise Gründung neuer Schulen ist allerdings auch nicht Gülls Ziel. Er forderte vielmehr, „auf Antrag“ der Kommunen auch Gemeinschaftsschulen zuzulassen, in dem die verschiedenen Bildungsrichtungen unter einem Dach vereint wären.

Ähnliches gibt es allerdings schon: Die FDP-Bildungsexpertin Renate Will verweist auf die auf ihr Betreiben hin eingeführten Kooperationsschulen, in denen Mittelschüler mit zwei Zusatzjahren einen Realschulabschluss machen können. Doch dieses Modell geht Güll nicht weit genug.

Dirk Walter

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