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Ob gredt oder gspuit: Gerhard Holz, hier bei einer Veranstaltung in Feldmoching, vermittelt das Bairische per Vortrag – oder auch mit der Gitarre.

Geburtstag

Gerhard Holz wird 70: Der Bairisch-Botschafter

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München - „Woaßt as?“ Gerhard Holz hat einst unsere beliebte Dialekt-Rubrik erfunden; überhaupt ist der gebürtige Niederbayer seit Jahrzehnten als Bairisch-Experte gefragt. Am Dienstag wird er 70. Über einen, dem die Mundart zur Lebensaufgabe geworden ist.

Butzlküah, Nackerbätzi und Hirnbatzl – hätten Sie gewusst, dass Tannenzapfen, ein nacktes Kleinkind und ein Stupser an die Stirn gemeint sind? Für Gerhard Holz gehören diese Ausdrücke zum täglichen Sprachgebrauch. Mit seinem vielfältigen Einsatz für den Erhalt des Bairischen hat er sich im gesamten Freistaat einen Namen gemacht: ob als engagierter Volksmusiker, als Sprachförderer, als Dialekt-Lehrer in der Schule oder als Schöpfer unserer wöchentlichen Rubrik „Woaßt as?“, in der er über Jahre hinweg bairische Worte und Wendungen vorstellte. Am Dienstag feiert Gerhard Holz seinen 70. Geburtstag.

Mit 21 Jahren zog Holz aus seiner niederbayerischen Heimat – er wuchs in der Nähe von Mallersdorf (Kreis Straubing-Bogen) auf – nach München-Feldmoching. Er arbeitete als Kfz-Meister und später bei einem großen Münchner Autohersteller. „Da kam mir schon zu Gute, dass ich zwischen Dialekt und Hochsprache fließend wechseln kann“, sagt Holz im Rückblick und lacht.

Sein Engagement für das Bairische kam aber nicht über die Arbeit, sondern über die Musik. Anfang der 70er-Jahre gründete er mit zwei Bekannten den Feldmochinger Dreigesang. „Mit dem alten Liedgut konnte man ganz selbstverständlich viel von den bairischen Traditionen transportieren.“ Noch heute erhebt Gerhard Holz mit Gesangspartnerin Helga Betz gerne und regelmäßig als „Feldmochinger Zwoagsang“ die Stimme.

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Moderator, Sprecher und Sänger hat Holz die Münchner Ortsgruppe des Fördervereins Bairische Sprache, den sogenannten Landschaftsverband, mitaufgebaut. Als er den Vorsitz übernahm, zählte die Gruppe 95 Mitglieder; nach neun Jahren übergab er an seinen Nachfolger Benedikt Kronenbitter – mit 1111 Mitgliedern.

Um den Spaß am Dialekt auch bei den Jüngsten wieder zu aktivieren, schnappte sich Holz seine Gitarre und ging in Kindergärten und Schulen in und um München. „Mit lustigen Liadln funktioniert’s am besten“, sagt Holz. Er dichtet spontan vom Hochsprachlichen ins Bairische – und schon haben die Kinder den neuen Klang im Ohr. Und auch wenn gerade beim Münchner Nachwuchs zu Hause häufig kein Dialekt mehr gesprochen wird, so bemerkt Holz doch einen gewissen Trend im Umgang mit dem Bairischen: „Zumindest diejenigen, die es mal gelernt haben, packen ihr Bairisch heute wieder aus. In der Blosn wird dann wieder Dialekt gesprochen.“

Blosn, das ist die Clique. Auch so ein Wort, das bestens in die Rubrik „Woaßt as?“ passt, die Holz 2005 in unserer Zeitung einführte, um den Lesern das eine oder andere vergessene Wort wieder in den Mund zu legen. Auch hier hat er mittlerweile an seinen Nachfolger Benedikt Kronenbitter übergeben. Als Mundart-Experte will Gerhard Holz trotz allem nicht bezeichnet werden. „Ich habe das ja nicht gelernt, sondern mir nur angeeignet.“ Mit dem inoffiziellen Titel Botschafter des Bairischen kann er dafür sehr gut leben. „Denn es geht ja nicht nur um die Sprache, sondern auch um das ganze Drumherum.“ Um Tradition. Und um Werte.

Seinen runden Geburtstag feiert Gerhard Holz gleich zweimal. Einmal „schee griabig“ im kleinen Kreis mit der Familie. Und einmal mit den vielen Weggefährten aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Und natürlich mit viel Volksmusik.

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