Tödlicher Fehler: Arzt vor Gericht

Bayreuth - Tödlicher Fehler: Ein Arzt steht seit Dienstag vor Gericht, weil ein 85-Jähriger durch seine Behandlung gestorben sein soll. Der Mediziner streitet das ab.

Wegen eines tödlichen Kunstfehlers muss sich ein Arzt seit Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth verantworten. Der Vorwurf der Anklage gegen den 68-Jährigen lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Der Internist soll bei einem 85-jährigen Patienten im Juli 2007 zunächst eine Darmspiegelung und anschließend ohne weitere schriftliche Einwilligung des Patienten eigenmächtig noch eine Magenspiegelung durchgeführt haben. Bei der Einführung des Endoskops kam es nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zu einer Perforation der Speiseröhre, an deren Folgen der Rentner sechs Wochen später starb.

Die Darmspiegelung war unauffällig. Deshalb habe sich der Internist entschlossen, auch noch eine Magenspiegelung vorzunehmen. Den Ermittlungen zufolge stand der 85-Jährige dabei noch unter dem Einfluss der Narkose. Deshalb konnte der Arzt das Endoskop zunächst nur gut zehn Zentimeter einführen. Weitere Versuche scheiterten zwei Stunden später. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Internist dabei das Risiko einer Speiseröhrenperforation und einer daraus resultierenden lebensgefährlichen Mittelfellentzündung des Patienten in Kauf genommen hat.

Zu Beginn der Verhandlung wies der Angeklagte jede Schuld von sich. Der 68-Jährige sprach von einem Notfall. In seiner 30-jährigen Tätigkeit habe er rund 54 000 Spiegelungen durchgeführt. Dabei sei es in keinem einzigen Fall zu Komplikationen gekommen. Nach Überzeugung des Internisten ist der 85-Jährige nicht an den Folgen der Untersuchung, sondern an Herzschwäche gestorben.

dpa

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