Ein freier Blick auf Schloss Neuschwanstein ist nach Auffassung des Gerichts nicht schützenswert

Gericht: Blick auf Neuschwanstein nicht geschützt

Augsburg - Der freie Ausblick auf das “Märchenschloss“ Neuschwanstein ist grundsätzlich nicht schützenswert. Er kann durch Nachbarn verbaut werden, entschied das Verwaltungsgericht Augsburg.

Mit dem Urteil scheiterten drei Wohnungseigentümer, die gegen eine vom Landratsamt Ostallgäu erteilte Baugenehmigung vorgingen, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte. Die Wohnungen der Antragsteller gehören zu einem Mehrfamilienhaus in Osterreinen am Forggensee bei Füssen. Sie hatten bislang von ihren Balkonen und aus den Fenstern freie Sicht auf Schloss Neuschwanstein mit See und Bergkulisse. Sie vertraten als Wohnungseigentümer die Auffassung, der Schlossblick sei einzigartig und daher besonders schützenswert. Als Nachbarn Anfang August mit den Bauarbeiten für ein weiteres Mehrfamilienhaus begannen, das die Sicht auf Neuschwanstein zu versperren droht, forderten die Kläger einen einstweiligen Baustopp.

Das Verwaltungsgericht lehnte den Antrag jedoch ab. Im Regelfall werde eine freie Aussicht durch das Baurecht nicht geschützt, hieß es zur Begründung. Der besondere Reiz des Ausblicks ergebe sich aus dem Zusammenspiel von Forggensee mit dem Bergpanorama. Dieser Anblick gehe den Antragstellern durch den Neubau nicht völlig verloren.

Zwar komme dem Märchenschloss ein hoher Bekanntheitsgrad zu, es trage aber lediglich zur optischen Abwechslung bei. Da auch keine erdrückende Blickbeeinträchtigung von dem neuen Bauvorhaben ausgehe, seien die Eigentümer der vorhandenen Häuser zur Duldung verpflichtet, argumentierte das Gericht.

Aktenzeichen: Au 4 S 09.1084

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