Gericht gibt Brauerei Recht: Sprudel kann doch "Bio" sein

Nürnberg - Wasser ist nicht gleich Wasser: Auf dem konkurrenzreichen Markt kämpft jetzt auch ein “Biomineralwasser“ um Kunden. Ob das Getränk einen neuen Trend auslöst, ist noch offen. Die Hersteller zumindest sind davon überzeugt.

Mehr als 500 Mineralwässer gibt es Deutschland. Sie unterscheiden sich nicht nur nach dem Grad der Kohlensäure in still, medium und klassisch. Darüber hinaus schmecken die einen bitter, die anderen salzig und die dritten süß - die neutralen Wässer natürlich nicht zu vergessen. Seit Dienstag ist der heiß umkämpfte Markt um eine Kategorie reicher: Bei Einhaltung bestimmter Kriterien dürfen auch “Biomineralwässer“ angeboten werden, entschied das Oberlandesgericht Nürnberg in zweiter Instanz. Es ließ aber eine mögliche Revision zu.

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Ob die Biowässer nun einen neuen Trend setzen, ist in der Branche umstritten. “Das jetzt viele drauf aufspringen auf den Zug, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Wassersommelier Peter Schropp. “Wir werden sehen und sind auch sehr gespannt“, äußert dagegen die Sprecherin des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM), Meike Strenger. Und Susanne Horn, Geschäftsführerin der jetzt vor Gericht siegreichen Lammsbräu, berichtet: “Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass viele Mineralwasser-Hersteller auf dieses Urteil gewartet haben, weil sie sich nun den Biomineralwasserstandards der Qualitätsgemeinschaft anschließen können.“

Brauerei hatte für ihr "BioKristall" gestritten

Vehement hatte die für ihre Bio-Biere bekannte Brauerei aus Neumarkt in der Oberpfalz für ihr “BioKristall“ gestritten. “Wir machen das ja, weil wir zu 100 Prozent überzeugt sind von dem Thema“, sagt Horn. Schließlich gebe es durchaus Unterschiede sowohl bei der Qualität der Wässer - Stichwort Schadstoffbelastung - als auch in der Klima-Bilanz von Produktion und Vertrieb. Die Brauerei initiierte deshalb die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V., die einen Kriterienkatalog ausarbeitete und nach einer unabhängigen Überprüfung ein Siegel verleiht.

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs sah dies als Verbrauchertäuschung an. Ihrer Meinung nach sind Mineralwässer per definitionem “Bio“, weil sie aus unterirdischen Wasservorkommen stammen, einen natürlichen Gehalt an Mineralien besitzen und von ursprünglicher Reinheit sind.

Doch das Oberlandesgericht entschied nun, dass sich das Biomineralwasser “tatsächlich von zwar nicht allen, aber doch vielen anderen Mineralwässern unterscheidet“. Denn nach dem Kriterienkatalog müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte erheblich unterschritten werden.

Viele Nuancen lassen sich aus Mineralwässern herausschmecken

“Auf den Geschmack hat das Bio-Siegel mit Sicherheit keinen Einfluss“, urteilt Peter Schropp. Er muss es wissen: Als Leiter der Ausbildung zum Wassersommelier der Doemens-Genussakademie in München kennt er sich aus mit den Feinheiten der Mineral-, Heil-, Quell- und Tafelwässer.

Wenn er ins Erzählen kommt, staunt der Laie: Von kräftig-würzigen Mineralwässern mit trocken-belegtem Mundgefühl berichtet er dann, und von den Gegenionen zu den Hauptgeschmacksträgern Natrium, Kalzium und Magnesium. “Ich hatte auch nicht gedacht, dass man da so viele Nuancen herausschmecken kann“, erinnert sich Schropp. Doch durch die unterschiedlichen Mineralienanteile schmeckten die Wässer teils sehr unterschiedlich, deshalb sei es auch für Restaurants sinnvoll, mehrere Sorten im Angebot zu haben.

Allerdings müsse man auch nicht übertreiben, findet Schropp mit Blick auf extensive Wasserkarten. “Wir haben in Deutschland mehr als 500 Mineralwässer, da braucht man sicherlich kein Wasser von den Fidschi-Inseln oder aus Tasmanien.“

dpa

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