Vor Gericht: Sextäter verhöhnt sein Opfer

Augsburg - Im Prozess um die Vergewaltigung einer 18-Jährigen in Gersthofen waren die Schilderungen des Haupttäters vor Gericht kaum zu ertragen. Gemeinsam mit seinen Komplizen verhöhnte er das Opfer.

Der Sitzungssaal 170 des Augsburger Landgerichts reichte nicht, um die ganze tür­kisch-deutsche Clique der vier Angeklagten zu fassen: Am 25. Juli vergangenen Jahres sollen die vier jungen Männer aus Er­langen auf dem Parkplatz der Gersthofener Disco Sound-Facto­ry die damals erst 18 Jahre alte Elisa vergewaltigt haben. Doch trotz des schlimmen Vorwurfs grinsten die Sextäter ihren Freun­den noch frech zu ...

Der Platz des mutmaßlichen Op­fers blieb leer. Das Mädchen lei­det seit jener Nacht unter Schlaf­losigkeit und Albträumen, war mehrere Monate in psychiatrischer Behandlung. „Ihr geht es un­glaublich schlecht, sie ist bis heu­te nicht arbeitsfähig“, so ihre An­wältin Marion Zech. Obwohl sie schwerwiegende Verletzungen davontrug, musste sie sich von den Angeklagten verhöh­nen lassen: „Für mich war das ein Liebesabenteuer, das war alles einvernehmlich“, so die Aussage des Hauptangeklagten Coskun K. (19).

Er und seine Kumpels wollten in Gersthofen seinen 19. Geburtstag feiern. Dort gab es eine drehbare Tanzfläche, dort hatte sich an je­nem Abend auch das C-Klasse-Model Gina-Lisa angesagt. Mit einem gemieteten BMW fuhren die Freunde 170 Kilometer von Mittelfranken nach Schwaben. Kurz vor 3 Uhr, so erinnert sich Coskun K. nun, habe ihn das zierliche Mädchen angetanzt. „Sie hat mit dem Po vor mir rum­gewackelt ... Wir gingen Hand in Hand hinaus.“

"... sie fing an zu stöhnen"

Laut Anklage zog er das alkoholi­sierte Mädchen zu einem unbe­leuchteten Teil des Parkplatzes. Sie habe „Lass mich“ geschrien, doch er habe sie zu Boden ge­zwungen, sie gewaltsam entklei­det und sie dann von hinten ge­nommen. „Er wollte ihre hilflose Lage ausnutzen“, so die Staatsan­wältin. Coskun K. schildert es anders: „Es war nicht geplant, an diesem Abend Geschlechtsverkehr zu ha­ben. Doch draußen schwang sie auf einmal ihr Bein um meine Hüfte, dann auch das andere. Sie legte ihre Hand auf meinen Penis ... setzte sich auf mich ..., fing an zu stöhnen.“ Er habe noch gefragt, ob sie die Pille nehme. Dann sei es zur Sache gegangen.

Laut Staatsanwaltschaft hätten die vier in der Disco den Plan gefasst, ein Mäd­chen gemeinsam zu vergewalti­gen und „sie besonders zu er­niedrigen“. 40 Minuten habe das Martyrium von Elisa gedauert, bevor die vier Erlanger fluchtartig den Parkplatz verließen. Warum sie das getan hätten, fragte der Rich­ter Coskun K., wenn doch alles einvernehmlich gewesen sei? Weil sie weinend zu den Türste­hern gelaufen sei. Und warum habe sie geweint, wenn sie kurz zuvor noch angeblich „Fick mich“ gerufen habe? Vermutlich, weil sie Angst vor ihrem eigenen türkischen Freund gehabt habe, so Coskun K.

Pikant: In seiner Clique wird K. „der Vergewaltiger“ gerufen, bis zur Verhaftung des Quartetts am 12. August war „der Gangbang“ jenes Abends immer wieder The­ma. Sogar eine Handy-Aufzeich­nung des Geschehens soll es ge­geben haben. Gefunden hat die Polizei allerdings nichts. Den vier Angeklagten drohen nun bis zu 15 Jahre Haft. Das mut­maßliche Opfer muss aufgrund der ausgebliebenen Geständnisse am nächsten Montag aussagen.

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