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Michael Herrmann (r.), der Bruder des Entführungsopfers Ursula Herrmann, klagt auf Schmerzensgeld.

Im Schmerzensgeldprozess:

Gericht will für Zivilklage im Fall Ursula Herrmann weitere Beweise

Augsburg - Der Fall Ursula Herrmann beschäftigt seit mehr als 35 Jahren die Justiz. Erst die lange Suche nach dem Täter, jetzt will der Bruder des getöteten Mädchens Schmerzensgeld. 

In dem Schmerzensgeldprozess um den Tod der kleinen Ursula Herrmann vor mehr als 35 Jahren will das Gericht weitere Beweise auswerten. Das Augsburger Landgericht ordnete am Donnerstag an, dass am 22. Juni zwei Polizisten als Zeugen in dem Verfahren vernommen werden.

Michael Herrmann, der Bruder des Opfers, verlangt in dem Verfahren von dem Kidnapper 20 000 Euro Schmerzensgeld, weil er seit dem Prozess gegen den Täter an Tinnitus leide.Ein Gutachter bestätigte dies. Vor sieben Jahren war der Kidnapper wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das damalige Urteil und ein früheres Gutachten werden nun ebenfalls in dem neuen Verfahren als Beweismittel gewertet. Der Zivilprozess läuft schon seit rund zwei Jahren und wird sich nun weiter in die Länge ziehen.

Der Verurteilte lebte zuletzt in Kappeln an der Schlei (Schleswig-Holstein) und war dort erst 27 Jahre nach dem Verbrechen an dem zehnjährigen Mädchen gefasst worden. Er bestreitet bis heute, Ursula Herrmann umgebracht zu haben. Sein Verteidiger hat deswegen auch die Zivilklage von Ursulas Bruder begrüßt. Der Anwalt hofft, dass der Fall dadurch noch einmal aufgerollt wird.

Auch Michael Herrmann hat ähnliche Interessen. Er hatte die Verurteilung in dem rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren mehrfach kritisiert. Er geht davon aus, dass es mehrere Täter gab.

Der Fall Ursula Herrmann ist eines der spektakulärsten Verbrechen in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Mädchen war 1981 am Ammersee verschleppt und in einer Kiste vergraben worden. Ursula erstickte darin.

Viele Beobachter hatten Zweifel daran, dass das Augsburger Landgericht in dem Strafverfahren den richtigen und einzigen Täter verurteilt hat. Der Bundesgerichtshof verwarf die Revision des Angeklagten allerdings.

dpa

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