Massive Unterschiede

Geschlechterdifferenz an Schulen: Mädchen vorn

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München - In Bayerns Schulen gibt es massive Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Mädchen gehen öfter aufs Gymnasium, Buben vermehrt auf die Mittelschule.

Erstmals hat das bayerische Kultusministerium die Geschlechterdifferenz an den Schulen systematisch erfasst und im Landtag vorgestellt. Praktisch nirgendwo sind Mädchen und Buben „gleich“. Im Einzelnen:

  • Die Übertrittsquoten der Buben an Mittelschulen sind höher als die der Mädchen (32 zu 29 Prozent). Bei Realschulen (27/29) und Gymnasien (39/40) haben die Mädchen leicht die Nase vorn.
  • An Gymnasien wählen Mädchen häufiger W- und P-Seminare in den Fächern Englisch, Deutsch, Biologie und Kunst; Buben votieren vermehrt für Physik, Geographie oder Wirtschaft.
  • Mehr Buben als Mädchen verlassen das Gymnasium vorzeitig, denn beim Erwerb der allgemeinen Hochschulreife liegen die Mädchen deutlich vor den Buben (35 zu 27 Prozent). Auch die Prüfungsnoten sind besser.
  • Über alle Schularten hinweg haben die Buben höhere Sitzenbleiberquoten (zwei zu 1,2 Prozent).
  • Hingegen studieren mehr junge Männer als junge Frauen – 82,1 Prozent der Männer eines Abschlussjahrgangs, die studieren dürfen, tun dies auch; hingegen gehen nur drei von vier Mädchen (76,1 Prozent), die studieren dürften, auch tatsächlich zur Uni.
  • Mädchen wählen oft eine Ausbildung, aber fast alle dieselbe. Über 50 Prozent der weiblichen Azubis verteilen sich auf nur zehn Berufe: Dazu zählen Krankenschwester oder Medizinische Fachangestellte, Friseurin, Steuerfach- und Rechtsanwaltsangestellte, Verkäuferin oder Kauffrau im Einzelhandel.
  • Bei den Lehrern in Bayern sind die Frauen deutlich in der Mehrheit: Im Schuljahr 2013/14 waren 78 Prozent der Lehrer an Grund- und Mittelschulen Lehrerinnen, an den Realschulen 66 Prozent, an den Gymnasien 57 Prozent. Nur an den Berufsschulen gibt es noch mehr Männer (52 Prozent).

Die Lehrer, so heißt es in dem Bericht, seien für „geschlechtersensiblen“ Unterricht vermehrt aufgeschlossen. So kommen in Mathematik auch Aufgaben vor, die der Lebenswelt der Mädchen entsprechen – und in Deutsch Themen, für die sich Buben interessieren. An der Lehrerfortbildungsstätte in Dillingen wird auch geschlechtersensible Fachdidaktik unterrichtet. Dies müsse „generalstabsmäßig“ fortgesetzt werden, forderte der SPD-Abgeordnete Martin Güll. Eine generelle Monoedukation – also eine Trennung der Buben und Mädchen im Unterricht – lehnt das Kultusministerium ab. Das verzögere „die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht als Teil der Persönlichkeitsentwicklung“, heißt es in dem Bericht. „Man sollte die Erfolgsgeschichte der Koedukation nicht in Frage stellen“, meinte auch die CSU-Abgeordnete Carolina Trautner. Allerdings sei eine „phasenweise Trennung“ in einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen, wie es einige Schulen praktizieren, wohl sinnvoll. Ähnlich sah es Günther Felbinger (Freie Wähler). „Das Thema ist bei der Staatsregierung angekommen“, lobte er. Allerdings forderte Felbinger, das Berufsbild Lehrer dringend für Männer attraktiver zu machen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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