Geschwisterpaar stirbt bei Unfall an Heiligabend

Eibelstadt - Pia und Felix feiern mit ihrem Vater Heiligabend. Dann fahren sie nach Hause – und werden von zwei Autos gerammt. Beide sterben. Jetzt sucht der Vater nach Antworten. Schon über 30 Mal hat er sich den Unglücksort angeschaut.

Ohne seine Kinder war es ein einsamer Jahreswechsel für Heiner R. (56). Die letzten glücklichen Stunden mit Pia (27) und Felix (25) hatte er an Heiligabend verbracht – nur Stunden später waren die Geschwister tot.

Es geschah gegen 1.25 Uhr auf der B 13 nahe Eibelstadt (Kreis Würzburg): Pia und Felix R. waren gerade auf die Bundesstraße aufgefahren, als sie von einem heranrasenden Mercedes gerammt wurden. Bruchteile von Sekunden später krachte ein zweiter Mercedes in die Unfallstelle. Für die Referendarin Pia kam jede Hilfe zu spät. Krankenpfleger Felix starb später im Uniklinikum Würzburg – seinem Arbeitsplatz.

Vater Heiner R. sitzt mit leergeweinten Augen vor den Tauf- und Konfirmationskerzen seiner Kinder. Auch nach der Scheidung von seiner Frau hatte er jedes Weihnachten mit seinen Kindern gefeiert. Im Abfahren hatte er seiner Tochter noch zugerufen, sie solle ihm eine SMS schicken, wenn sie sicher zu Hause angekommen sind. Die SMS kam nie. Stattdessen standen ein Polizist und ein Notfallseelsorger vor seiner Tür. „Sie sagten, dass Pia tot sei und für Felix kaum noch Hoffnung bestehe.“

An Weihnachten hatten sie sich noch über die Zukunft unterhalten. Pia wollte ihr zweites Staatsexamen machen, Felix sein Abi nachholen und mit dem Medizinstudium beginnen. Alle Pläne, alle Hoffnungen – ausgelöscht in Sekunden. Die Polizei ermittelt, ob sich die beiden 39-Jährigen, die in den Golf fuhren, zuvor ein Rennen geliefert hatten. Zeugen sagten aus, sie seien mit mehr als 110 Sachen von den zwei Limousinen knapp nacheinander überholt worden. Einer der beiden war alkoholisiert: 1,3 Promille stellten die Ermittler fest, der andere war nüchtern. Als Vater Heiner R. am Bett seines im Sterben liegenden Sohnes stand, wirkte dieser wie schlafend. „Er hatte keinerlei äußere Verletzungen.“ Dann wurden die Maschinen abgestellt, da der Sohn Organspender war, rettete er danach neun Menschen das Leben. „Ihnen hat er das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht“, sagt der Vater und blickt voller Erschütterung auf die Taufkerzen, die nun nicht mehr brennen. Für den Verursacher des Unfalls empfindet er weder Hass noch Wut. Jedenfalls jetzt nicht: „Ich will die beiden in Ruhe beerdigen.“

Doch Fragen bleiben. Mehr als 30 Mal ist Heiner R. inzwischen die Auffahrt zur B 13 gefahren, hat den Verkehr beobachtet und dabei versucht, zu verstehen. Einer der Unfallfahrer sagte offenbar aus, Pias Rücklicht sei defekt gewesen. Doch das bestreitet Heiner R.: „Als ich ihnen hinterherwinkte, sah ich ihr Auto, bis es an der Kapelle abbog. Sie hupten nochmal. Ich sorgte mich sogar noch, dass das die Nachbarn stören könnte.“

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