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Eine Million Euro wollte der Angeklagte (hier mit seinem Anwalt) von einem Apotheker erpressen. Doch sein Opfer lief ihm einfach davon

Geständnis: Versuchte Entführung voller Pannen

Traunstein - Eine Apothekerin entführen, sie in einer Kiste vergraben wie 1976 den Oetker-Sohn und von den Angehörigen eine Million Euro erpressen: Dieser Plan eines 59-Jährigen ging schief. Vor Gericht legte er nun ein Geständnis ab und verriet sein Motiv.

„Ein Mann, der seine Frau liebt, macht für sie alles.“ Dieser Gedanke trieb einen 59-Jährigen vor einem Jahr zu dem perfiden Plan, eine Apothekerin (51), die auch SPD-Stadträtin in Waldkraiburg ist, zu entführen und ihren Mann um eine Million Euro zu erpressen. Das angebliche Motiv des Täters: Er wollte der Justiz eine Kaution für die Haftverschonung seiner wegen Drogendelikten im Gefängnis sitzenden Ehefrau anbieten. Sie sei an Krebs erkrankt, sagte er vor Gericht.

Bei seiner Vernehmung vor der 2. Strafkammer am Landgericht Traunstein berichtete der aus Massing (Niederbayern) stammende Angeklagte, von Bekannten gehört zu haben, dass bei dem kinderlosen Ehepaar Geld zu holen sei. Der zur Tatzeit 58-Jährige, der jahrelang als Geschäftsmann zwischen Bayern und Südostasien pendelte, hatte daraufhin am 28. März 2011 bei dem Apotheker-Ehepaar angerufen und behauptet, er müsse als Kurier noch am Abend parteiinterne Dokumente für die Stadträtin überbringen. Doch das ins Auge gefasste Entführungsopfer war an diesem Abend nicht daheim. Als der ahnungslose Mann die Haustür öffnete, hielt ihm der Massinger eine Schreckschusspistole vor die Brust. Er habe die Stadträtin entführen, mit einem knappen Vorrat an Lebensmitteln in eine Kiste sperren und den Behälter vergraben wollen, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Als der Täter einen Moment nicht aufpasste, konnte der Apotheker jedoch fliehen, woraufhin auch der Entführer das Weite suchte. Wenige Tage später wurde er gefasst. In 13 vorbereiteten SMS an den Apotheker war in seinem Handy ein Tatplan skizziert, der dem Entführungsfall Richard Oetker von 1976 stark ähnelt. Von „in einer Kiste vergraben“ bei wenig Nahrung war die Rede. Gestern vor Gericht legte der 59-Jährige ein weitgehendes Geständnis ab.

Der überfallene Apotheker schilderte gestern die Tat aus seiner Sicht: Er hatte an jenem 28. März 2011 dem Mann mit Helm, Brille und Regenponcho die Tür geöffnet. Plötzlich blickte er in die Mündung einer silbernen Pistole und bekam die Anweisung „Hände hoch, auf den Boden legen, Hände auf den Rücken“. Die Reaktion des 57-Jährigen: „Ich war perplex und fassungslos. Dann wurde mir klar: Es wird jetzt ernst.“ Der Täter drängte sein Opfer in das Esszimmer und zwang es, sich nieder zu knien. Der Geschädigte gehorchte zunächst. Dann sei er wütend geworden: „Ich habe gedacht, der erniedrigt mich hier, und ich kann gar nichts machen.“ Er sei dann hoch gesprungen, habe gerufen: „Was willst Du überhaupt hier?“ und sei Hilfe rufend aus dem Haus gelaufen. Ein Nachbar habe sein Schreien gehört und die Polizei verständigt.

Als die Polizei kam, war der 59-Jährige längst geflüchtet, marschierte zu Fuß die ganze Nacht hindurch Richtung Heimat. Auf dem Weg warf er Utensilien wie Helm, Tasche, den geladenen Schreckschussrevolver und das Handy in einen Teich. Doch die Polizei fand die Gegenstände. Über die daran haftenden DNA-Spuren kamen die Ermittler der Kripo Mühldorf dem vor allem wegen Drogendelikten vorbestraften 59-Jährigen schließlich auf die Spur.

Der Apotheker und seine Frau haben die Geschichte folgenlos überstanden. In einem Brief aus dem Gefängnis – wie gestern auch mündlich – entschuldigte sich der 59-Jährige für seine Tat „aus Verzweiflung und Liebe“. Er beteuerte, er habe die Stadträtin zwar fesseln, sie aber nie in eine Kiste sperren, sondern in seiner Lagerhalle zwischen Gangkofen und Eggenfelden in einer kleinen fensterlosen Kammer festhalten wollen. In knapp fünf Jahren, wenn er wieder in Freiheit ist, will er in Thailand in ein Kloster gehen – mit seiner Frau in der Nähe.

Von M. Kretzmer-Diepold

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