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Warten auf bessere Zeiten: Ein Inder, der eigentlich nach Kanada will, harrt am Flughafen München auf einem Feldbett aus. Im Hintergrund gibt eine Lufthansa-Mitarbeiterin einer Passagierin Auskunft.

Gestrandete Fluggäste: „Wann geht es wieder weiter?"

München - Der Flughafen München ist normalerweise ein Ort des geschäftigen Treibens. Doch wegen der Asche-Wolke herrscht seit Freitagabend Stillstand. Nur eine Handvoll Menschen hält die Stellung - in der Hoffnung, dass sie bald zu ihren Zielen aufbrechen können.

Der Inder sitzt auf der weißen Pritsche, er reibt sich die müden Augen und hat es aufgegeben, zu den Anzeigetafeln in der Abflughalle zu schauen: Die zeigen nun schon seit Freitagabend immer die selbe Nachricht: „Annulliert." Auf die Frage, woher er kommt und wohin er will, nickt er nur - er versteht kein Englisch und hofft vermutlich inständig, dass er so bald wie möglich seine Weiterreise antreten kann. Er ist einer der wenigen, die am Airport Stellung halten. Nur ein paar Feldbetten um ihn herum sind belegt: Während in der Nacht zum Samstag alle 700 zur Verfügung gestellten Pritschen benützt wurden, verbrachten die Nacht auf Sonntag etwa 60 gestrandete Passagiere auf den Provisorien. Der Rest hat sich auf dem Landweg zum jeweiligen Ziel aufgemacht - oder ein bequemes Hotelbett ergattert.

Vulkan-Asche: Passagiere sitzen am Münchner Flughafen fest

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Wer jetzt noch im Terminal ausharrt, hält auf eigenen Wunsch Stellung. Barbara Rittberger, Sprecherin von Lufthansa, weiß beispielsweise von etwa einem Dutzend Asiaten, die auf die Vermittlung eines Hotelzimmers verzichtet haben - um vor Ort zu sein, wenn der erste Flieger in Richtung USA starten kann. Die Fluggesellschaft habe ansonsten für Übernachtungsmöglichkeiten gesorgt, auch die Flughafen München GmbH (FMG) berichtet, dass alle Zimmeranfragen erfüllt werden konnten. Die Lufthansa hat zudem mehrere Busse nach Großbritannien geschickt.

Bis auf die Gestrandeten und ein paar Service-Mitarbeiter, die die Fluggäste mit Essen, Getränken und auch Kleidung versorgen, ist der Airport menschenleer. Die weitläufigen Hallen des Flughafens im Erdinger Moos, in denen sonst Hektik herrscht, sind gespenstisch verlassen. Die Stühle in den Restaurants sind unbesetzt, niemand steht an den Schaltern der Airlines an, in den Geschäften im Zentralbereich ist keine Kundschaft zu sehen. Nur ab und an nützen Flughafen-Mitarbeiter die Gunst der ruhigen Stunde, um Einkäufe zu erledigen - oder Passagiere kaufen sich ein frisches T-Shirt. „Alle Läden sind geöffnet", sagt FMG-Sprecher Peter Prümm. Das sei eine Service-Leistung des Flughafens. Geschäft freilich machten die Betreiber kaum. Die Taxi-Stände im Außenbereich sind ebenfalls verwaist - dort tobt normalerweise der Kampf um die Fahrgäste.

Nur vor den Service-Schaltern der Deutschen Bahn und der Lufthansa bilden sich auch am Sonntag noch Schlangen: Die einen geben das Warten auf die Freigabe auf und steigen am dritten Tag der Sperrung doch noch auf die Bahn um. Andere, die im Umkreis oder in der Stadt übernachtet haben, setzen sich in die - ungewohnt leere - S-Bahn und stellen sich in die Reihe, um sich zu erkundigen: „Wann geht es wieder weiter?" Diese Frage bekommen auch die Mitarbeiter der personell verstärkten Telefonzentrale häufig zu hören.

Am Abend entschied ein Krisenstab, dass der Flughafen heute bis mindestens 14 Uhr geschlossen bleibt - zumindest für Starts. Falls sich kurzzeitig Lücken in der Aschewolke ergeben sollten, könnten „unter Umständen" Landungen ermöglicht werden.

Carina Lechner

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