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Gesucht: Neuer Name für die Kaserne

Bad Reichenhall – Die General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll umbenannt werden, hieß es bereits im April – Konrad war bekennender Nationalsozialist und General Hitlers. Doch bislang ist noch nicht viel passiert.

Ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich kann Tradition nicht begründen. So klar und einfach formuliert steht es auf der Homepage der Bundeswehr. Es ist ein Ausschnitt aus dem aktuell gültigen Traditionserlass von 1982, den der damalige SPD-Verteidigungsminister Hans Apel als Grundlage für die Identität der Bundeswehr festlegte. Er dient als Richtlinie für das Traditionsverständnis innerhalb der Streitkräfte. Ein Blick nach Bad Reichenhall lässt an dem Erlass aber leise Zweifel aufkommen.

Die Bad Reichenhaller Gebirgsjägerkaserne trägt seit den 1960er-Jahren den Namen Rudolf Konrads, einem General des NS-Regimes, einem Judenhasser und bekennenden Verehrer Adolf Hitlers. Doch das soll sich bald ändern. Der CSU-Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt hat eine Änderung des Namens angekündigt. Das war im April, kurz nachdem klar wurde, dass die Kaserne nicht der Bundeswehrreform zum Opfer fällt. Bislang hat man sich im Verteidigungsministerium jedoch noch zu keiner neuen Bezeichnung durchgerungen. Ein Vorschlag aus Bad Reichenhall sei bislang eingegangen, man wolle die Soldaten in die Namensdiskussion einbeziehen. „Der Antrag auf Neubenennung wird derzeit geprüft“, heißt es auf Anfrage in Berlin. Ein Widerstandskämpfer als Namenspatron war eine Zeit lang im Gespräch. Ein Bundeswehr-Sprecher sagte jedoch hinter vorgehaltener Hand, dass der neue Name für die Reichenhaller Kaserne sich an dem Gelände dort orientieren könnte. Königssee-Kaserne? Watzmann-Kaserne? Das bleibt vorerst ein Geheimnis.

Bereits 1995 wurden zwei bayerische Gebirgsjägerstandorte umbenannt. Die Kübler-Kaserne in Mittenwald wurde zur Karwendel-Kaserne, die Dietl-Kaserne in Füssen zur Allgäu-Kaserne. Beide trugen jahrzehntelang die Namen hoher und nationalsozialistisch belasteter Wehrmachts-Offiziere.

Warum aber dauerte es weitere 17 Jahre, ehe man sich in Berlin Gedanken um die General-Konrad-Kaserne machte? Konrad wird von Historikern für sein hartes Vorgehen gegen Partisanen kritisiert. Aus dem Bundesverteidigungsministerium gibt es darauf keine Antwort. Man stellt dazu lediglich fest: „Die Namensgebung der General-Konrad-Kaserne ist seit einiger Zeit Gegenstand öffentlicher Diskussionen.“ Prinzipiell gebe es nach der Umstrukturierung der Bundeswehr viele Überlegungen zur Neubenennung von Kasernen. Das Verteidigungsministerium will erreichen, „dass wichtige Namensgebungen nach Aufgabe von Liegenschaften der Bundeswehr fortgeführt werden.“ Wann dieser Prozess aber abgeschlossen werden könne – unklar.

In Mittenwald diente 1995 als wissenschaftliche Grundlage für die Umbenennung der Kübler-Kaserne ein Gutachten des bundeswehreigenen Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. In dem war unter anderem von einer positiven Einstellung Küblers zum Nationalsozialismus die Rede.

Von Patrick Wehner

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