Ein Tierarzt hört einem Kalb die Lunge ab. Im Krankheitsfall werden die Infos in einer Datenbank gespeichert. fkn

Projekt soll Arznei-Einsatz reduzieren

Gesündere Kühe dank Datenbank

München - Bayerns Kühe sollen gesünder werden. Mit tiergerechten Ställen und Medikamenten. Und: mit einer Online-Datenbank. Eine solche hat der Freistaat jetzt eingerichtet.

Alle Daten, die eine Kuh liefern kann, werden dort gesammelt. Einen ersten Testlauf gab es bereits.

Siegfried Moder aus Steingaden (Kreis Weilheim-Schongau) bekommt an einem Morgen einen verzweifelten Anruf. Ein Bauer hat eine kranke Milchkuh im Stall. Wahrscheinlich eine Euterentzündung. Bevor Moder hinfährt, wirft er einen Blick in die Patientenakte der Kuh. Dabei blättert er nicht in Papier, sondern klickt sich durch eine Online-Datenbank. Und er sieht: Die Kuh hatte diese Entzündung schon öfter und immer war der gleiche Erreger schuld. Moder weiß jetzt genau, wie er behandeln muss.

Genau zu diesem Zweck hat das bayerische Landwirtschaftsministerium 760 000 Euro in die Hand genommen und ein neues Projekt gestartet: Die Datenbank „Pro Gesund“. In sie können Tierärzte nach Absprache mit den Bauern die Diagnosen, die sie bei Milchvieh stellen, einpflegen. Das Programm ist ganz neu, noch haben sich keine Landwirte angemeldet. Einen Testlauf gab es aber schon. Und Tierarzt Moder hat gemeinsam mit Bauern aus Böbing, Steingaden, Wildsteig (Landkreis Weilheim-Schongau) und Bad Bayersoien (Kreis Garmisch-Partenkirchen) teilgenommen.

Der Steingadener war an der Entwicklung gemeinsam mit anderen Tierärzten, Wissenschaftlern und dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung beteiligt. Betreut wird das Projekt von Kai-Uwe Götz, dem Leiter des Instituts für Tierzucht. Seine Ziele: Das Milchvieh in Bayern soll gesünder werden – und zwar möglichst ohne Medikamente. Durch die Datenbank gelinge es, alle Daten über das bayerische Milchvieh zu sammeln: Die Milchdaten seiner Kühe muss jeder Bauer ohnehin bei der Leistungsprüfung liefern. Jetzt können noch alle Krankheiten, die die Kuh je hatte, hinzukommen – wenn die Bauern mitmachen.

Sinnvoll wäre es für sie, so Götz. „Die Milchbauern können ihre Daten aufrufen und überprüfen.“ Mit dem Tierarzt könne dann festgestellt werden, ob es Probleme gibt. „Ich kann eine negative Entwicklung sofort erkennen“, sagt Moder. Und: Ändere er dann mit dem Bauern etwas am Futter oder an der Haltung, könne er verhindern, dass der Kuh Antibiotika gegeben werden müssten. Weniger Medikamente – das käme auch beim Verbraucher gut an, meint Moder.

Kai-Uwe Götz vom Tierzucht-Institut hofft, dass sich bis zum Jahr 2014 rund 3000 Betriebe in die Datenbank aufnehmen lassen. Die Chancen stünden gut: „Die Reaktionen von den Verbänden waren positiv.“ Es habe zwar datenschutzrechtliche Bedenken gegeben, doch die könne er zerstreuen: „Die Daten sind absolut sicher.“

Im Landkreis Weilheim-Schongau haben sich zehn Betriebe vom Nutzen der Datenbank schon überzeugen können. „Das Verhältnis zwischen den Bauern und mir hat sich intensiviert“, sagt Moder. Den größten Nutzen hätten aber die Tiere: „Kein Bauer lässt seine Kühe gerne leiden.“

Agrarminister Helmut Brunner betonte, dass Bayern durch Forschungsvorhaben und zielgerichtete Fördermaßnahmen die Haltungsbedingungen für die Tiere weiter verbessern wolle. Mit „Pro Gesund“ könne der Einsatz von Antibiotika weiter verringert werden. „Mir geht es dabei vor allem um Anpassungen, die von der Gesellschaft akzeptiert werden, in der Praxis umsetzbar sind und eine wirtschaftliche Nutztierhaltung in Bayern auch künftig ermöglichen.“ Tierhaltung sei schließlich das zentrale wirtschaftliche Standbein der bayerischen Landwirtschaft.

Veronika Stangl

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