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Unfaire Entscheidung? Immer mehr Schiedsrichter werden von aggressiven Spielern und Zuschauern attackiert.

Wenn Unparteiische zur Zielscheibe werden

Gewalt auf dem Fußballplatz: Das berichten Referees

München - Wut, Aggressionen und Gewaltattacken auf dem Fußballplatz: In Dachau haben zwei Unparteiische deshalb das Handtuch geworfen. Viele Schiedsrichter haben Verständnis und berichten über weitere Gewaltattacken.

Auch das jüngste Spiel der Bayern-Reserve gegen den SV Heimstetten, zeigt, wie sich die Wut von Spielern und Fans gegen die Schiedsrichter wenden kann. Eine rote Karte, zwei nicht gegebene Abseitstreffer – schnell kippte die Stimmung auf dem Fußballplatz. Bayern-Fans traten gegen Absperr-Banden, ein Becher flog auf das Spielfeld, Bayern-Fans beschimpften wüst den Schiedsrichter. Während es bei diesem Heimspiel von Bayern II nicht zu Gewaltattacken gegen die Unparteiischen kam, wissen Referees aus den Landkreisen noch von weiteren Ausschreitungen zu berichten.

Seit zehn Jahren steht etwa Michael Stahl, Vize-Obmann der Schiedsrichtergruppe Fürstenfeldbruck/Ammersee, auf dem Platz und hat dabei einiges erlebt: Einmal wurde ein Schiedsrichter nach einem Spiel in der Kabine von einem Spieler verprügelt, ein anderes Mal wurde ein 19-jähriger Referee bei einem Bezirksligaspiel bewusstlos geschlagen – weil er die Rote Karte gezückt hatte. Schiris werden mit Bierbechern beschmissen oder ihre Autos zerkratzt. Die Liste an aggressivem Verhalten ist lang.

Dennoch hat Stahl für den Rücktritt der kompletten Schiri-Vorstandschaft in Dachau nicht viel Verständnis. „Davonlaufen ist keine Lösung“, sagt er. Michael Stahl wünscht sich härtere Strafen.

 „Ich hoffe, dass der Verband mal endlich aufwacht und merkt, was in den Gruppen abgeht“, lautet dagegen der Kommentar von Robert Hartl (Moorenweis), Schiedsrichter und Beisitzer der Schiedsrichtergruppe Ammersee/Bruck. Die psychische Belastung für die Schiedsrichter werde immer größer: Viele Jugendliche seien respektlos gegenüber Erwachsenen und hätten keine Umgangsformen, weiß Hartl zu berichten. Für ihn auch ein Grund, warum es immer weniger aktive Schiedsrichter gibt: „Viele haben einfach keinen Bock mehr.“

Schiedsrichter-Obmann Benjamin Heigl aus Freising ist auch manchmal frustriert: "Wir Schiedsrichter fühlen uns vom Verband im Stich gelassen", sagt er im Interview. Er kritisiert außerdem, dass es den Spielern an Integrationsbereitschaft fehle. "Ich meine hier nicht die Integration von ausländischen Mitbürgern in die Gesellschaft, sondern die Integration in den Fußballsport. Das betrifft alle und hat überhaupt nichts mit Herkunft oder Nationalität zu tun." Wenn ein Spieler nicht bereit sei, sich einzubringen und so zu integrieren, wie es in einem funktionierenden Team nötig ist, dann habe er oder sie auf dem Fußballplatz nichts verloren.

Andreas Hitzlsperger, Vize-Obmann der Gruppe Dachau, zieht Konsequenzen aus den jüngsten Ereignissen. "Ich werde zwar noch weiter pfeifen, werde mich aber als Schiedsrichter von den Spielen bestimmter Vereine befreien lassen", sagt Hitzlsperger. Im Mai musste er von acht Männern des Ordnungsdienstes vom Platz begleitet werden. "Mir wurde angedroht, dass mir das Haus angezündet wird. Solche Vereine pfeife ich einfach nicht mehr."

Von  Meinungsverschiedenheiten und Beleidigungen unter der Gürtellinie können auch die Trainer und  Unparteiischen der Gruppe Bad Tölz ein Lied singen. Ein besonders übles Erlebnis hatte Hans Staar vor knapp zwei Jahren. Bei einem Hobby-Turnier ginge es Verbal und körperlich weit über die Grenzen des Erlaubten hinaus. „Die haben sich auf die Socken geklopft, dass die Knochen geknackt haben. Diese Hobby-Kicker hatten einen völlig überzogenen Ehrgeiz, dafür ein ausbaufähiges Sozialverhalten“, erzählt der Referee.

„Die Aggressivität hat schon zugenommen, allerdings eher verbal“, sagt Michael Kögel, Obmann der Schiedsrichtergruppe Schongau. Im Vergleich zu anderen Fußballregionen geht es im Landkreis Weilheim-Schongau und im gesamten Zugspitzkreis eher ruhig zu. „Wir leben quasi in einer heilen Welt“, betont Kögel.

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