Gewalt gegen Sanitäter - BRK erwägt Schutzwesten

München - Immer öfter sind Sanitäter Opfer von Übergriffen, etwa nach Schlägereien. In Nürnberg tragen mittlerweile fast 50 BRK-Helfer Schutzwesten. Die Organisation denkt darüber nach, sie landesweit einzuführen.

Schutzwesten für Rettungssanitäter gehören beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) womöglich schon bald zur Grundausstattung. “Wir überlegen, ob Stichschutzwesten Bestandteil unseres Ausrüstungsprogramms werden“, sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Hilfsorganisation reagiert damit auf die wachsende Zahl von Übergriffen auf ihre Mitarbeiter.

Vor allem in Großstädten nimmt die Gewalt gegen Sanitäter bei Einsätzen zu - etwa nach Schlägereien. In Nürnberg tragen mittlerweile fast 50 Sanitäter Schutzwesten, wie die “Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) berichtete. Zunächst müssen sie die rund 100 Euro teure Weste selber zahlen. Der BRK-Kreisverband Nürnberg will seinen Mitarbeitern die Kosten aber erstatten. Allein in der fränkischen Großstadt hat es in den vergangenen sieben Monaten 70 Gewalttaten gegen Helfer gegeben.

Noch tragen lediglich BRK-Mitarbeiter in Nürnberg Stichschutzwesten. Doch Stärk will schon bald mit den bayerischen Krankenkassen - quasi Auftraggeber für den Rettungsdienst - darüber reden, ob sie die Kosten für die Schutzkleidung übernehmen. “Mit geht es um die Sicherheit der Mitarbeiter““, erläuterte der BRK-Landesgeschäftsführer. Die Übergriffe reichten von Rempeleien über Bisse bis hin zur Bedrohung mit Schusswaffen.

Landesweit erfasst das BRK die wachsende Zahl von Angriffen auf seine Sanitäter bisher nicht. “Aber wir überlegen, darüber künftig Buch zu führen“, sagte Stärk weiter. Der Geschäftsführer warnte jedoch davor, das Thema überzubewerten. “Es gibt auch erklärte Gegner, die sagen, dass das Tragen derartiger Schutzwesten tätliche Angriffe erst provoziert.“ Das BRK werde dazu den Rat von Konfliktwissenschaftlern einholen. “Die Diskussion sollte nicht in emotionaler Hysterie enden.“

Das BRK beschäftigt landesweit knapp 4000 hauptamtliche Mitarbeiter im Rettungsdienst. Noch einmal so viele sind ehrenamtlich im Sanitätsdienst tätig.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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