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Auch beim Relegationsspiel Hertha BSC Berlin gegen Fortuna Düsseldorf kam es jüngst zu Ausschreitungen.

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Gewalt im Stadion: Was tun, wenn’s brennt?

München - Joachim Herrmann und die Prominenz der bayerischen Fußballszene trafen sich zum Sicherheitsgipfel. Es ging um Gewalt in den Stadien. Über vieles wurde gesprochen, beschlossen wurde wenig.

Das Chaos bricht aus, als der Schiedsrichter das Relegationsspiels zwischen Regensburg und Karlsruhe abpfeift. Mehrere hundert frustrierte Anhänger des KSC stürmen das Spielfeld, überrennen die Ordner. Sie schmeißen Bierflaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten, prügeln sich mit anderen Fans. Sie verbreiten stundenlang Angst und Schrecken im Karlsruher Wildparkstadion. 76 Menschen werden verletzt, darunter 18 Polizisten.

„Solche Bilder schaden dem Ansehen das Fußballs“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München. Ausschreitungen wie diese, gelte es im Interesse aller Beteiligten zu vermeiden. Herrmann traf sich gestern mit allen wichtigen Akteuren des bayerischen Fußballs, unter anderem den Vertretern der sieben Erst- und Zweitligavereine des Freistaats – darunter Franz Mageth als Vizepräsident der des TSV 1860 München und der Finanzchef des FC Bayern, Karl Hopfner. Thema war die Sicherheit in den bayerischen Stadien.

Sie sprachen über den Einsatz von mehr Ordnern, über das konsequente Vorgehen gegen gewalttätige Stadionbesucher, über eine Ausweitung der präventiven Fanprojekte. Stadionverbote sollen noch konsequenter durchgesetzt, das Abfeuern von Pyrotechnik unter keinen Umständen hingenommen werden. Wie genau das alles in die Tat umgesetzt soll und wer die Kosten dafür trägt, blieb gestern unklar. Herrmann verwies auf ein Treffen des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) mit dem DFB und der DFL am 17. Juli. Da werde man sich Herrmann zufolge noch einmal zusammensetzen und alles besprechen.

Sehr konkret hingegen waren die Zahlen, die das Innenministerium vorlegte. So kam es bei 181 Spielen, die die bayerische Polizei vergangene Saison betreute, zu 132 Störungen. Insgesamt gab es dabei 832 Strafanzeigen, 64 Polizeibeamte wurden verletzt. Die Zahl der Einsatzstunden stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent. „Die Ultra-Gruppierungen reagieren zunehmend aggressiv und gewalttätig gegenüber Ordnungsdiensten und Polizei“, sagte Joachim Herrmann. Dem harten Kern, den Hooligans, rechnet das Ministerium 150 Personen zu, der Problemfanszene 1100.

Bei dem Treffen im Innenministerium wurde zwar nicht viel beschlossen, aber vieles ausgeschlossen. Wie etwa das Verbot von Stehplätzen in den Stadien – und die Beteiligung der Vereine an den polizeilichen Einsatzkosten. Ein Stehplatzverbot wäre „völlig überzogen“, sagte Herrmann, und „die öffentliche Sicherheit ist Aufgabe der Polizei“. Diese müsse eben auch in den Stadien gewährleistet werden. Außerdem fehle die Rechtsgrundlage für eine solche Umlegung der Kosten. Auch Rainer Koch, der Präsident des bayerischen Fußballverbands, hält eine finanzielle Beteiligung an den Polizeieinsätzen für ausgeschlossen. „Die höheren Einnahmen für die Fernsehübertragungen bedeuten auch höhere Steuereinnahmen für den Staat“, sagte Koch. Soll heißen: Der Fußball zahlt bereits genug.

Dieses Argument lässt Siegfried Benker, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, jedoch nicht gelten. Er fordert eine Beteiligung der Fußballverbände an den Kosten der Polizeieinsätze. Das Bezahlen einer Gebühr an Rettungsdienste sei schließlich auch üblich. „Da wird Geld ohne Ende verdient, und die Länder sitzen auf den Polizeikosten“, schimpfte Benker.

Er schätzt, dass diese die Staatskasse bundesweit und jährlich mit rund 100 Millionen Euro belasten. Benker bezeichnete den Sicherheitsgipfel als „Selbstbeklatschung vor der Sommerpause“. Keine der beiden Polizeigewerkschaften in Bayern war zu dem Treffen im Ministerium eingeladen.

Patrick Wehner

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