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Spaenle und Seehofer: Diese beiden Herren sind für das G9. Die CSU-Fraktion zaudert.

WIE GEHT ES MIT DER MITTELSTUFE PLUS WEITER?

Gezerre um G9: 47 Gymnasien in der Warteschleife

47 Gymnasien warten dringend auf eine Entscheidung. Sie wollen wissen, ob sie einen Schulversuch, die Mittelstufe plus, auch im nächsten Schuljahr anbieten können. Doch wegen des Gezerres um das G9 werden sie vom Kultusministerium ein ums andere Mal vertröstet.

Miesbach/RegensburgRainer Dlugosch klingt entnervt. „Ich habe aufgehört, im Ministerium nachzufragen“, sagt der Schulleiter des Gymnasiums Miesbach. Die Situation sei „nicht planbar“, er warte täglich auf eine Entscheidung. Ähnlich der Schulleiter des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums Regensburg, Clement Utz: Man könne „leider immer noch nicht sagen, ob wir die Mittelstufe plus für den Jahrgang Ihres Kindes einrichten können oder nicht“, heißt es einem Elternbrief von vergangener Woche. Man müsse die Eltern „vorwarnen“, „um über Alternativen zu sprechen“.

Die Mittelstufe plus – da war doch was. 47 Gymnasien in Bayern, unter anderem auch in Geretsried, Puchheim und Miesbach, starteten vor zwei Jahren den Versuch, den Schülern über eine um ein Jahr verlängerte Mittelstufe Entlastung zu verschaffen. Die Jahrgangsstufen acht bis zehn werden in vier statt in drei Jahren absolviert, es gibt kaum noch Nachmittagsunterricht. Der Versuch kam eigentlich gut an, im Schnitt entschieden sich 60 Prozent aller Siebtklässler für die verlängerte Mittelstufe. An Dlugoschs Gymnasium wurden drei „verlängerte“ Klassen gebildet, nur eine verblieb im G8. Trotz der guten Resonanz gilt der Versuch aber als schulorganisatorisch kompliziert und deshalb nicht als maßgeblicher Reformansatz für das Gymnasium. Eigentlich alle Versuchsschulen, so ist zu hören, würden aber zumindest so lange weitermachen, bis das G9 endlich kommt. „Die Mittelstufe plus hat sich bewährt“, sagt Dlugosch. Er schränkt freilich ein: „Aber die Rückkehr zum G9 gefiele mir natürlich viel besser.“ Eigentlich wäre es längst Zeit, die Eltern der diesjährigen Siebtklässler zu informieren, mahnt der Schulleiter. Sie bräuchten schließlich etwas Bedenkzeit, ob sie ihr Kind in dem auch „G9 light“ genannten Versuch anmelden wollen.

Offizielle Marschroute des Kultusministeriums ist es indes, die Entscheidung über das G9 und die Mittelstufe plus gleichzeitig zu verkünden. Welchen Weg das Ministerium einschlagen will, verraten seit Ende vergangener Woche die Antworten auf den Fragenkatalog der CSU-Landtagsfraktion. Das Konzept „Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums“ liegt unserer Zeitung vor, es enthält auf einer Seite auch die weitere Vorgehensweise zur Mittelstufe plus. Demnach endet die zweijährige Pilotphase der Mittelstufe plus am Ende dieses Schuljahres. Um bis zur geplanten Einführung eines G9 ab dem Schuljahr 2018/19 (dann mit 5. und 6. Klassen gleichzeitig) an den Versuchs-Gymnasien keine Lücke bei der verlängerten Lernzeit entstehen zu lassen, schlägt das Kultusministerium vor, „die Pilotphase unter Beibehaltung der bisherigen Rahmenbedingungen um drei Jahre zu verlängern“, also bis zum Ende des Schuljahres 2019/20. Voraussetzung sei die erneute Zustimmung der Sachaufwandsträger, also in der Regel der Landkreise.

Dlugosch könnte mit dem vorgeschlagenen Weg leben, auch wenn er dann an seinem Gymnasium eine Zeit lang drei verschiedene Schulformen hätte: das G8, das G9 und eben die verlängerte Mittelstufe. Das Konzept des Kultusministeriums ist freilich noch kein Regierungsbeschluss, der erst im April erwartet wird. Solange müssen die Versuchsgymnasien noch warten.

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