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Risiko-Fahrzeug? Ein Auto überholt einen Riesen-Lkw, der 25,25 Meter lang ist. Ein herkömmlicher Lkw misst nur 18,75 Meter.

Protest nimmt zu 

"Gigaliner": Schlechte Aussichten für Riesen-Lkw

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München/Berlin - Der Protest gegen Riesen-Lkw („Gigaliner“) nimmt zu. Die SPD hat sich im Bund auf ein Nein festgelegt und könnte damit die flächendeckende Zulassung der XXL-Brummis blockieren. Bayern hält sich bedeckt.

Das größte an dieser Demo war der Lkw: 25,25 Meter – sieben Meter mehr als normal – maß der Gigaliner, den die „Allianz pro Schiene“ zusammen mit der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft und alternative Verkehrsclubs gestern in Berlin vor dem Brandenburger Tor platziert hatte. Der Lastwagen sollte veranschaulichen, welche Ungetüme da künftig Deutschlands Straßen bevölkern könnten. „Gigaliner sind verkehrspolitisch der falsche Weg“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker im Bundestag, Martin Burkert, der an der Demo teilnahm.

Die Liste seiner Argumente ist lang: Sicherheitsprobleme beim Überholen sowie Bröckelgefahren bei Brücken und Straßen, aber auch zu kurz ausgelegte Rastplätze an Autobahnen führt Burkert an. Vor allem aber zitiert er aus einer Studie der TH Wildau und der TU Berlin, die von der „Allianz pro Schiene“ in Auftrag gegeben worden war. Demnach würden durch die Zulassung von Riesen-Lkw pro Tag 7000 zusätzliche Lkw-Fahrten ausgelöst. Auch die Eisenbahner-Gewerkschaft EVG ist gegen Gigaliner: Die Lastwagen-Branche bekomme sonst wettbewerbsverzerrende Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent, der Gütertransport auf der Schiene werde hingegen benachteiligt. Die Deutsche Bahn äußert sich hingegen offiziell nicht – aus Furcht, den Bundesverkehrsminister zu desavouieren.

Denn es gibt auch Befürworter der Riesen-Lkw: Wirtschaftsverbände trommeln dafür, auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich im Juli öffentlich festgelegt: Ziel sei es, „mit den Lang-Lkw in den Regelbetrieb zu gehen“.

Dabei läuft offiziell noch bis Ende 2016 ein Feldversuch: Bundesweit 46 Unternehmen, zwölf davon aus Bayern, testen insgesamt 126 Fahrzeuge. Sie dürfen allerdings nur 10 000 genau definierte Kilometer Straßen nutzen. Einige Bundesländer, etwa Rheinland-Pfalz und Brandenburg, haben gar keine Strecken für die Gigaliner freigegeben. In Bayern sind 3500 Kilometer für die XXL-Trucks freigegeben. Unter anderem steuern Gigaliner seit 2012 das Edeka-Lager in Penzberg an – da die Riesen-Laster nicht über lokale Straßen fahren dürfen, werden die Anhänger auf einem Parkplatz an der Garmischer Autobahn A95 umgekoppelt.

Größere Sicherheitsrisiken durch Lang-Lkw sind bisher nicht bekannt. Ein Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen verzeichnete bis April 2014 nur fünf leichte Unfälle mit den Ungetümen. Das bayerische Innenministerium will den Feldversuch abwarten, ehe es ein Fazit zieht.

Dennoch dürfte es für Dobrindt schwer sein, seine Absichtserklärung umzusetzen. Denn im Berliner Koalitionsvertrag ist ausdrücklich festgelegt, dass der Feldversuch ergebnisoffen abgewartet wird. Erst danach wollen die Koalitionäre beraten, ob die Zulassung erteilt wird. Nach dem gestrigen Tag ist das unwahrscheinlich. „Da sehe ich momentan nur vage Chancen“, sagt der Nürnberger SPD-Politiker Martin Burkert, der auch die bayerische SPD-Landesgruppe im Bundestag führt. Er hat dabei auch den Bayerischen Gemeindetag auf seiner Seite, der von Anfang dagegen war: „Unsere Straßen und Kreisverkehre sind nicht für diese großen Lkw ausgelegt“, sagt Verkehrsexpertin Cornelia Hesse. Am Ende drohten 60-, nicht die bisherigen 40-Tonner. „Wir lehnen das klar ab.“

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