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Nicht zu übersehen: Die Lang-Lkw messen 25,25 Meter. 80 dieser Fahrzeuge sind zu Testfahrten auf deutschen Straßen unterwegs.

Umstrittene Riesen-Laster

Freie Fahrt für Gigaliner? Feldversuch ausgeweitet

München - Seit 2012 werden in Bayern und anderen Bundesländern Lang-Lkw getestet. Das Projekt ist umstritten, aber die Speditionen sind begeistert. Darum hat das Bundesverkehrsministerium seinen Feldversuch ausgeweitet.

Sie sind nicht zu übersehen: 25,25 Meter misst so ein Lang-Lkw, damit hat er etwa 6,50 Meter mehr als seine kleinen Brüder. Für Speditionen, die sperrige Güter wie Flugzeugteile oder Autokarosserien transportieren, ist so ein extralanger Laster ein Segen. Das zeigen zumindest die ersten Erfahrungen. „Hervorragend“, sagt Wolfgang Thoma, Geschäftsführer des Logistik-Unternehmens „Ansorge“, das vier Lang-Lkw angemeldet hat. „Sie haben alle Erwartungen erfüllt.“

Die Allgäuer Spedition ist eines von neun bayerischen Transportunternehmen, die mit 26 Lang-Lkw am Feldversuch des Bundesverkehrsministeriums teilnehmen. Deutschlandweit sind es 39 Unternehmen und 80 Fahrzeuge. Der Versuch läuft seit Anfang 2012 – nun hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ihn ausgeweitet. Dazu sagte er einigermaßen sperrig, weitere Untersuchungen lohnten.

Bundesweit sind jetzt 120 Streckenabschnitte mit 10 150 Kilometern für die überlangen Laster freigegeben. Allein in Bayern sind es 3500 Kilometer, 175 mehr als vor der Ausweitung. Die Laster dürfen nun zum Beispiel die A 3, A 7, A 45, A 70 und die A 71 komplett befahren. Auch in Oberbayern sind viele Streckenabschnitte freigegeben, unter anderem auf der A 8, der A 9 und der A 952 zwischen Starnberg und Percha. Neben den 2500 Autobahnkilometern dürfen die Lang-Lkw auch auf Bundes- und anderen Straßen fahren. Der Versuch, der von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) begleitet wird, soll schließlich ihre Praxistauglichkeit auf deutschen Straßen bewerten.

Die Lang-Lkw der Spedition „Ansorge“ pendeln vor allem zwischen ihrem Stützpunkt Biessenhofen bei Kempten und Frankfurt (A 3) sowie dem Güterbahnhof München-Riem. Hierzu müssen die Lkw unter anderem die A 96, die A 99 und die B 12 befahren. Die Erfahrungen decken sich bislang mit dem, was sich die Unternehmen und das Verkehrsministerium vorgestellt haben. Zwei Lang-Lkw, sagt Wolfgang Thoma, ersetzen drei konventionelle – und das, obwohl beide nur maximal 40 Tonnen (44 Tonnen im kombinierten Verkehr) wiegen dürfen. „Das spart uns Personal, Sprit und bringt Vorteile bei der Abwicklung.“ Zu Straßenschäden oder einem Unfall sei es noch nicht gekommen. „Keiner der Lkw hat auch nur einen Kratzer.“ Bayerns Innenministerium bestätigt das für die ganze bayerische Branche. Unfälle bei langen Überholmanövern, das war eine der Befürchtungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der die Lang-Lkw seit jeher kritisch sieht. Das scheint sich nicht bewahrheitet zu haben.

Kurt Bayer vom VCD Bayern hält trotzdem an seiner Kritik fest. Viele Verkehrspunkte, etwa Kreisverkehre, seien für diese Größen nicht ausgelegt. „Das wird dann einfach verschwiegen.“ Nun ja, nicht ganz. Marco Irzik, der den Lkw-Versuch bei der BASt betreut, sagt: „Es gibt Knotenpunkte im Bestand, die nicht dem Idealbild entsprechen.“ Was das für die Bewertung der Lang-Lkw bedeutet, darüber schweigt er noch.

Branchenverbände bestätigen, dass die Rückmeldungen aus allen Test-Unternehmen positiv sind. In der Meinung der Bevölkerung spiegelt sich das nicht wider. Eine aktuelle Forsa-Umfrage belegt, dass 79 Prozent der Deutschen und 74 Prozent der Bayern gegen die Zulassung von Lang-Lkw sind – mehr als 2011. Damals waren bundesweit 77 Prozent dagegen. Der Feldversuch wird noch bis 31. Dezember 2016 laufen. Eine erste Zwischenbilanz soll es aber noch im Laufe dieses Monats geben. Die wird aller Voraussicht nach positiv ausfallen. Viele Unternehmen hoffen darauf. Wolfgang Thoma fordert es ein. „Die Luftfahrtindustrie hat den A 380 ohne großes Aufhebens bekommen. Wir wollen den Lang-Lkw.“

Marcus Mäckler

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