Gin Tonic erfreut sich anhaltender Beliebtheit und der Trend treibt seltsame Blüten. (Symbolbild)
+
Gin Tonic erfreut sich anhaltender Beliebtheit und der Trend treibt seltsame Blüten. (Symbolbild)

World Spirits Award

Besonderer Herstellungsort und mehrfach ausgezeichnet: Gins aus Bayern gehören zu den „allerbesten der Welt“

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
    schließen

Einige der besten Gins der Welt stammen aus einer Garage in Bayern. Was macht den Wacholderschnaps so besonders und welche Sorten sind besonders gut?

Neu-Ulm - Frank Steinle hatte - so berichtet die Augsburger Allgemeine - lange nicht viel mit Gin zu tun, außer, dass er gern mal einen Gin Tonic trank, wenn er als DJ auflegte. Bis er eine 0,5-Liter-Mini-Destillieranlage geschenkt bekam. Die Idee war vor rund fünf Jahren und nach einigem Experimentieren geboren, einen eigenen Schnaps zu entwerfen und zu vermarkten. Steinle erzäjhlt: „Nach dem die erste Flasche abgefüllt war, hat mir ein Freund berichtet, er habe über 700 Flaschen Gin zu Hause - aber dieser sei einfach herrlich.“

Auf dieses Erlebnis geht der Name einer Erfolgsrezeptur, der des Herrlich Blue Magic Gins, zurück. Über vier Jahre später hat sich Steinle mit seiner nach eigenen Angaben wohl kleinsten Destillerie Deutschlands längst auf dem Markt etabliert. Seit Montag, 20. März, kann der Brenner aus Neu-Ulm* nochmal ein Stückchen stolzer sein: Sechs seiner Gins aus dem Haus „Château Steinle Manufaktur“ wurden beim „World Spirits Award“, der als inoffizielle Weltmeisterschaft in der Schnapsbrenner-Branche gilt, ausgezeichnet - fünf mit Gold, einer mit Silber.

Steinle wälzte Bücher, besuchte einen Brennlehrgang in Österreich* und ließ sich in Tirol eine verhältnismäßig kleine Destillieranlage bauen. Anschließend flieste er seine Garage und besorgte sich die notwendigen Genehmigungen, berichtet die Augsburger Allgemeine weiter. Das Startkapital für seine Garagenproduktion habe sich Steinle via Crowdfunding besorgt: Nach drei Monaten in denen er seine Ideen im Internet beworben hatte, sei das Geld „überraschend üppig“ gesprudelt.

Neu-Ulm: Bayerischer Destillateur räumt bei Gin-Wettbewerb ab - eigenen Geschmack durch Handarbeit

Kurz darauf installierte der Marketingfachwirt neben der Brennanlage noch eine kleine Verkaufstheke. Dort und in einigen Märkten verkauft Steinle die „mit größter Leidenschaft von Hand gefertigten Gins“. Stolz schreibt er auf seiner Website „Mittlerweile haben wir fünf Goldmedaillen und eine Silbermedaille des offiziellen World Spirits Award für unsere leidenschaftliche Arbeit bekommen. Damit gehören wir und unsere Gins zu den allerbesten der Welt!“

Die Zielgruppe: „Alle Gin-Fans dieser Welt, die sich für handgefertigte Produkte und für besondere Spirituosen interessieren und lieber etwas Hochwertiges und Außergewöhnliches trinken, als auf industriell gefertigte Massenprodukte zurückgreifen.“ Begeistern will Steinle vor allem mit einer Produktion im hauseigenen Manufakturverfahren mit natürlichen Bio-Zutaten.

So verwendet er statt eines Alkoholdestillats aus Getreide Alkohol auf Weinbasis. Die Inhaltsstoffe beschränken sich darüber hinaus auf Wacholderbeeren und Heilkräutern. Künstliche Aromen, Färbemittel, Zusatzstoffe oder Konservierungsstoffe? Laut dem Hobby-Brenner Fehlanzeige. „Unsere Gins werden alle von Hand bei uns im Hause in unserer 120 Liter Kupferdestille destilliert und auch abgefüllt,“ heißt es weiter. Auch nachträglich chemisch oder biologisch gereinigt werden sie nicht - Filterung sei kein Qualitätsmerkmal, auch wenn es oft als solches beworben werde.

Gin-Preis für Bayern: Neu-Ulmer räumt bei Wettbewerb ab - diese Sorten sind die besten

Beim „World Spirits Award“ bewertet ein Team um Wolfram Ortner in einem 100-Punkte-System verschiedene Sorten von Alkohol in unterschiedlichen Kategorien. Der Qualitäts-Spiegel soll Anreize für Produzenten schaffen und Konsumenten überzeugen. Steinle nahm an dem Wettbewerb heuer zum dritten Mal teil, bereits vergangenes Jahr wurden vier seiner Gins geehrt. Dieses Jahr überzeugten sechs Sorten aus seiner Neu-Ulmer Garagen-Destille:

  • Ulmer Gin (Gold)
  • Herrlich Blue Magic Gin (Gold)
  • Gold ‚n‘ Black Gin (Gold)
  • Pinkcat Gin (Gold)
  • Bayerisch Gin (Gold)
  • Herrlich Gin (Silber)

Besonders stolz ist Steinle darauf, dass so viele Gins ausgezeichnet wurden: „Das ist schon ein Ritterschlag für mich.“ Auch die wahrscheinlich kleinste Destille der Welt selbst wurde mit 96 von 100 Punkten ausgezeichnet. Für die Zukunft überlegt der Brenner, der hauptberuflich eine Marketingagentur betreibt, sich geschmacklich in Richtung Haselnuss oder Wermut zu bewegen - „aber dafür fehlt mir bei so vielen Standbeinen momentan die Zeit“. Nebenbei arbeitet der Neu-Ulmer auch als Messeveranstalter für kleine Manufakturen. „Immer wieder“, erzählt Steinle, „bekomme ich auch Auftragsarbeiten, beispielsweise von Firmen für ihre Mitarbeiter“.

Zeit für Kreativität will er sich dennoch behalten: „Ich habe nicht vor, zu vergrößern.“ In seiner halben Garage sei gerade so viel Platz, dass er beschäftigt bleibt. „Und industriell fertigen möchte ich auf keinen Fall.“

Bei dem Wettbewerb nahmen heuer den Organisatoren zufolge 114 Destillerien aus 25 Nationen mit 439 Getränken teil. Mit Doppel-Gold wurden unter anderem ausgezeichnet: „Aeijst Peat Gin“ (Aeijst), „Cutura Cranberry Gin Likör“ (Distillery Cutura), „Rheinbrand Dry Gin Hemp Edition“ (Käsers Schloss) und „Gin+ Flower Edition“ (Distillery Krauss).

Trotz allem Genuss sollte Gin nur in Maßen konsumiert werden - es drohen gesundheitliche Schäden. In Bayern gibt es neben den Destillaten von Steinle noch weitere Kult-Gins. (nap) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Mehr zum Thema

Kommentare