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Nach Gletscher-Unglück in Italien: Wie ist die Gefahren-Lage in Bayern?

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Von: Felix Herz

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Ein Schild mit der Aufschrift „Gesperrt“ steht vor dem Gletscher auf der Zugspitze (Symbolbild).
Ein Schild mit der Aufschrift „Gesperrt“ steht vor dem Gletscher auf der Zugspitze (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Der Gletscherbruch in Italien kostete mindestens sieben Menschen das Leben. Das Unglück ist auch eine Folge des Klimawandels – wie sieht es in Bayern aus?

München – Schockstarre in Italien: Nicht nur eine katastrophale Dürre sucht derzeit das beliebte Urlaubsland der Deutschen heim, in den Dolomiten ereignete sich auch ein Gletschersturz. Dabei kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, acht Personen wurden verletzt. Am Mittwoch, 6. Juli, läuft immer noch die Suche nach fünf Vermissten. Experten führen das Unglück auf die steigenden Temperaturen im Rahmen des Klimawandels zurück. Steigt damit auch die Bedrohungslage in den bayerischen Alpen?

Gletscher-Unglück in Italien: Die Ursache liegt beim Klimawandel

In den Alpen zeigen sich die Folgen der globalen Erderwärmung besonders deutlich: Dem BR zufolge stiegen dort die Temperaturen in den letzten 100 Jahren um zwei Grad – seit 1970 hat sich das Klima in den Alpen um 1,8 erwärmt. Als ursächlich für das Unglück in Italien sieht auch der bekannte Extrembergsteiger Reinhold Messner den Klimawandel: „Der Hauptgrund ist die Erderwärmung und der Klimawandel. Diese fressen die Gletscher weg“, so der 77-Jährige gegenüber dem BR.

Hinzu kommt der – ebenfalls eine Folge des Klimawandels – geringe Niederschlag. So gibt es weniger Schnee, der die Gletscher vor der Sonne schützen kann. Gibt es dann noch grundsätzlich hohe Temperaturen, die auch immer normaler werden, wird es brenzlig. So erklärt der Augsburger Klimaforscher Harald Kunstmann dem BR, dass drei Wochen lang in der italienischen Region Temperaturen über null Grad herrschten und tagsüber sogar bis auf 13 Grad anstiegen.

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Klimawandel und die Folgen fürs Eis: Gefahr auch in Bayern

Natürlich habe es schon immer Bergstürze gegeben, erklärt der wissenschaftliche Koordinator der Forschungsstation Schneefernerhaus an der Zugspitze, Till Rehm, dem BR. Aber sie werden immer wahrscheinlicher, desto wärmer es wird. Und auch in Bayern verlieren die Gletscher Jahr für Jahr an Masse. Ein Gletschersturz in der Größenordnung wie der in Italien sei in Bayern aber undenkbar. Die Gletscher hierzulande seien kleiner und nicht so exponiert, so Rehm.

Dennoch ist Vorsicht angebracht, etwa im brüchigen Wettersteinkalk. Rehm rät Bergsportlern, einen Helm aufzusetzen. Gefährlich sei es auch am Höllentalferner, da sich der Gletscher zurückziehe, erklärt Rehm dem BR. Hier sei aber weniger das Problem, dass etwas abbrechen könnte, sondern die Randkluft immer größer wird. So wird es immer schwieriger, „vom Eis auf den Fels rüberzuwechseln. Und der Hauptanstieg über das Höllental, der geht einmal übers Eis und dann in die Felswand rein.“

Klimawandel in Bayern: Wann ist es zu spät? Das sagt die Forschung

Dem Augsburger Klimaforscher Kunstmann zufolge seien die Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts eisfrei. Das hätte „massive Folgen“ für Flora und Fauna. Auch Papst Franziskus meldete sich angesichts des Unglücks in Italien zu Wort: Auf Twitter schrieb er, die Menschheit müsse in Hinblick auf „Tragödien, die wir wegen des Klimawandels erleben“ umdenken. (fhz)

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