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Heike und Danny Debaets aus Tübingen, begeisterte Weltreisende, sind seit diesem Jahr auch mit dabei.

Im Mekka der Weltenbummler

Zellereit - Sie durchqueren mit ihren Vehikeln die Sahara, fahren durch die mongolische Steppe oder den Amazonas entlang. Einmal im Jahr aber zieht es abenteuerhungrige Weltreisende in ein kleines Nest, mitten in Oberbayern: Zellereit.

Wenn die beiden von ihrer „ganz großen Reise“ erzählen, bekommen sie leuchtende Augen, dann packt Heike und Danny Debaets das Fernweh. Wie lange es auf Tour gehen soll? „So lange, wie es eben dauert“ sagt der Tübinger und seine Frau nickt. Beide sind 47 und erfolgreiche Manager in der Medizintechnikbranche. Irgendwann aber wollen sie „Tschüss sagen“ und mit dem Geländewagen ins große Abenteuer starten. „Die Welt hat so viel zu bieten“, sagt Heike Debaets, „und mit so einem Wagen kommt man einfach viel mehr in Kontakt mit den Menschen und Kulturen.“ Hier in Zellereit (Kreis Rosenheim) beim Globetrotter- Treffen haben alle „so einen Wagen“. Und sie alle eint die gleiche Aufbruchstimmung

Exotische Offroad-Vehikel drängen sich hier dicht an dicht: Jedes Jahr, rund um Fronleichnam, trifft sich die Globetrotter-Szene in Zellereit bei Wasserburg.

Seit über 30 Jahren treffen sich hier Weltenbummler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Angefangen hat alles mit einer kleinen Stammtischrunde im Biergarten Großhesselohe. Damals passte man noch an einen Tisch und plauderte über die Erlebnisse, erinnert sich Dieter Höpfner, 68, Organisator des Globetrotter-Treffens. „Dann wurden es schnell immer mehr.“ Höpfner war früher Prokurist beim Münchner Outdoor-Ausrüster Därr, der damals wie heute Schirmherr des Spektakels ist. Vom Biergarten ging es über ein paar Zwischenstationen schließlich nach Zellereit auf einen Reiterhof. Hier auf den Koppeln und Weiden finden die Reise-Freaks genügend Fläche: 500 Wohnmobile, Jeeps, Unimogs und Lastwagen brauchen ihren Platz. 1500 Gäste zählt Höpfner mittlerweile.

„Traumparadiese Tahiti und Patagonien“

Auch er ist schon viel und weit gereist, Anden, Kongo, Sahara. Im Herbst soll es „wieder mal nach Nordafrika“ gehen, Libyen steht auf dem Plan. „Dieter, wann kommst du?“ fragen ihn via Internet regelmäßig seine afrikanischen Bekannten von früheren Reisen, so erzählt Höpfner. „Hier auf dem Treffen werde ich mich auf den aktuellen Stand bringen, ein neues Auto möchte ich mir auch zulegen.“ Mit den anderen die politische Lage diskutieren, Routen austauschen. Höpfner, der Reisende, ist hier im Camp in seinem Element.

Nebenan ist die Reithalle bestuhlt und abgedunkelt, dort finden Vorträge statt. Ein Weltreisender schwärmt in einer Multivisionsshow über die „Traumparadiese Tahiti und Patagonien“, ein anderer zeigt Bilder von seiner Australien- Durchquerung. In Technik- Workshops lernen die Teilnehmer, wie sie bei der nächsten Wüsten-Panne selbst Hand anlegen können. Nachts erklärt ein Hobby-Astronom, wie die Orientierung mit Hilfe der Sterne funktioniert. Das Programm füllt drei Tage, wenn man will.

„Viele Junge kommen her, um von den Erfahrenen zu lernen"

Manche kommen seit Jahrzehnten. Vom emeritierten Uni-Professor bis hin zum Kfz-Schrauber sammelt sich beim Treffen ein breiter gesellschaftlicher Querschnitt. Höpfner ist stolz auf den Generationenwechsel, den das Treffen gemeistert habe: „Viele Junge kommen her, um von den Erfahrenen zu lernen und mit ihnen zu fachsimpeln.“ Auch wenn sie viel unterscheidet, die meisten der Weltreisenden in Zellereit sind auf den ersten Blick als solche zu erkennen: Sie tragen das, was sie auch auf ihren Weltreisen anhaben. Funktionale Outdoor- Kleidung, sandfarbene Trekkinghemden, Geländeschuhwerk. Am Essensstand hat der Wirt aus der Nachbarschaft Bierbänke aufgebaut – die Globetrotter bringen lieber ihre eigenen Campingstühle mit. Individualisten eben.

Auf ihren klappbaren Zeltmöbeln haben es sich auch Heike und Danny Debaets bequem gemacht. Natürlich direkt vor ihrem beigen Toyota, Typ „HZJ 79“, mit Kabinenaufbau und Solaranlage. Die Tübinger saßen gerade für einen Plausch bei den Toyotafahrern gegenüber, „die waren schon überall“. Gemeinsam hat man den nächsten Trip besprochen, Marokko. Doch Reise hin oder her – ein festes Ziel für 2013 steht schon fest: das Globetrotter-Treffen im oberbayerischen Zellereit.

Von Armin Forster

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