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Lärm-Klage gegen Franken-Gemeinde

Münchner will Glockenläuten verbieten lassen

München - Seine Rente wollte ein Münchner idyllisch im fränkischen Hauendorf verbringen. Doch das Läuten der benachbarten Kirchenglocken störte ihn. So endete der Fall vor Gericht:

Ein Rentner aus München wird in seinem Ruhestand im fränkischen Haundorf künftig weniger von Kirchenglocken gestört. Vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof erreichte er am Freitag, dass fortan weniger geläutet wird.

Den nächtliche Glockenschlag zu jeder Viertelstunde will die evangelische Kirchgemeinde nach einem vom Gericht angeregten Kompromiss abstellen. Das Einläuten des Sonntags am Samstag ab 16.00 Uhr wird von 14 auf 10 Minuten verkürzt. Dafür darf das Gebetsläuten am Freitag ab 11.00 Uhr auch künftig fünf Minuten dauern (Az.: 22 B 12.2388). Die Kirche kann den Vergleich noch bis 30. September widerrufen, wenn der Gemeindevorstand nicht zustimmen sollte.

71-Jähriger war vor 25 Jahren aus der Kirche ausgetreten

Der 71-jährige Rentner war aus München in das Dorf bei Ansbach gezogen. Doch in der Nachbarschaft sind die Schläge der Christus-, der Taufglocke und der 1873 gegossenen Gebetsglocke zu hören, der ganze Stolz der Gemeinde von Haundorf. „Ihr Geläut unterstreicht, dass ich zu Gott gehöre und durch die Taufe erlöst wurde“, sagt Dekan Armin Diener. „Das ist bei den Haundorfern so verankert.“ Aber der Zuzügler war vor 25 Jahren aus der Kirche ausgetreten, das Gebimmel störte seine Ruhe. Weil seine Klage beim Verwaltungsgericht Ansbach erfolglos blieb, ging er in Berufung. Der Verwaltungsgerichtshof in München holte ein Gutachten ein: Freitags werden 66,9 Dezibel erreicht, samstags 71,3, in der Spitze 86,2 Dezibel. Das ist schon sehr laut.

Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts muss Glockenläuten „im Rahmen des Herkömmlichen“ hingenommen werden. Vom Läuterecht darf aber kein so exzessiver Gebrauch gemacht werden, dass den Nachbarn Gesundheitsschäden drohen. In München wies Richter Rainer Schenk darauf hin, dass im Falle eines Urteils deutliche Einschränkungen des Läutens wahrscheinlich seien. Das förderte die Bereitschaft zur Einigung.

Lautes Glockengeläut gibt Anwohnern häufig Grund zur Klage vor Gericht. Einige Fälle:

Februar 2012: Ein Mann aus Rheinau (Baden-Württemberg) scheitert mit seiner Klage gegen nächtliches Glockenläuten vor dem Landgericht Offenburg. Anwohner müssen auch nachts Kirchenglocken ertragen, solange das Läuten innerhalb der gesetzlich geregelten Grenzwerte bleibt, urteilen die Richter.

Dezember 2010:

Glockenläuten am Morgen gilt nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart als „zumutbare Äußerung kirchlichen Lebens“. Die Richter weisen die Klage eines Grundstücksbesitzers ab, der eine Wertminderung seiner Immobilie geltend machen wollte. Das Grundrecht auf freie Religionsausübung müsse gewahrt bleiben.

September 2007: Anwohner müssen das Läuten von Kirchenglocken mitunter auch dulden, wenn der zulässige Lärmpegel überschritten wird, urteilt das Verwaltungsgericht Arnsberg (Nordrhein-Westfalen). Nach dem Einbau einer neuen Glocke war der Lärm den Nachbarn einer Kirche zu laut geworden. Die zulässigen Spitzenwerte würden zwar zum Teil überschritten. Im Rahmen einer Sonderfallregelung müssten die Nachbarn dies aber hinnehmen, urteilen die Richter.

März 2002: Eine evangelische Gemeinde in Aschaffenburg (Bayern) muss ihre Kirchenglocken künftig leiser läuten lassen. Der Lärm sei einer Frau, deren Wohnung nur zwölf Meter von dem Turm entfernt ist, nicht zuzumuten, entscheidet der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München. Die Gemeinde müsse leiser läuten oder Schallschutzmaßnahmen finanzieren. Die Richter hoben eine andere Entscheidung des Verwaltungsgerichts Würzburg auf.

dpa

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