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Fachkongress  in München

Glücksspielsucht: Warum oft Migranten betroffen sind

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München – Auf Pferderennen und Fußballspiele wetten oder am Automaten Geld verzocken: Glücksspielsucht hat viele Gesichter. Besonders betroffen sind junge Männer mit ausländischen Wurzeln, sagt Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht, vor dem Fachkongress Glücksspiel, der heute in München stattfindet.

Herr Landgraf, sind Migranten anfälliger für Glücksspielsucht?

Ja, verschiedene Studien und die Zahlen unserer Beratungsstellen zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund übermäßig häufig von Glücksspielsucht betroffen sind.

Woran liegt das?

Das hat verschiedene Gründe: Wenn sich jemand entwurzelt fühlt und Schwierigkeiten hat, sich in der neuen Heimat zu integrieren, kann das eine Suchtentwicklung befördern. Es hat aber auch kulturelle Gründe. Unter türkischsprachigen Migranten haben wir etwa ein besonders großes Glücksspielproblem. Das liegt daran, dass man Probleme mit dem Glücksspiel besonders gut geheim halten kann. Man riecht nicht nach Alkohol – was in diesem Kulturkreis ohnehin verpönt ist – und erkennt auch keine Anzeichen von Drogenkonsum. Außerdem wird in vielen türkischen Teestuben Glücksspiel angeboten.

Der Faktor Geld spielt keine Rolle?

Die Möglichkeit, ohne Arbeit an viel Geld zu kommen, reizt natürlich jeden, der mit Glücksspiel beginnt. Pathologische Glücksspieler spielen aber nicht mehr wegen des Gewinns, sondern um sich von ihren Problemen abzulenken. Wenn so jemand vor einem Spielautomaten sitzt, schaltet er alles andere um sich ab. Je größer die Probleme, desto stärker die Wirkung des Spielens. Deswegen sind auch traumatisierte Menschen besonders gefährdet.

Wie viele Süchtige gibt es in Bayern?

Wir gehen von 34 000 pathologischen und 33 000 problematischen Glücksspielern aus. Somit haben rund 70 000 Menschen in Bayern ein Glücksspielproblem. Wie hoch der Migranten-Anteil ist, lässt sich nicht genau beziffern.

Was wird am häufigsten gespielt?

Die Menschen, die in unsere Beratungsstellen kommen, geben noch immer zu etwa 80 Prozent an, dass sie vor allem an Geldspielgeräten, also an Automaten, spielen. Ich gehe aber davon aus, dass der Anteil von Online-Glücksspiel und Sportwetten deutlich zunehmen wird.

Ist Glücksspiel ein Männerproblem?

Etwa 70.000 Menschen in Bayern haben ein Glücksspielproblem, sagt Konrad Landgraf von der Landesstelle Glücksspielsucht. Übermäßig häufig sind Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. 

Ja, immer noch. Männer sind schlicht risikofreudiger als Frauen. Es ist aber nicht so, dass wir keine glücksspielsüchtigen Frauen haben. Sie beginnen oft später mit dem Glücksspiel, entwickeln dann aber häufig schneller eine Problematik. Und der Anteil der Traumatisierten ist bei Frauen deutlich höher.

Wie viele Flüchtlinge kommen zur Beratung?

Momentan kommen Flüchtlinge noch eher selten in die Beratungsstellen. Das kann an der Sprachbarriere liegen, außerdem wissen wohl viele gar nichts von unserem gut ausgebauten Suchthilfesystem. Und es braucht natürlich eine gewisse Zeit, bis jemand eine Sucht entwickelt und sich dann auch Hilfe sucht. Ich gehe aber davon aus, dass in Zukunft mehr Menschen zu uns kommen werden.

Wie lässt sich das Problem eindämmen?

Um die Hemmschwelle zu senken, haben wir vor Jahren eine türkischsprachige Hotline eingerichtet, die von muttersprachlichen Therapeuten betreut wird. Das kann aber nur ein Anfang sein. Über eine Hotline kann ich keine Therapie machen. Es gibt noch starken Nachholbedarf. Insgesamt gibt es immer noch zu wenig muttersprachliche Angebote.

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