Der Goldkessel gehörte nicht zum Heiligen Gral.

Goldkessel voller Pech: Prozess

Rosenheim/Zürich - Die Gier nach Gold und Reichtum: Schatzsucher stürzte sie über Jahrhunderte hinweg ins Verderben. Nun hat der Chiemsee-Goldkessel einem Schweizer Geschäftsmann kein Glück gebracht. Er muss ins Gefängnis.

Im September 2001 hatten Hobbytaucher am Nordostufer des Chiemsees einen Sensationsfund gemacht: Bei Seebruck zogen sie in Ufernähe einen Kessel aus dem Schlamm - elf Kilo pures Gold. Die Entdeckung war nur der Anfang einer unglaublichen Geschichte um geheimnisvolle Mythen und viel Geld.

2003 setzten Wissenschaftler den vielen Spekulationen ein Ende. Die Schale mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern stammte weder aus der Keltenzeit noch handelte es sich um Nazi-Gold oder Hitlers Nachttopf. Stattdessen soll sie Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Münchner Goldschmied angefertigt worden sein.

Doch der nächste Mythos war schnell geboren. Jahre später gelangte der Schatz aus dem Chiemsee in die Schweiz. Dort stand Unternehmer Marcel W. (61) vor dem Ruin. Der Kessel sollte ihm zum Geschäft seines Lebens verhelfen. Also kaufte er die Goldschale über einen Strohmann - für 300 000 Euro. Es handele sich um den heiligen Gral, strickte der Geschäftsmann an der Legende um das wundertätige Gefäß aus der Artus-Sage weiter und suchte nach Geldgebern, die sich - so hieß es im Werbeprospekt - „am wohl bedeutendsten kunsthistorischen Fundobjekt des Abendlandes und der gesamten westlichen Hemisphäre“ beteiligen sollten. 350 Millionen, vielleicht sogar eine Milliarde Euro sei der Schatz bald wert, schwärmte der „Gralshüter“.

Rasch bekam er sieben Millionen Euro zusammen - die Liste der Investoren zieht sich quer durch Europa. Sie reicht von einer Frau aus Kasachstan, die drei Millionen beisteuerte, bis zu einer Anlegerin aus Rimsting, die 50 000 Euro in das Projekt steckte. Erst als die traumhaften Renditen auf sich warten ließen, erstattete die millionenschwere Kasachin Anzeige. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren ein, sperrte den Schatz weg und brachte den 61-Jährigen vor Gericht. Laut Anklage betrieb der Finanzjongleur ein Schneeballsystem, richtete einen Schaden von über 24 Millionen Franken an und setzte zuletzt alles auf den „Gral“. Gestern bekam Marcel W. die Quittung: Wegen Betrugs und Urkundenfälschung muss er für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Hinzu kommt eine drastische Geldbuße: 14 Millionen Schweizer Franken (rund elf Millionen Euro) will der Staat, zudem soll er die Investoren entschädigen.

Ludwig Simeth

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