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Plage oder Zierde? Zahlreiche Gänse bevölkern Münchner Parks.

Vogelschützer protestieren gegen Graugans-Jagd

München - Tierschützer erheben schwere Vorwürfe: Um mehr Graugänse in Bayern abschießen zu dürfen, soll ein Wissenschaftler Bestandszahlen manipuliert haben.

Natur- und Vogelschützer wehren sich massiv dagegen, dass Wissenschaftler in Bayern in der Mauserzeit Jagd auf Graugänse machen (wir berichteten). Sie werfen Andreas König von der Technischen Universität München vor, die Populationszahlen manipuliert zu haben, um die Erlaubnis zum Töten der Tiere von der Obersten Jagdbehörde im Freistaat zu erlangen.

Am Altmühlsee in Mittelfranken darf König von Mai bis Juli Mausergänse mit Netzen fangen und erlegen. Dann werfen die Tiere in der Mauser ihr Federkleid ab und können nicht fliegen. Im Nymphenburger Schlosspark in München will König zusammen mit einem Falkner möglicherweise im Sommer einen Wüstenbussard auf die dortigen Graugänse loslassen.

Tierschützer: Sondergenehmigung durch falsche Zahlen

„Tierquälerei“ ist das für den Bund Naturschutz (BN), den Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die Ornithologische Gesellschaft in Bayern. Es sei „durch nichts zu rechtfertigen“, die Vögel in der Mauser zu töten und damit ihre Sozialstruktur zu zerstören, sagte Heinz Sedlmeier vom LBV am Mittwoch. Anders als von der Regierung angegeben hat sich laut BN die Population der Tiere in den vergangenen Jahren nicht wesentlich vergrößert. Der Verein legte eine entsprechende Langzeitstudie vor.

König werfen die Tierschützer vor, mit falschen Zahlen zu hantieren. Nur so habe er die Sondergenehmigung für Jagden mit Netzen und dem Wüstenbussard bekommen.

Gänsekot laut Experten unbedenklich

Neben dem Kleinhesseloher See und dem Olympiapark ist der Schlosspark eines der großen Brutgebiete der Stadt München. Die „Vergrämung“, wie die Bussard-Jagd heißt, ist laut Falknerei für August angedacht - aber noch nicht entschieden.

Den kontinuierlichen Anstieg, von dem die Regierung spricht, erklären die Autoren dadurch, dass öfter gezählt werde und die Ergebnisse addiert würden. Damit entstünden Ergebnisse, wie die Politik sie bestellt, vermutet die Biologin Silke Sorge. Die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung etwa klage über Gänse, die durch Blumenbeete watscheln. König selbst hat im „Jägerkurier“ geschrieben, es sei politisch gewünscht, die Jagden bei Erfolg auf ganz Bayern auszuweiten.

Gänsekot ist laut Vogelexperten hygienisch unbedenklich. Er bestehe aus Gras und Wasser. Am Kleinhesseloher See im Englischen Garten konnte das Wasserwirtschaftsamt keinen signifikanten Anstieg der bakteriologischen Belastung feststellen.

Kolja Kröger

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