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Ein Bild aus alten Tagen: Philipp Reindl  mit einem „griaß di“-Shirt. Er findet, die Markenschützerei braucht eine Grenze – „bevor wir amerikanische Verhältnisse haben und jedes Wort geschützt wird“.

Gruß-Affäre zwischen Allgäu und Tirol

Markenstreit: Wem gehört das "Griaß di"?

Legau - Griaß di! So begrüßen sich Bayern – und Tiroler. Doch weil zwei Firmen die Idee hatten, den Spruch auf T-Shirts zu drucken, gibt es Streit. Länderübergreifend.

Nein, ein Fall für die Diplomatie ist die Gruß-Affäre jetzt noch nicht. Aber zwei Wörter haben die Harmonie zwischen Bayern und Österreich ganz schön – sagen wir – erschüttert. Griaß di. Darum geht’s. Wem gehört der Gruß? Wer darf damit T-Shirts bedrucken? Darüber streiten sich zwei Firmen, eine sitzt im Allgäu, eine in Tirol. Doch von Anfang an.

Schauplatz Nummer eins: Längenfeld, Österreich. Philipp Reindl, heute ein Bursche von 30 Jahren, hat 2007 eine fesche Idee. Er programmiert eine Internetseite, auf der Kunden T-Shirts, Kaffeetassen oder Teddybären bestellen können, mit lustigen Sprüchen drauf. „Auf da Alm do gibt’s koa Sünd“ zum Beispiel, „schleich di“ oder – „griaß di“. Letzteres ist schnell der Renner, das mögen die Tiroler. Das Geschäft brummt. Bis Reindl Anfang Juli ein Brief ins Haus flattert. Absender: ein Patentanwalt aus Deutschland. Der Tiroler möge den Verkauf der „griaß di“-Klamotten bitte umgehend einstellen. Sonst drohen Schadenersatzforderungen. Die europaweit geltenden Rechte für die Marke „griaß di“ lägen bei der Firma Mayr & Abel Druck, Bayern. Basta.

Die Allgäuer T-Shirt-Produzenten wollten nicht ins Bild. Das Foto zeigt ein Model. Firmen-Chef Mayr sagt aber: „Der Tiroler soll sich melden, vielleicht kann man sich irgendwie einigen.“

Schauplatz Nummer zwei: Legau, Landkreis Unterallgäu. Peter Mayr (49) und sein Kumpel Edmund Abel haben auch einen Online-Shop, seit 2004. Auch sie verkaufen T-Shirts, für Allgäuer. „Oinzlstuck“ drucken sie auf Wunsch drauf, „bloß it hudla!“ – oder „Griaß di!“. Wie beim Österreicher Reindl ist das der Kassenschlager, 1000 solcher Oberteile im Jahr kriegen die Allgäuer locker los. Doch irgendwann stellen Mayr und Abel fest, dass sie mit ihrer Idee nicht die einzigen sind. „Wir wurden ziemlich oft kopiert“, sagt Mayr. 2011 beschließen die Unternehmer, sich den Spruch schützen zu lassen. Sie zahlen einem Patentanwalt viel Geld, knapp 1000 Euro Gebühren, dann kommt aus Alicante, Spanien, eine Markenschutzurkunde. Dort sitzt nämlich die zuständige EU-Behörde. Und die hat genehmigt, dass „Griaß di“ nur noch von Mayr und Abel auf T-Shirts, Prospekte, Turnschuhe, Kalender, Socken und sogar auf „Schaufeln zur Entsorgung von Hundekot“ gedruckt werden darf. Von sonst niemandem. Die Allgäuer durchforsten jetzt das Internet, auf der Suche nach Nachmachern. Drei finden sie, denen lassen sie Schreiben vom Anwalt schicken. Einer davon: Philipp Reindl.

Bei dem schlägt nach Erhalt des Briefs die „Tiroler Schläue“ zu, sagt er über sich selbst. Dann steht halt künftig „griaß enk“ auf den Shirts, geht auch so. Aber nach ein paar Tagen fängt er an zu grübeln. „Irgendwie geht’s doch da ums Prinzip, oder?“, fragt sich der 30-Jährige. Er wendet sich an einen Patentanwalt, bald bekommen die österreichischen Medien Wind vom Gruß-Klau der Bayern – und laufen Sturm. „,Griaß di‘ in deutscher Hand“ titelt der empörte ORF auf seiner Internetseite. Die Wirtschaftskammer Tirol meldet sich forsch zu Wort: „Das ,Griaß di‘ gehört uns Tirolern und daran führt kein Weg vorbei“, sagt der Präsident. Seit gestern sind Anwälte beauftragt, eine Markenlöschung anzustrengen. Könnte ja jeder daherkommen und den Tirolern das Tirolerische klauen.

Wer ist jetzt im Recht? Der Münchner Anwalt und Bairisch-Sprecher Udo Söllner ist spezialisiert auf Marken- und Patentrecht. Das Vorgehen der Allgäuer, sagt er, scheint einwandfrei. Sobald eine Wortmarke wie „Griaß di“ in Alicante registriert sei, dürfe nur noch der Inhaber sie verwenden. Wer das Patent als erster anmelde, habe auch das Monopol darauf. Wer die Wortmarke unerlaubt benützt, begeht eine Markenrechtsverletzung. Eine Löschung des Monopols, das übrigens erst einmal für zehn Jahre gilt, ist möglich – dann müssen aber gute Argumente vorgelegt werden.

Vielleicht hilft Dialekt-Experte Sepp Obermeier. Mit einem Satz, der den ganzen Zank überflüssig macht. „Österreichisch gibt es gar nicht“, sagt Obermeier. „Es gibt nur Bairisch, da gehört Tirolerisch dazu.“ Na dann: Pfiat di!

Carina Lechner

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