Grippewelle

Gedränge in den Notaufnahmen

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    Andrea Eppner
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Die Grippe hat Oberbayern im Griff: Die Arztpraxen sind voll, immer mehr Patienten werden mit Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Lagebericht zur Grippewelle.

Ganz Bayern schnieft und fiebert – das zeigen die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit. Demnach türmt sich die Grippewelle im Freistaat weiter auf: Allein in der dritten Januarwoche wurden dem Amt 1077 Influenza-Fälle gemeldet, in der Woche davor waren es 895.

Das führt zu vollen Notaufnahmen in der ganzen Region: „Die Situation ist derzeit stark angespannt“, heißt es zum Beispiel auf Anfrage beim Klinikum der Universität München. Zum normalen Patientenverkehr etwa im Innenstadt-Klinikum gebe es derzeit ein „extrem hohes Aufkommen von Grippe- und Noro-Infektionen“. Im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München ist zwischenzeitlich kein einziges Bett frei.

Grippefälle im Freistaat 

In Ober- und Niederbayern findet das Influenzavirus offenbar besonders viele Opfer, nämlich 305 bzw. 247, gefolgt von Mittelfranken mit 229 Fällen. In den anderen Regierungsbezirken ist die Lage etwas entspannter. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn bereits 2487 Grippefälle im Freistaat gemeldet (Vorjahreszeitraum: 352), seit Beginn der Grippesaison im Herbst sind es sogar schon 3712. Fast ein Drittel der Infizierten sind Oberbayern (1272 Fälle).

Dabei dürften die tatsächlichen Zahlen sogar noch deutlich höher liegen: Zwar gehört die Influenza zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Doch längst nicht jeder Patient geht zum Arzt. Und: Nicht jeder, der sich in die Praxis schleppt, wird auf Influenza getestet. Zumal sich derzeit auch sehr viele Bayern mit einer Erkältung herumschlagen, wie jeden Winter. Allein anhand der Beschwerden lässt sich aber nicht sicher sagen, ob harmlose Erkältungs- oder eben doch Influenzaviren die Übeltäter sind.

Höhepunkt der Grippewelle schon erreicht

Eine grobe Einschätzung der Lage erlauben immerhin die wöchentlichen Karten, die die „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) erstellt. Sie basieren auf den Zahlen, die „Wächter-Praxen“ stichprobenartig aus ganz Deutschland melden. Teilnehmende Ärzte zählen alle Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen, von Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung – und lassen auch testen, welche Viren die Verursacher sind. Ergebnis in der dritten Januarwoche: 77 Prozent der eingeschickten Proben wurden positiv auf Influenza getestet. Insgesamt ist die Aktivität laut RKI bundesweit „moderat erhöht“. Von Viren geschwächt wird mancher offenbar auch noch zu einem leichten Opfer für Bakterien. So werden derzeit deutlich mehr Patienten mit einer Lungenentzündung in Krankenhäusern behandelt.

Ein Infekt ist nicht zu unterschätzen. Auch normale Erkältungs-Viren können das Herz schädigen, warnen Mediziner.

Lesen Sie hier mehr zur Grippewelle 2017: Wirkt der Impfstoff dieses Jahr?

Norovirus in Bayern 

Doch nicht nur mit Fieber, Schnupfen und Husten plagen sich die Bayern. Magen- und Darminfektionen zwingen ebenfalls viele ins Bett. Schuld sind meist Noroviren. 1253 Fälle hat man bayernweit in den ersten drei Januarwochen gezählt, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es mit 604 Fällen nicht einmal halb so viele.

Immerhin, ein kleiner Lichtblick: In der dritten Meldewoche lag die Zahl mit 352 Fällen erstmals etwas niedriger als in den drei Wochen davor – da wurden nämlich jeweils mehr als 400 Infizierte gemeldet. Aktuell kommen die meisten Norovirus-Patienten aus Oberbayern (99 Fälle, 3. Woche) und Oberfranken (45 Fälle).

Auch im Krankenhaus Agatharied, Landkreis Miesbach, hat sich die Lage entspannt: Wie berichtet, mussten in der vorigen Woche Termine für geplante Behandlungen verschoben werden, weil so viele Patienten, aber auch Ärzte und Pfleger am Norovirus erkrankt waren. Seit Montag läuft der Krankenhausbetrieb aber wieder normal.

Grippewelle 2017: Ende zeichnet sich langsam ab

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