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Blick ins Müllheizkraftwerk München Nord. Hier werden jährlich 690000 Tonnen Restmüll verbrannt.

Landratsamt zieht Jahresbilanz

Der große bayerische Müll-Report

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München  - Spätestens an Weihnachten, wenn sich wieder Berge an Geschenkpapier und Verpackungsmüll anhäufen, ist es offensichtlich: Bayern ist eine Wegwerfgesellschaft. Soeben wurde die bayerische Müllbilanz 2015 vorgelegt – mit überraschenden Ergebnissen.

Das Sammeln von Metallschrott spielt im Abfallreport, den das Bayerische Landesamt für Umwelt vorgelegt hat, eine eher untergeordnete Rolle: 90 125 Tonnen, die die Haushalte zumeist zu den Wertstoffhöfen karrten, klingen nicht viel im Vergleich etwa zur erfassten Menge an Biomüll (1,93 Millionen Tonnen). Aber zur Verdeutlichung mal dieser Vergleich: 90 000 Tonnen – das entspricht einer Herde von 15 000 ausgewachsenen afrikanischen Elefanten. So viel an Schrott fiel bei den bayerischen Privathaushalten an.

Der Chef des Landesamts, Claus Kumutat, lobt in der Abfallbilanz das Entsorgungsverhalten der Bayern. „Der Schritt von der Wegwerf- zur Verwertungsgesellschaft ist gelungen“, schreibt er im Vorwort. Wurden 1991 nur 153 Kilo je Einwohner an Wertstoffen – Altpapier, Weißblechdosen, Glas und anderes – gesammelt, so waren es 2015 mehr als doppelt so viel: 356 Kilo.

Sättigungseffekte - Sammeln von Biomüll sogar rückläufig

Kumutat warnt zugleich vor der Erwartung, die Recyclingquote sei noch steigerbar. „Verbesserungen werden schwieriger.“ Es gebe Sättigungseffekte. Selbst Gesetzesänderungen hätten keine Verbesserung mehr gebracht – im Gegenteil: Das Sammeln von Biomüll ist sogar rückläufig. „Witterungsbedingte Gründe“ seien ein Faktor, ein zweiter die Tatsache, dass „Gebietskörperschaften im Südosten Bayerns“ sich sperrten, eine Biotonne einzuführen, wie es ein LfU-Sprecher auf Nachfrage bestätigt.

Gemeint ist der Landkreis Altötting, dessen Landrat sich hier standhaft verweigert. Negativ vermerkt wird im Report auch, dass erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1987 die Restmüll-Menge in Bayern angestiegen ist. Die einzige Chance für eine Trendumkehr sei, so Kumutat, die Abfallmengen durch Vermeidung oder längere Verwendung von Geräten zu reduzieren. Immerhin beschäftigen die Kommunen in Bayern 200 Abfallberater. Die könnten zum Beispiel darauf hinweisen, dass Recycling von Elektroschrott noch steigerungsfähig ist – alte Computer oder Handys landen häufig einfach im Restmüll. Im Müllreport sind auch kleinere Posten akribisch erfasst, zum Beispiel Batterien: 1191 Tonnen fielen an – und wurden zur „fachgerechten Entsorgung“ geschickt. Batterien sind kein Restmüll. Aus ihnen werden noch Metalle gewonnen.

Müllvernichtung - ein eigener Industriezweig

Zur Bewältigung der Müllberge, so wird im Müllreport sichtbar, ist eine regelrechte Industrie entstanden. Es wird erfasst, recycelt und „thermisch verwertet“ (sprich: verbrannt), was das Zeug hält. Der Restmüll wird in Bayern zu über 98 Prozent verbrannt, nur im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es einen Sonderweg – die mechanisch-biologische Restabfallbehandlung in Erbenschwang.

15 Müllverbrennungsanlagen gibt es in Bayern – fünf davon in Oberbayern –, die praktisch die gesamte Restmüllmenge (2,3 Millionen Tonnen) schlucken. Acht Anlagen, darunter die in Rosenheim und Burgkirchen an der Alz, nahmen gegen Bezahlung auch Müll aus Österreich an.

Übrig blieben im vergangenen Jahr 89 000 Tonnen Rückstände aus der Abgasreinigung und 584 000 Tonnen Asche. Daraus werden noch einmal 59 000 Tonnen Schrott gefischt. Die meiste Asche (462 000 Tonnen) landet dann im Straßenbau. Ein kleiner Teil wird auf Deponien abgelagert. Auch daran ist in Bayern übrigens kein Mangel. „Zum 31. Dezember 2015 war ein genehmigtes Restvolumen von 14,9 Millionen Kubikmeter verfügbar“, heißt es nüchtern.

Altpapier

Im Sammeln von Altpapier, Pappe und Karton sind die Bayern besonders fleißig. 2015 fielen gigantische 1,004 Millionen Tonnen an. Das sind 78,8 Kilo je Einwohner. Auffällig sind die Unterschiede zwischen Großstadt (nur 72,8 Kilo je Einwohner) und Kleinstadt (88,1 Kilo).

Altglas

Weinflasche & Co: Gesammelt wurden über 298 600 Tonnen. Das sind 23,4 Kilo je Einwohner. Auch hier gibt es in der Großstadt (nur 19,3 Kilo je Einwohner) Nachholbedarf. Noch eine Zahl: Es gibt in Bayern 16 581 Glas-Container – das ist ein Container für 769 Einwohner.

Metallschrott

10,7 Kilo je Einwohner wurden gesammelt, das addiert sich auf die gewaltige Gesamtmenge von 135 500 Tonnen – vom ausrangierten Fahrrad bis hin zu Opas Schraubensammlung. Achtung: Weißblechdosen zählen nicht zum Schrott, sondern zu den Leichtverpackungen

Bioabfall

Zusammen mit gewerblichen Grüngut fielen 1,93 Millionen Tonnen Bioabfall an. Verwelkte Blumen, Rasenschnitt und anderes. Die Menge ist rückläufig – um 3,1 Prozent. Unterdurchschnittlich ist (wegen München, wo nicht viel Grünschnitt anfällt) die Menge in Oberbayern.

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