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Erfolgreich überwintert: Eckard Radkes Bienen sind gesund durch die kalte Jahreszeit gekommen. 80 Prozent haben überlegt. Andere Imker hatten weniger Glück.

Gut, dass es Leute wie Radke gibt

Großes Bienensterben in Bayern beunruhigt Imker

Dietmannsried - Zehn Prozent der bayerischen Bienen kommen in der Regel nicht durch den Winter. Diesmal hat es gleich drei Mal so viele erwischt. Dafür steigt die Zahl engagierter Imker wieder an.

Die Temperatur steigt, der Frühling naht. Eckard Radke aus Dietmannsried (Kreis Oberallgäu) wagt einen ersten Schritt Richtung Brutkasten. Vorsichtig öffnet er den Deckel. Ein spannender Moment. „Man weiß nie so genau, was einen erwartet“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Imker (LVBI). Manchem sei das ganze Bienenvolk weggestorben, dem anderen keine einzige. „Ich habe Glück gehabt“, erzählt Radke, er schätzt seinen Verlust auf 20 bis 25 Prozent. In der Regel erwischt es über die kälteste Jahreszeit nur zehn Prozent. „Nach diesem Winter kann man aber mit einem durchschnittlichen Verlust von 30 Prozent rechnen.“ Nicht, weil der Schnee so hoch, die Temperaturen so tief waren. „Die Biene kommt damit gut zurecht, sie erfriert nicht.“ Die Ursache liegt mehr als ein Jahr zurück.

Stichwort Varroamilbe. Der blutsaugende Parasit gilt seit den 70er, 80er Jahren auch in Bayern als Erzfeind aller Honigbienen. „Weil er sich exponentiell vermehrt“, sagt Radke. Und erst Anfang August vom Imker bekämpft werden darf. „Mit Ameisensäure, nach der letzten Honigernte.“ Garantie für einen Bekämpfungserfolg gebe es nicht. Umso wichtiger, dass sich die Bienen gesund und ausreichend ernähren. „Dafür kann der Imker mit Zuckerzusatz – also Kohlenhydraten – selbst viel tun.“ Wesentlich wertvoller sei jedoch eine gute Ernährung natürlicher Art. „In den Pollen steckt sehr viel Eiweiß.“ Das gibt der Biene Kraft. Doch von einem Meer aus Pollen konnten die gelb-schwarzen Insekten 2014 nur träumen. Der nasskalt verregnete Sommer, mit dem auch die Landwirtschaft zu kämpfen hatte, machte den Honigproduzenten das Leben besonders schwer.

Dabei war die Hoffnung auf ein Meer aus Blüten größer als die Jahre zuvor. Wegen des milden Winters 2013/2014. Die Bienen brüteten durch, hatten bereits zu Jahresbeginn 2014 viel Energie verbraucht. Mehr, als ihnen das Zusammenkuscheln bei eisigen Temperaturen abverlangt hätte. So hatte die blutsaugende Varroamilbe leichtes Spiel, die ohnehin schon geschwächten Bienen zu töten. „Das ist mit Sicherheit der Hauptgrund für die 30 Prozent“, sagt Radke.

Aber es gibt auch eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen aller Altersklassen interessieren sich für die Imkerei. Aktuell gehören 25 000 Imker mit 170 000 Bienenvölker zum LVBI. Tendenz steigend. Ein Grund: „Die Schlagzeilen in den Medien.“ Das alljährliche Bienensterben und die damit verbundene Frage, was passiere mit den Menschen, sollte die Biene aussterben, sensibilisiere. „Zum LVBI sind allein im vergangenen Jahr 2000 neue Mitglieder mit rund 7700 Bienenvölkern dazugekommen.“ Der bayerische Bienenbestand ist also gesichert – vorerst. „Wie es in mehreren Jahrzehnten aussieht, ob wir in Bayern womöglich ein mediterranes Klima vorfinden, ist schwer vorauszusagen“, so Radke.

Der Klimawandel mache sich bei ihm im Allgäu schon bemerkbar. „Als ich vor 30 Jahren mit der Imkerei angefangen habe, waren die Wiesen Anfang Mai gelb.“ Mittlerweile blüht der Löwenzahn schon Mitte, Ende April. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Blütenzeit um zwei Wochen nach vorne geschoben hat.“ Bedenkt man, dass eine Biene 21 Tage zur Entwicklung braucht, bringen zwei Wochen früheres Ausschwärmen den bislang gewohnten Bienen-Rhythmus schon durcheinander – das kostet wieder zusätzliche Kraft, die Anfälligkeit für den Milbenbefall steigt. Ein Teufelskreis.

Johannes Schelle

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